06-03-2020

Nachruf auf Yona Friedman, zwischen mobiler Architektur und realisierbaren Utopien

Yona Friedman,

Gino Di Paolo, Iwan Baan,

Paris,

Am 20. Februar 2020 starb der Architekt Yona Friedman im Alter von 96 Jahren. Die Nachricht wurde durch einen Instagram-Post von dem Account des Fonds de Dotation Denise und Yona Friedman verbreitet. Zu seinen jüngsten Werken gehören die Landschaftsinstallation No Man's Land, die er 2016 in den Abruzzen mit dem Künstler Jean-Baptiste Decavèle realisierte, und das Summer House für das Architekturprogramm 2016 der Serpentine Galleries.



Nachruf auf Yona Friedman, zwischen mobiler Architektur und realisierbaren Utopien

Kürzlich verstarb Yona Friedman Architekt, Designer und Stadtplaner, geboren am 5. Juni 1923 in Budapest und eingebürgert in Frankreich. Jüdischer Herkunft gelang es ihm, der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen und nach Israel zu ziehen, wo er etwa 10 Jahre lang in der Stadt Haifa lebte, bis er sich 1957 dauerhaft in Paris niederließ.
“Yona est monté construire une Ville Spatiale dans le ciel” (Yona ging, um eine Raumstadt im Himmel zu bauen): mit diesen Worten wurde die Nachricht am 20. Februar 2020 durch einen Post auf Instagram vom Account des Fonds de Dotation Denise und Yona Friedman verbreitet, der vom Architekt selbst im Jahr 2019 gegründet wurde und der nun seine Arbeit fortsetzen wird.
Von La Ville Spatiale sprach Yona Friedman zum ersten Mal 1956, auf dem X Internationalen Kongress der Modernen Architektur in Dubrovnik, das Konzept ist zu lesen in seinem “Manifeste de l'architecture mobile”. Bei dieser Gelegenheit sprach er über die Prinzipien einer Architektur, die sich an die ständigen Veränderungen der Gesellschaft anpassen kann. Ideen, die sich vielleicht aus seinen Erfahrungen aus erster Hand ergaben, zunächst als Flüchtling während der Nazi-Verfolgung und dann mit der daraus resultierenden Wohnungsknappheit, als er nach Israel zog. Die Ville Spatiale basierte auf einem System von “Infrastruktur” das es ermöglichte, Wohnungen und Stadtplanungsvorschriften zu schaffen und neu zu gestalten, um den Bedürfnissen der Einwohner und Bürger gerecht zu werden. Dies sind Konzepte, auf die der Architekt mehrmals zurückkommen wird, selbst der 1958 begonnene Text "L'architecture mobile" war in der Tat Gegenstand kontinuierlicher Integrationen. Eine Konstante, die auch für die letzte, für Mai 2020 angekündigte Ausgabe gilt, wobei der Architekt noch einmal nachgedacht und einige Teile neu überdacht hatte, wie es in einer bewegten Erinnerung auf der Seite des Verlags erzählt wird.
Yona Friedman hatte aktiv am kulturellen Klima der 1960er Jahre im sogenannten "Zeitalter der Megastruktur" teilgenommen. In den folgenden zehn Jahren hatte er für die Vereinten Nationen und die UNESCO gearbeitet und auch Selbstbauanleitungen für Entwicklungsländer erstellt. Die Beteiligung der Nutzer, die Prinzipien der Selbstkonstruktion sind Themen, die sich in seinen Werken wiederfinden. Im Lycée Bergson in Angers, Frankreich, konnte beispielsweise die Verteilung und Anordnung der architektonischen Elemente von den Nutzern bestimmt werden. Die Prinzipien der Selbstkonstruktion werden stattdessen im Projekt des Museums für einfache Technologie in Madras, Indien, angewandt.

Was die letzten Werken von Yona Friedman betrifft, so haben wir auf den Seiten von Floornature No Man's Land präsentiert, eine Installation der Land Art, die er in Italien in Zusammenarbeit mit den Künstler Jean-Baptiste Decavèle realisierte und das Summer House für das Architecture Programme 2016 der Serpentine Galleries.
No Man's Land ist eine Installation, die auf einer Fläche von 2 Hektar Land in der abruzzesischen Landschaft von Pescara errichtet wurde und sich auf eine Architektur konzentriert, die zwar Bilder, aber keine Strukturen gebaut hat. Für die Serpentine Galleries in London hatte er eine modulare Struktur als “>Raumkette&rdquo entworfen; bestehend aus dreißig Kuben, die durch sechs Kreise aus Stahlrohren definiert sind. Neue Konfigurationen der Struktur als regelmäßige oder unregelmäßige geometrische Formen konnten durch einfaches Verschieben, Zerlegen und Wiederzusammensetzen der verschiedenen Module realisiert werden. Ein Beispiel für Architektur, die je nach Bedarf transformiert werden kann. Die Würfel, die beispielsweise auch als Träger für transparente Polycarbonatplatten konzipiert sind und somit kleine Gegenstände und Pflanzen enthalten, konnten in Elemente für Ausstellungen oder mobile Museen verwandelt werden.

(Agnese Bifulco)

Credit photo:
Serpentine Summer House photo: Iwan Baan (01-03)
No Man's land photo: Gino Di Paolo (04-05)
Museo del vino Livio Felluga. Italia 2014. photo: Jean Baptiste Decavel (06-07)
La Ville Spatiale”Courtesy Yona Friedman Archives, Paris (08 - 09)


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