10-02-2021

Atelier Brückner: Sanierung der Wagenhallen in Stuttgart

Atelier Brückner,

Ferdinando Lannone, Christian Kroh, Daniel Stauch, Michael Reiner,

Stuttgart,

Kulturzentrum,

Die Wagenhallen haben sich zu einem der wichtigsten Veranstaltungsräume in Stuttgart entwickelt. Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts als Lokomotivdepot gebaut. Im Laufe der Zeit erweitert und umgestaltet, sind sie nun vom Atelier Brückner als Kulturzentrum und Heimat zahlreicher Künstlerateliers renoviert worden.



Atelier Brückner: Sanierung der Wagenhallen in Stuttgart

Die im Oktober 2018 feierlich eröffneten Stuttgarter Wagenhallen sind ein Kulturzentrum mit Veranstaltungsräumen, Ateliers, einer Tanzschule und einem Restaurant im ehemaligen Lokomotivdepot der Stadt, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Das Projekt stammt vom deutschen Atelier Brückner, das 2015 von der Stadt Stuttgart beauftragt wurde, die ehemals als Fahrzeughalle genutzten Räume, die vom Kulturbetrieb Wagenhallen GmbH & Co. KG für kulturelle Zwecke vermietet und seit über 10 Jahren von Künstlerateliers genutzt wurden, zu sanieren.
Die Wagenhallen aus dem Jahr 1895 wurden auf einem über 13.000 Quadratmeter großen Grundstück im Stuttgarter Norden als Betriebshof für Eisenbahnwaggons und später auch für Omnibusse errichtet. Das Hauptgebäude mit seinen Ziegelpavillons mit Schrägdächern hat im Laufe der Jahre mehrere Umgestaltungen erfahren, zum Teil aufgrund von Kriegsschäden. Es ging 2003 in das Eigentum der Gemeinde über und wurde ausschließlich für temporäre Aktivitäten genutzt.
Die Wagenhallen mit ihren großen, hohen Räumen, die sich besonders für Aufführungen und Gemeinschaftsveranstaltungen eignen, hatten sich im Laufe der Jahre zu einem beliebten Kulturzentrum am Stadtrand entwickelt, waren aber aus statischer und brandschutztechnischer Sicht nicht mehr gesetzeskonform, so dass eine komplette Sanierung notwendig wurde. Dies war aber auch eine Gelegenheit, die vorgesehene Nutzung des Gebäudes zu betonen, was die Planer entsprechend mit einem doppelten Ziel sanierten: die ursprünglichen Mauern und den industriellen Kontext zurückzubringen und eine langfristige Perspektive für die vorhandenen künstlerischen Realitäten zu bieten.
Diesem Ansatz folgend hat Atelier Brückner den Großteil der Hangars erhalten und die historischen Backsteinfassaden und Stahldachbalken wiederhergestellt. Das neue Dach wurde mit leichteren Metallpaneelen ausgeführt, die sich mit großen Oberlichtern abwechseln, die auf der Grundlage des historischen Designs rekonstruiert wurden, um die Kunst- und Aufführungsräume angemessen zu beleuchten. Die Fenster wurden mit schwarzen Stahlrahmen restauriert, um einen auffälligen Kontrast zwischen den ursprünglichen warmen Farben und den zeitgenössischen Schnitten zu schaffen. Nach der gleichen Philosophie wurden dort, wo Wände aus statischen Gründen abgerissen wurden oder werden mussten, neue Fassaden angebracht, die die abgesenkten Bögen und die ursprüngliche Wandstruktur nachahmen. Zeigten die älteren Mauern den Jahren entsprechend rote und ockerfarbene Klinkersteine, so wurden die neuen Anbauten mit gebleichten Ziegeln ausgeführt, um die zeitliche Schichtung der Gebäude deutlich zu machen.
Aus räumlicher Sicht wurden die Kopfbauten im Westen und Osten teilweise abgerissen und neue Funktionen entworfen, die auch als Zugänge zu den zentralen Pavillons von zwei Seiten dienen. Während im Südwesten Raum für die Gestaltung eines baumbestandenen Platzes als Eingangsbereich und auch als Veranstaltungsort geschaffen wurde, ermöglichte im Nordosten der Abriss eines großen Teils des Gebäudes die Errichtung eines neuen Ateliergebäudes im gleichen Maßstab wie die Hangars.
Das Mauerwerk aus recycelten bunten Ziegeln , die großen Fenster und die schwarzen Stahlrahmen machen das zweigeschossige Volumen zu einer Erweiterung, die mit der historischen Struktur im Einklang steht und dennoch klar als zeitgenössisch zu erkennen ist. Eine grasbewachsene Gasse und ein zweiter Platz vor dem Tanzstudio, das im Osten in den alten Hangars untergebracht ist, markieren den faszinierenden zeitlichen Bruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Nach dem Umbau bestehen die Wagenhallen daher aus drei Teilen: dem 4050 m² großen Veranstaltungsbereich im Südwesten, dem zentralen Raum, der in Werkstätten unterteilt ist, die sich im Osten in den Neubau fortsetzen (insgesamt 9500 m²), und dem 450 m² großen Tanzstudiogebäude. Zwischen dem Studiobereich und dem Veranstaltungsraum wurde aus Sicherheitsgründen eine neue Brandwand errichtet.
Um die vertikale Breite des 10 Meter hohen Hangars optimal zu nutzen, wurde die interne Unterteilung der Ateliers mit selbsttragenden Strukturen konzipiert, die von den Wänden losgelöst und unabhängig sind: An das Konzept der Performance oder des kollektiven Events denkend, wurden diese Baukörper sogar so konzipiert, dass sie nach draußen transportiert werden können, indem die alten Schienen des Depots genutzt werden.
Die architektonische Struktur ist noch deutlich erkennbar, ihr industrieller Charakter wird durch neue, bewusst im Blickfeld belassene Rohrleitungen, durch die alten, restaurierten Installationen und durch die technischen Beschilderung an den Wänden betont.
Die Gestaltung der Grünflächen soll nicht nur für Veranstaltungen im Freien oder als Publikumsmagnet dienen, sondern auch einen Dialog mit dem industriellen Kontext rund um die Wagenhallen etablieren. Wie um zu bekräftigen, dass Kunst nicht als isolierte, auf einen Moment begrenzte Erfahrung zu verstehen ist, sondern sich am Leben der Stadt orientiert und dieses wiederum zu beeinflussen vermag.

Mara Corradi

Architects: Atelier Brückner
Client: City of Stuttgart
Location: Innerer Nordbahnhof 1, 70191 Stuttgart
Gross useable floor space: 14.000 sqm
Lot size: 13.400 sqm
Selection: procedure took place in July 2015
Start of work: 2017
Photographs: (01-03) Daniel Stauch, (04-12) Michael Reiner, (13) Ferdinando Lannone, (14) Christian Kroh


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