31-07-2013

Mehdizadeh: Architektur mit Recycling-Fassade in Mahallat

Ramin Mehdizadeh,

© Omid Khodapanaki,

Iran,

Housing, Eigentumswohnungen,

Stein, Zement,

Award, Nachhaltigkeit,

Das Wohn- und Bürogebäude von Ramin Mehdizadeh in Mahallat ist eine Architektur der Gegenwart, die mit dem Gebiet verwurzelt ist. Inspiriert von den lokalen Steinbrüchen verwendet dieses Werk als Verkleidungsmaterial den Stein, der aus den bei der Verarbeitung entstehenden Verschnitten recycelt wurde. Ein Projekt im Zeichen der Nachhaltigkeit und der Kostensenkung, der auch die örtlichen Baufirmen überzeugt hat und für den Aga Khan Award for Architecture 2013 ausgewählt wurde.



Mehdizadeh: Architektur mit Recycling-Fassade in Mahallat
Dem jungen Architeken Ramin Mehdizadeh zufolge, kann die Archiektur helfen, die Regeln einer regionalen Wirtschaft zu ändern und dabei Vorurteile überwinden. Für die Realisierung eines Wohn- und Geschäftsgebäudes im Zentrum von Mahallat im Iran, hat er lokales, zurückgewonnenes Material verwendet und dabei eine Wahl im Sinne der Nachhaltigkeit getroffen, welche die Form der Architektur beeinflusst hat. Der Körper des Projekts Apartment 1 ist nämlich komplett mit den Verschnitten verkleidet, die bei der Verarbeitung der Steine aus den örtlichen Steinbrüchen stammen.
Ramin Mehdizadeh schreibt, dass über 50% der Wirtschaft von Mahallat mit der Steinverarbeitung befasst ist und gut 200 Steinmetze zählt. Die Landschaft wird hier von den zarten Tönen des Travertin gekennzeichnet. Der Wert dieses edlen und teuren Steins wird von der lokalen Kultur nicht ganz verstanden. Der Architekt betont, dass der massive Einsatz dieses Materials im Bauwesen nicht von einer bewussten Gestaltung und einer Überlegung bezüglich der modernen Ausdruckskraft begleitet wird.
Außerdem verursachten die Rückständigkeit und mangelnde Effizienz der bis vor einiger Zeit in Mahallat verwendeten Technologien nicht nur tonnenweise Abfall sondern auch enorme Kosten für den Betrieb und den Abbau der Rohstoffe. Die Untersuchung von Ramin Mehdizadeh hat das örtliche Steinverarbeitungssystem unter die Lupe genommen, um die betroffenen Entscheidungsträger im Sinne einer bewussteren Energieeinsparung und Senkung der Gesamtkosten anzuregen.
Dank des Entwurfs für Apartment 1, einer unternehmerischen Initiative zwischen dem Planer, dem Bauunternehmen und dem Bauträger, ist es ihm gelungen, die Unternehmen den neuen Technologien für das Schneiden und Recycling des als Abfall betrachteten Steins anzunähern. Das Projekt hat das kulturelle Vorurteil gegenüber dem wiederverwerteten Material überwunden, das bis zu diesem Moment von den Bauunternehmen als minderwertig betrachtet und von daher ignoriert wurde. Dies hat auch eine wichtige Auswirkung auf eine bessere Handhabung der lokalen Energieressourcen und führt zu einer deutlichen Kostensenkung. Angesichts der Verfügbarkeit vieler Tonnen Verschnitts mit unterschiedlichen Formen und Proportionen, aber alle mit der gleichen Dicke ? von 2 bis4 cm - hat Ramin Mehdizadeh eine Verkleidung für Außen und für die Innenräume gestaltet: Indem er Stücke von Travertin, Marmor und Granit übereinander gelegt hat, hat er weitläufige Oberflächen mit unterschiedlichen farblichen Abstufungen und anderer Haptik geschaffen.


Die horizontalen Linien, die am Gebäude nach oben klettern, erzeugen das Bild einer hohen Felswand, die mit ihren spitzen Winkeln und der unregelmäßigen Geometrie eben an die der Travertinbrüche erinnert. Aus der Betrachtung der Landschaft der Steinbrüche entsteht auch die Gestaltung der Grundrisse der Stockwerke: Von einer regelmäßigen Komposition gelangt sie ? dank eingefügter und vorgebauter dreieckiger Räume - zu einer unregelmäßigeren und “harscheren” Zusammensetzung, vor allem bei den kleineren Fassaden, Nord und Süd. Hier sorgt der Zusatz dreieckiger Räume, die wie natürliche Auskrakungen aus der Steinfront hervorstehen, für Bewegung der Komposition. Das Projekt öffnet unerwartete geschützte Öffnungen, von denen man nach draußen blicken kann und die Privatsphäre des Hauses bewahrt wird. Die Fensterläden, die sich an den traditionellen iranischen Holztüren inspirieren, ergänzen die Vielfalt der Fronten. Sie gestatten die Regulierung der natürlichen Belüftung und der Innentemperatur sowohl in der warmen als auch in der kalten Jahreszeit.


Mara Corradi


Entwurf: Ramin Mehdizadeh (ARCHITECTURE by COLLECTIVE TERRAIN, AbCT)
Mitarbeiter: Hyeoun Kim, Hanna Lee ,Janghee Yoo, Namjoo Kim, Siyoung Kim
Bauträger: Ramin Mehdizadeh, Mehdi Mehdizadeh, Hossein Sohrabpoor
Ort: Mahallat (Iran)
Tragwerksplanung: Reza Mehdizadeh
Bruttonutzfläche: 1590 m2
Grundstücksgröße: 420 m2
Planungsbeginn: 2007
Ende der Bauarbeiten: 2010
Bauunternehmen: Mehdi Mehdizadeh
Struktur aus Zement und Stein
Fassadenverkleidung aus verschiedenen örtlichen und recycelten Steinarten
Bildnachweis: © Omid Khodapanaki

Ausgewählt für den Aga Khan Award for Architecture 2013

www.abct.kr


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