03-03-2021

SeArch: Kindertagesstätte Ötztaler Straße, Stuttgart

(se)arch architekten,

Zooey Braun, Antje Quiram,

Stuttgart,

Kindergärten,

SeArch wurde von der Stadt Stuttgart beauftragt, eine Kindertagesstätte als Ersatz für den nicht mehr funktionierenden alten Komplex im Stadtteil Untertürkheim zu entwerfen. Für Stefanie Eberding und Stephan Eberding sind die Referenzen das angrenzende Jugendstil-Schulgebäude und der Garten auf der Rückseite.



SeArch: Kindertagesstätte Ötztaler Straße, Stuttgart

Im überwiegend wohnwirtschaftlich geprägten Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim erfordern neue Platz- und Sicherheitsanforderungen Arbeiten an den Gebäuden der Kindertagesstätte in der Ötztaler Straße. Die Gemeinde beauftragte das Büro SeArch Architekten von Stefanie Eberding und Stephan Eberding mit der Frage, was mit den vorhandenen Räumlichkeiten angesichts der gestiegenen Zahl von Kindern, die das Zentrum aufnehmen soll, geschehen soll.
Die Ötztaler Straße ist eine lange Straße, die durch Untertürkheim zu einem seiner Weinbergshügel führt. Es wurde überragt von dem alten Komplex für Vorschulkinder, dem Gebäude der Wilhelmschule mit dem neuen, niedrigen Kindergarten und schließlich der monumentalen Jugendstilarchitektur eines weiteren Schulgebäudes mit dem Haupteingang an der Seitenstraße, der Nebelhornstraße. Die Umgebung ist ein dichter und heterogener Wohnkontext, sanft abfallend und durchsetzt mit Weinbergen, die mit lokalen Weinreben bepflanzt sind, was dazu verleitet, die Gegend als “Dorf” zu beschreiben. Kleinteiligkeit, verkehrsarme Straßen, eine regional geprägte Architektur mit typischen roten Dächern dominieren.
Der alte Schulkomplex bestand aus einem niedrigen Pavillon mit Flachdach, der in den 1970er Jahren aus Beton gebaut wurde, und einem zweigeschossigen Hauptgebäude mit Walmdach und einem Türmchen, das 1850 errichtet wurde. Die Entscheidung, diese Räume zu erweitern, um mehr Kinder unterzubringen, wird als nicht praktikabel beurteilt, weder im Hinblick auf die Bauvorschriften noch auf die Größe des Grundstücks. Da eine Modernisierung daher nicht vertretbar war, beschloss der Stadtrat schließlich, es abzureißen und an seiner Stelle ein neues Gebäude zu errichten, das vor allem die Beziehung zum Garten im Inneren, der groß ist und große alte Bäume aufweist, verbessern sollte.
Die Entscheidungen, die die Gestalter an dieser Stelle treffen, gehen nicht in die Richtung, dem eingangs erwähnten konsolidierten Bild der architektonischen Landschaft zu folgen, sondern studieren eine Sprache, das sich in Kontinuität und Variation einfügt, um originelle Lösungen zu finden.
Die beiden abgerissenen Baukörper aus unterschiedlichen Epochen dienen nicht als Vorbild, im Gegenteil: Die neue Kita orientiert sich in vielerlei Hinsicht an dem Gebäude in der Nebelhornstraße. Der Neubau schließt die Lücke in der Ötztaler Straße, indem er die Maßstäblichkeit des schräg gestellten Jugendstilgebäudes nachbildet: Die zweieinhalb Geschosse des Gebäudes enden in einem Satteldach, die fassadenbündigen Oberlichter nehmen die Dimensionen der hohen Bogenfenster der Jugendstilfassade auf. Im Gegensatz zu den geschwungenen Verzierungen der organischen Form verwendet die neue Fassade jedoch eine geometrische Sprache, die die stilistische Signatur der gesamten Komposition ist, während das Rot der alten Ziegel auf die mit Klinker verkleideten neuen Fassaden übergeht. Insgesamt finden die unterschiedlichen Merkmale der beiden Gebäude eine Kontinuität und bilden eine monumentale Ecke, die ihre öffentliche Funktion unterstreicht, innerhalb der kleinteiligeren und kompakteren Wohnstruktur.
Während die Hauptfront trotz der Verglasung eher geschlossen bleibt und das Ziegelrot vorherrscht, ist die Rückseite zum Park hin deutlich offener. Über den Eingang an der Ötztaler Straße gelangt man in einen multifunktionalen Bereich, der sich bis zum Fenster zum Innenhof erstreckt und einen ersten Ausblick bietet. An der Seite führt ein Flur zu den beiden Betreuungsräumen für die Kleinsten unter drei Jahren. Zwei weitere Altersgruppen sind im Obergeschoss untergebracht, wobei die Zimmer entlang der Gartenfassade angeordnet sind, die ebenfalls über einen großen Balkon verfügt. Im obersten Stockwerk sind die letzten beiden Altersgruppen untergebracht. Besonderes Augenmerk liegt auf dem natürlichen Lichteinfall in die Pflegeräume: Oberlichter im Dachgeschoss sorgen für Helligkeit und schaffen einen unvergleichlichen Raum zum Spielen, mit einem besonderen Blick auf die Stadt.
Im Erdgeschoss, hinter einer Reihe von Glastüren, befindet sich der Speisesaal mit Küche, der als Foyer für schulische und außerschulische Veranstaltungen genutzt werden kann. Die dem Garten zugewandte Fassade hingegen ist als Filterraum konzipiert, eine Zone des Übergangs zwischen Außen und Innen, die die drei Etagen umfasst, sonnig und in der kälteren Jahreszeit nutzbar ist.
Von den Materialien wie Naturholz, Glas und Beton bis hin zu den klaren Linien trägt alles dazu bei, die Kindertagesstätte als einen neuen Ort zu beschreiben, der sich von der Vergangenheit löst und luftigere Räume bietet, die für eine modernere Art der Erziehung geeignet sind. Jeder Raum hat große Ausblicke, die einen konstanten Dialog mit der städtischen Umgebung herstellen; Licht fällt entweder direkt ein, oder für die Räume im obersten Stockwerk indirekt, dank des Oberlichts am Dachfirst. Ziegel werden auch in Form eines Sonnenschutzes verwendet, um bestimmte Räume zu beschatten, ohne die natürliche Beleuchtung zu behindern.
Der Eingriff ist maßvoll und fügt sich feinfühlig in einen historischen Kontext ein, dem die Bevölkerung noch sehr verbunden ist.

Mara Corradi

Architects: (se)arch architekten bda (Stefanie Eberding and Stephan Eberding) www.se-arch.de
Location: Stuttgart-Untertürkheim, Ötztaler Straße 11-13
Client: City of Stuttgart
Completion: 10/2020
Total surface: 800 sqm
Photos by:

(01-02-18-19-20) Zooey Braun - www.zooeybraun.de
(03-17) Antje Quiram - www.antjequiram.de


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