11-09-2019

ppa und Encore Heureux: Pratgraussals Veranstaltungshalle in Albi

Encore Heureux architectes, ppa architectures,

Philippe Ruault, Cyrus Cornut, Hugo Segura,

Albi, France,

Architektur und Kultur, Kulturzentrum,

Der Veranstaltungsort und Treffpunkt Pratgraussals ist Teil des Sanierungsprojekts am rechten Ufer des Tarn im französischen Albi. ppa architecture und Encore Heureux, die mit ihrem Entwurf den 2016 durchgeführten Wettbewerb gewannen, entwarfen eine Veranstaltungshalle, die auf den Prinzipien der Modularität und Flexibilität basiert.



ppa und Encore Heureux: Pratgraussals Veranstaltungshalle in Albi<br />

Zu Beginn des Projekts für den neuen Pratgraussals Veranstaltungssaal in Albi, im Süden Frankreichs, findet ein Dialog mit dem der anderen wichtigen öffentlichen Gebäude statt, der Kathedrale Santa Cecilia mit ihrem Glockenturm, dem berühmtesten Denkmal der französischen Stadt. Von jedem Zugangspunkt der Stadt sowie aus dem Bereich der Parklandschaft Pratgraussals nördlich des historischen Zentrums sichtbar, musste der Turm seine Bedeutung auch gegenüber der neuen Salle des fêtes beibehalten. ppa architectures und Encore Heureux architects wollten die Veranstaltungshalle Pratgraussals neu und historisch zugleich erscheinen lassen, sie sollte das Interesse und die Aufmerksamkeit der Menschen mit einer radikalen Struktur auf sich ziehen, aber gleichzeitig in das grüne Stadtgebiet, das von den Bewohnern besonders geliebt wird, integriert sein.
Aus diesen Gründen favorisierte man für das Projekt eine Struktur mit einem 8-teiligen Dach, die sich deutlich von den traditionellen architektonischen Gebäuden der französischen Landschaft unterscheidet, wählte aber Holz als Hauptmaterial, um ein unmittelbares Gefühl der Häuslichkeit zu vermitteln, indem es dieses Gebäude mit der umgebenden landwirtschaftlichen Architektur verbindet. Die horizontale Ausdehnung vermeidet den Kontrast zum vertikalen Glockenturm, ohne die seit Jahrhunderten in der Stadt etablierte Hierarchie der architektonischen Bedeutung zu beeinträchtigen.
Der von der Stadt Albi ausgeschriebene Wettbewerb unterstrich, dass für die Halle keine bestimmte Verwendung vorgegeben ist und sie deshalb mit der größtmöglichen Nutzungsbandbreite so flexibel und modular wie möglich zu gestalten sei, auch um Kosten und Bauzeit zu reduzieren (nur 11 Monate). Das Gebäude bietet dem alljährlich stattfindenden Open-Air-Festival Pause Guitar, das die Stadt berühmt gemacht hat und für das auch die umliegenden Grünflächen gestaltet wurden, nun einen zusätzlichen, witterungsgeschützten Ort.
Der Wiederaufbau dieser neuen Anlage, die sich im Herzen eines 15 Hektar großen Naturschutzgebietes am rechten Ufer des Flusses Tarn befindet, ist Teil eines größeren Projekts zur mittel- und langfristigen Aufwertung des Standortes Pratgraussals. In der Vorstellung der Stadtverwaltung, die auch den Bau eines Rad-/Fußgängerweges entlang der bestehenden Eisenbahnbrücke plant, wird Pratgraussals physisch und kulturell mit dem historischen Zentrum verbunden sein und das sogenannte Zentrum erweitern.
Der 1964 erbaute alte Pavillon in Pratgraussals wurde an die Veranstaltungen der 90er Jahre angepasst und weist nun im Laufe der Jahre strukturelle Probleme und eine unzureichende und veraltete Ausstattung auf. Die Diagnose für das Projekt lautete Abbruch.
