04-11-2015

Interview mit Shigeru Ban

Shigeru Ban,

Mailand,

Buros, Museen,

Ziegel, Holz,

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Der Gewinner des Pritzker-Preises 2014, Shigeru Ban spricht anlässlich der Ausstellung “Archi-Depot Tokyo” in der Triennale von Mailand über seine neue Projekte. Shigeru Ban erzählt von der Intuition der beweglichen Abschirmungen des Oita Prefectural Art Museum und von seinem Beitrag zum Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Nepal im April 2015.



Interview mit Shigeru Ban

Floornature trifft Sie anlässlich der Ausstellung “Archi-Depot Tokyo” in der Triennale von Mailand, die 40 Maquettes japanischer Architekturen ausgestellt hat, die von der gleichnamigen und 2015 gegründeten Stiftung stammen. Woher entsteht dieses Projekt und warum?

Als Riken Yamamoto, der Direktor des Archi-Depot und ich uns getroffen haben, da haben wir verstanden, dass wir das gleiche Problem hatten. In unseren Büros haben wir immer eine Vielzahl von Studienmodellen realisiert und – da wir keinen Platz mehr hatten, um diese aufzubewahren – mussten wir Räume außerhalb von Tokyo mieten, um diese unterbringen zu können. Diese Art Container für die Lagerung konnten uns aber keine optimalen Bedingungen für die Aufbewahrung garantieren, sodass die Modelle darunter Tag für Tag litten. Außerdem war das ganz sicher nicht der richtige Ort, um die Modelle zu zeigen. Wir haben uns also gefragt, weshalb wir unnötigerweise Geld ausgeben sollten, wenn wir diese in das Zentrum von Tokyo bringen und den Personen zeigen konnten, damit diese sie auch sehen konnten. Nach Tokyo kommen immer sehr viele Besucher, Menschen aus aller Welt, die sich dafür interessieren können – Liebhaber der japanischen Architektur oder auch einfach nur Neugierige. Wir haben den Vorsitzenden von Rettada getroffen, einer Firma, die sich mit Einlagerung und Konservierung beschäftigt und diese hat sich gleich sehr interessiert gezeigt. Die anfängliche Idee war es, ein Depot für die Modelle zu realisieren, erst danach haben wir daran gedacht, es in eine Ausstellung im Zentrum von Tokyo umzuwandeln, die dem Publikum geöffnet ist und sich ständig erneuert.  

Wenn man an die Bedeutung der digitalen Darstellung in diesem Moment denkt, welches ist – Ihrer Meinung nach – der Wert des physischen, handgearbeiteten Modells bei der Entwicklung eines Architekturprojekts?

Ich habe nie geglaubt, dass die digitale Darstellung, die Renderings und die 3D-Grafik die Architektur verbessert haben. Vor Jahren, bevor diese Techniken Raum in den Büros gewannen, da haben wir Architekten viel Zeit mit Zeichnen, dem Bau von Objekten verbracht, also mit dem Erfinden und dem Entwickeln von Lösungen. Dann kam der Computer und hat den großen Vorteil gebracht, dass wir Zeit sparen konnten, aber diese Zeit wurde nicht wieder in die Gestaltung investiert. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Qualität der Architektur sich ständig verschlechtert und glaube hingegen, dass die Phase der Modelle sehr wichtig ist, um die Arbeit und die Güte eines Projekts zu verstehen.

Wenn wir von Ihrem neuesten Werk sprechen, dem Oita Prefectural Art Museum, welche Beziehung haben Sie zwischen dem Museum und der Stadt versucht herzustellen, indem Sie die beweglichen Schirme in der Fassade realisiert haben?

Museen, die als “geschlossene Schachteln”, konzipiert werden, wo die Leute von draußen nicht sehen, was im Inneren geschieht, sind längst überholt. Gerade außerhalb der großen Städte werden die Museen nicht von den Leuten besucht, die nicht gutheißen, dass öffentliche Gelder für den Bau von Gebäuden ausgegeben werden, die sie nicht nutzen und deren Sinn sie nicht verstehen. Es ist also notwendig, eine Art und Weise zu finden, damit diese Orte der Kultur auch einladend wirken, sei es auch nur für diejenigen, die an diesen vorbeigehen. Also wollte ich ein offeneres Museum bauen, wo die Menschen direkt hineingehen oder einfach nur an der Front vorbeigehen können und dabei schon etwas verstehen. Die beim ’Oita Prefectural Art Museum benutzten beweglichen Oberflächen erleichtern den Eingang der Menschen, die hier keine undurchdringlichen Wände finden, hinter denen man nicht weiß, was dort geschieht oder zu sehen ist. Das Museum zieht daraus Gewinn, da es auf alle ansprechender wirkt und die Wände, die die Innenräume nach Außen öffnen, auch die Organisation von Events gestatten, die sich bis auf die Straße erstrecken und in diesem Fall auch das gegenüber liegenden Theater mit einbeziehen.


Bezogen auf das Erdbeben in Nepal im April 2015 wurden Sie bei der Entwicklung von baulichen Lösungen involviert, die die zerstörten Bauten ersetzen und dabei mehr Sicherheit garantieren sollen. Möchten Sie von Ihren Ideen berichten, die sich bei dem Besuch der traditionellen nepalesischen Architektur in der Gegend von Katmandu hatten?

Was das Erdbeben in Nepal betrifft, so denke ich, dass man zwei Aspekte betrachten muss: auf der einen Seite das schnelle Handeln für den Wiederaufbau der Gebäude, auf der anderen Seite den Respekt für die nepalesische Architekturtradition. Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Architekten war aus diesem Grund von größter Bedeutung. Es war extrem wichtig, vor Ort erhältliche Materialien zu benutzen, da jede Art von Transport Schwierigkeiten und Probleme verursachte. 
Mein Vorschlag für den Wiederaufbau basiert auf den Materialien und den Bautechniken der nepalesischen Tradition, die in den noch stehenden Gebäuden sehr gut zu sehen ist. Das Problem war aber, dass die erneute Gestaltung von Backsteinhäusern, wie man es in dieser Gegend schon immer gemacht hatte, die Leute erschreckte, die diese nicht betreten wollten, aus Furcht vor dem Trauma, dass diese Strukturen neuen Beben nicht standhalten würden. 
Bei der Besichtigung der lokalen Architektur, die nicht vom Erdbeben zerstört worden war, habe ich signifikante Details gesehen, die mir geholfen haben, den richtigen Weg für den Wiederaufbau zu finden, wie die Formen der Holzfenster in den historischen Backsteinfassaden. Die Idee war, Holzrahmen mit Backsteinmauern zu kombinieren, so dass das Holz als Stoßdämpfer dient und dem seitlichen Druck der Erdbeben widersteht. Das Holz hat es uns gestattet, modulare, einfache und schnelle Strukturen zu bauen, die wir dann mit den Backsteinen gefüllt haben, um die Wände der Häuser zu machen.

Interview by Mara Corradi


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