14-10-2020

Qarta architektura: Auditorium des College of Polytechnics, Jihlava

Qarta architektura,

BoysPlayNice ,

Jihlava, Czech Republic,

Universitat, Halle,

Mit dem neuen Auditorium der Hochschule für Polytechnik in Jihlava (VŠPJ) in der Tschechischen Republik bringt Qarta architektura die moderne Idee der Kulturgemeinschaft durch eine Reflexion über das Konzept der architektonischen Dekoration zum Ausdruck. Im Mittelpunkt steht die dialogische Beziehung zu dem Gebäude, das heute die Polytechnische Universität beherbergt und einst ein kommunistisches Gericht war.



Qarta architektura: Auditorium des College of Polytechnics, Jihlava

Bei dem Projekt von Qarta architektura für die Polytechnische Universität von Jihlava in der Tschechischen Republik bekräftigt das neue Auditorium erneut die fortschreitende Wende einer Stadt und ihrer Intelligenz. Der Ausdruck dieses Richtungswechsels, der mit der Geburt des neuen Staates in den 1990er Jahren eingeleitet wurde, ist nun der Architektur und ihren neuen Sprachen im Dialog mit den historischen Stilen anvertraut.
Es handelt sich um den Sitz der Polytechnischen Universität Jihlava, ein dreistöckiges Gebäude mit fünfeckigem Innenhof, das 1905 im Norden der Stadt, zwischen den Straßen Tolstého, Jiráskova und Tyršova, im Zentrum der Stadt gebaut wurde. Es handelt sich jedoch nicht um ein einfaches Denkmal im historistischen Stil, denn das Gebäude bewahrt die Erinnerung an eine jüngere und schmerzliche Vergangenheit, in der es Sitz des Regionalgerichts war und auch als Gefängnis diente. Nach der Demontage des Gerichtsgebäudes im Jahr 1960 beherbergte das Gebäude bis zur Gründung des Polytechnikums im Jahr 2004 Klassenräume der Universität. Kürzlich wurden auch die Renovierungsarbeiten am historischen Gerichtssaal abgeschlossen, in dem in den 1950er Jahren, als die damalige Tschechoslowakei unter dem Einfluss der Sowjetunion stand, auch die Schauprozesse stattfanden, die zu so vielen Hinrichtungen Unschuldiger führte.
Im Jahr 2016 beauftragte das College of Polytechnics Jihlava (VŠPJ) das tschechische Büro Qarta architektura mit dem Bau eines neuen Auditoriums auf dem leerstehenden Grundstück an der Nordseite seiner Räumlichkeiten, um einen größeren Konferenzraum als den bereits im Gebäude befindlichen hinzuzufügen und so eine wachsende Zahl von Studierenden unterzubringen.
Man spürt das Gewicht der Geschichte in der Gestaltung der neuen Aula, die ein technologisches Image zeigt und eine visuelle Wirkung hat, die darauf abzielt, die Distanz zur Vergangenheit und zu einer traditionellen Auffassung des Staates und seiner Institutionen zu betonen. Es handelt sich um ein Rundumgebäude, das mit dem Gebäude aus dem zwanzigsten Jahrhundert durch ein verglastes Atrium verbunden ist und diesem untergeordnete Größenverhältnisse aufweist. Das neue Auditorium nimmt die unregelmäßige Fläche ein, die zwischen der gegenüberliegenden Fußgängerzone und der von Bäumen gesäumten Tyrsova-Straße im Osten ausgeschnitten ist. Sein gleichseitiger dreieckiger Grundriss mit abgerundeten Scheitelpunkten gibt diesem Restraum eine präzise Definition. Etwas erhöht von der Straße erhebt sich der neue Saal über eine breite Steintreppe. Obwohl es sich um eine Sekundärfront handelt, nimmt die Nordseite des Universitätsgebäudes in der Stadtlandschaft eine prominente Stellung ein.