Um die 24 Meter breite, säulenfreie Halle zu überspannen, sahen ppa architectures und Encore Heureux architects Holzportalrahmen vor. Gefördert wurden in Masse gefertigte Komponenten, die in Werkstatt vormontiert und vor Ort positioniert wurden. Das markant gezackte Dach mit acht Schrägen besteht aus Zink. Während der Sockel aus Waschbeton gefertigt wurde, in den Steinchen aus dem vorbeifließenden Tarn eingearbeitet sind, ist der Rest des Gebäudes mit Holz aus dem Limousin verkleidet. Mit der gleichen Philosophie wurde auch die maßgeschneiderte Einrichtung aus Metallrohr und Holzpaneelen entworfen, die sowohl als Beschilderungssystem als auch als zusätzliche Empfangstheke und Bar genutzt werden kann.
An den beiden Enden der großen Halle für 500 Leute befinden sich der Haupteingang Süd in das Naturschutzgebiet Pratgraussals. An der Nordseite rückt das auskragende Vordach ein Stück vom Baukörper ab, sodass ein kleiner offener Innenhof entsteht, der für Mitarbeiter und Künstler reserviert ist und sich zum Tarn hin öffnet. Auf drei der vier Seiten befindet sich ein Portikus, der zum Fußgängerbereich führt und einen einfachen Schutz vor Sonne und Regen bietet. Die meisten der dienenden Räume (Umkleideräume, Lager, Küchen, Büros, Betriebsräume) sind in einem nördlichen flachen Anbau aufgereiht, der vom Hauptvolumen durch einen innen liegenden Gang abgetrennt ist. Der Grundriss, einfach und regelmäßig, ist mit allen wesentlichen Funktionen für ein flexibles Programm ausgestattet, das Konferenzen, Seminare, Konzerte und andere Arten von kulturellen Veranstaltungen umfasst, die für das öffentliche Leben Albis typisch sind.
Die Halle ist vielseitig gestalt- und nutzbar: Die komplett offene Umgebung für Ausstellungen oder große Abendveranstaltungen kann durch an den Wänden gleitende Vorhänge in zwei oder mehr Teile geteilt werden, während die Räume im Norden mittels mobile Trennwände, die sich öffnen lassen, zur Bühne für Konzerte werden. Darüber hinaus ist der Innenhof am Nebeneingang als gemütlicher Rahmen für wenige Teilnehmer konzipiert, aber auch im Zusammenhang mit der Hauptveranstaltung zu verwenden.
Abschließend möchten wir auf die Zusammenarbeit mit dem Künstler Bonnefrite hinweisen, der gebeten wurde, ein Fresko an der Wand des Eingangs zum Veranstaltungsraum sowie die Schilder des Gebäudes zu schaffen. Wenn er an das Holz und die ungewöhnliche Form des Gebäudes denkt, sagt er, dass er hierbei vom Thema des Dschungels bei Rousseau und Matisse inspiriert wurde. Für die Grafik wandte er den Stil an, der ihn berühmt machte, seine attraktive Handschrift auf einem gedruckten Medium.

Mara Corradi

Architects: ppa architectures + Encore Heureux architects
ppa architectures partner: Jean Manuel Puig
ppa architectures team: Laure Alberty and Ana Castro
Encore Heureux partner: Nicola Delon
Encore Heureux team: Margot Cordier and Olivier Caudal
Contest team: Clémence Durupt, Guillaume Sicard, Floriane De Roover, Romain Léal
Landspace architect: Atelier ATP
Signage and fresco: Bonnefrite
Client: City of Albi
Location: 113 rue de Lamothe, 81 000 Albi, France
Gross useable floor space: 2 400 sqm
Competition: 2016
Start of work: 07/2017
Completion of work: 07/2018

Photographs: © (01-07) Cyrus Cornut, (13) Hugo Segura, (8-12) Philippe Ruault

www.ppa-a.fr
www.encoreheureux.org
http://bonnefrites.free.fr


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