Das Auditorium ist ein Volumen, das aus Stahlbeton mit grauem Putz gebaut und mit vertikalen Aluminiumlamellen verkleidet ist, die auf einem Stahlrahmen angebracht sind. In geringem Abstand voneinander montiert, schaffen diese Elemente, die eine zweite, versetzte Haut auf der Seitenfläche des Blocks bilden, kinetische Aspekte, in starkem Kontrast zu der Ordnung und Regel, die durch den dahinter liegenden historistischen Palast zum Ausdruck kommt. Die restaurierten Stuckaturen des letzteren stehen in direktem Vergleich mit dem Dekorationskonzept, das durch die metallischen Elemente des neuen Klassenzimmers zum Ausdruck kommt. Schließlich setzt sich die Hightech-Verkleidung der Wände nicht bis zum Boden fort, sondern bleibt um einige Meter erhöht und bildet idealerweise eine Draperie nach, die die beiden Eingangsportale freilegt und einen Übergang zwischen dem offenen und dem geschlossenen Raum schafft.
Die Innenräume wiederum sind das Ergebnis einer Reflexion im Vergleich zum Gerichtssaal mit seinem gewölbten Dach, dem manieristischen Stuckdekor, der Holzvertäfelung, den Lünettenfenstern und dem reich verzierten Messinglüster. Das neue Auditorium präsentiert im Gegensatz dazu eine vor Ort gegossene Betonstruktur und ein einfaches Stahldach mit sternförmigen Balken; die rauen Sichtbetonoberflächen sind mit anthrazitgrauen Rahmen, schwarzen Stoffen und Belägen und Naturholzböden veredelt. Die Wahl verschleißfester Materialien, haltbarer Oberflächen und industrieller Oberflächen, punktueller und gerichteter Beleuchtung und eine studierte Akustik sorgen für eine komfortable, flexible Umgebung mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Tatsächlich dient dieser Raum, wie vom Auftraggeber gewünscht, nicht nur der Universität, sondern steht auch der Gemeinde für Veranstaltungen mit über 300 Personen zur Verfügung.
Der stellvertretende Bürgermeister von Jihlava, Martin Laštovička, kommentiert die Bedeutung des neuen Saals: “Die Stadt Jihlava bemüht sich seit langem um einen eigenen Hochschulcampus. Wir sehen die Anwesenheit von Studenten als wesentlich für den kulturellen Fortschritt der Stadt an. Die Position der Hochschule wurde durch das neue Vorlesungszentrum und das Auditorium erheblich gestärkt. Da das Auditorium der größte Raum ist, der derzeit für Konferenzen oder Tagungen zur Verfügung steht, ist es zu einem wichtigen Ort für verschiedene gesellschaftliche Veranstaltungen geworden. Während der vom COVID-19 auferlegten Einschränkungen fanden hier auch die Sitzungen des Stadtrates statt. Für die Stadt und die Region hat das Gebäude auch eine symbolische Bedeutung. In den 1950er Jahren kam es hier zu einem umstrittenen Schauprozess der kommunistischen Partei und den anschließenden Hinrichtungen, und das neue Gebäude begann schließlich, dieses traurige Erbe neu zu definieren. In seiner zeitgenössischen Architektur ist die Botschaft, die es vermitteln will, ganz klar. Der Abriss der fünf Meter hohen Gefängnismauer bot uns neue und optimistische Aussichten. In vielerlei Hinsicht scheint das Gebäude selbst ein aktiver Teilnehmer an der Wiederentdeckung der politischen, sozialen und kulturellen Identität von Jihlava zu sein.”

Mara Corradi

Architects: Qarta architektura
Team: Jiří Řezák, David Wittassek, Pavel Fanta, Lukáš Němeček
Project location: Tolstého 1556, Jihlava, Czech Republic
Project year: 2016-2017
Completion year: 2018-2019
Built-up area: 1.800 sqm
Usable floor area: 3.675 sqm
Total price: 6 500 000 €
Client: College of Polytechnics Jihlava (VŠPJ)
General Contractor: Podzimek a synové (Zbyněk Šťastný Construction manager)
Auditorium walls: architectural concrete
Roofing, gutters, tower roof: KGJ sheet metal, mock copper
Wooden windows and doors
Auditorium, existing building: Aluprof facade system
Auditorium wall cladding: Heradesign acoustic cladding
Auditorium ceilin: Rigiton 10/23 acoustic ceiling
Photo credits: © BoysPlayNice | www.boysplaynice.com | info@boysplaynice.com

www.qarta.cz
www.vspj.cz


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