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Claudio Nardi


Biografie

Claudio Nardi (Prato, 1951) schloss 1978 sein Architekturstudium an der Universität Florenz ab und arbeitete während seiner Studienzeit mit Carlo Scarpa zusammen, dessen Assistent er bei der Realisierung des Projekts International Design in Florenz wurde. 1979 gründete er in Florenz das nach ihm benannte Studio.

Seine Berühmtheit verdankt er vor allem der Tatsache, dass er seit Mitte der 90er Jahre bis heute für die renommiertesten italienischen Modedesigner auf der ganzen Welt Innenräume geschaffen hat: Dolce & Gabbana, Papini, Valentino, Tod’s, Ferrè, Extè, Malo, Gente Roma, Luisa Via Roma a Firenze.

Bei den Arbeiten seines Büros Claudio Nardi Architects stellt sich Nardi „jedem Projekt mit emotionaler und rationaler Aufmerksamkeit“.
In seiner von Charme und raffinierter Schönheit geprägten Formensprache ist Architektur das Ergebnis der Auseinandersetzung mit globaler Komplexität bis ins kleinste Detail: Seine Arbeiten haben zur Schaffung von durch Licht definierten Oberflächen und der experimentellen Kombination von neuen und alten Materialien geführt.

Weitere wichtige Themen seiner Werke sind die „der Transformation, des Dialogs zwischen Tradition und Innovation, zwischen Funktion und Form, zwischen „Produkt“ und Kommunikation“, in denen „jedes Projekt aus der Synthese des Ausdruckspotenzials des Ortes, der Funktion und der Sensibilität des Kunden entsteht und durch die plastische Kombination von hellen Oberflächen und rauen und empfindlichen Materialien, von festen Volumen und abstrakten, luftigen Hohlräumen, von Licht und Schatten Gestalt annimmt“.
In der Wohnarchitektur sind die Villa Aemilia in Parma (2010), das Haus-Atelier in Florenz (2012) und die vielen Projekte in Tel Aviv, Madrid, Kuwait City, New York, Paris, Dubai, Abu Dhabi erwähnenswert.

In Sachen Gebäudearchitekur verdient die Neugestaltung von Oskar Schindlers alter Emaille-Fabrik in Krakau, die funktional als Museum für zeitgenössische Kunst - Mocak (2011) umgestaltet und zusammen mit Leonardo Maria Proli entworfen wurde, Aufmerksamkeit.
Das Vorgängerbauwerk, dessen Geschichte 1993 durch Steven Spielbergs Oscar-prämierten Film weltweit wieder in Erinnerung gebracht wurde, stellt ein Denkmal für den Willen dar, „ein Denkmal für das persönliche Opfer angesichts des Wertes des Lebens“ dar. Der sehr hohe symbolische Wert der ehemaligen Schindler-Fabrik wurde dank der sorgfältigen und respektvollen Wiederherstellung im Projekt Nardi-Proli erhalten, „wo das Neue, verstanden als Geist und Funktion, das Historische nicht außer Kraft setzt, sondern es lesbar, nutzbar, interessant für einen aktuellen Zweck macht und nicht mehr nur als Dokument der Industriearchäologie, wie es bis dahin gelebt wurde“ (M. Corradi). In einer Kontinuität zwischen Bestandsgebäuden und aktuellen Bauten hebt sich das Sägezahndach der bestehenden Produktionshallen ab, die optisch die Intervention als Ganzes repräsentiert: „Das Sägedach ist historische Spur und zeitgenössische Sprache, das schwarze Zink-Titan, das die Überdachungen bereits verkleidete, ist eines der dominanten Materialen geworden und das Farbregister des gesamten Projekts ist dessen Zeichen gefolgt“, wie der Architekt selbst erklärte. Die Verteilung der Räume folgt der Logik der in einem diffusen Raum angeordneten Funktionen, die von Gehsteigen, Laubengängen, Verbreiterungen verbunden werden, auf die das Café, das Restaurant, die Bibliothek und das Künstleratelier blicken.

Vor allem das Gebäude, in dem die Ausstellungsbereiche untergebracht sind, verteilt sich in einer fließenden Form, die auf natürliche Weise die Schwierigkeit löst, Räume zu organisieren, die in einer Sammlung von Restbereichen zwischen den Gebäuden geplant wurden, die ringförmig geschlossen, ganz um das Museum angeordnet sind. Die Idee, diese Orte, ihre Integration in viele neue Räume, in einen Ort der Kunst, Kultur und Moderne zu verwandeln, zeugt nur davon, wie die Erinnerung, die sicherlich geschützt werden muss, auch zu einer Spur, zu einem Weg in die Zukunft werden kann“.

Für das Mocak gewann Nardi den Architekturpreis Barbara Capocchin International Biennale in Padua und den Dedalo Minosse International Award auf der Client in Architecture in Vicenza, beide 2011.
Zu den Architekturprojekten, sowohl öffentliche als auch private, gehören der Hauptsitz der Hafenbehörde in Marina di Carrara (2007), der Vertex Tower und das Office Building Commerce One in Amman, Jordanien (2007), das Riva Lofts Hotel (2008), der Hauptsitz des Mandragora Verlages (2013) und der Wohnkomplex im ehemaligen Fiat-Gebiet (2014), alle in Florenz, sowie die jüngsten Projekte für den neuen Hauptsitz der Stadt in Krakau und das Mu.Ca (Museum für Schiffbau) in Monfalcone (2017).

In seiner didaktischen Arbeit ist Nardi in Florenz seit 5 Jahren als Universitätsprofessor tätig und lehrt Ausstellungsdesign, Innenarchitektur und Design an der Fakultät für Architektur.
Auch seine Aufgabe als akademischer Korrespondenten der Florentinischen Institution Accademia delle Arti e del Disegno und die vielen Lesungen in Italien und im Ausland sind hier zu erwähnen.
 
Claudio Nardi: Berühmte Werke und Projekte
 
- Concept store Luisa Via Roma, Firenze (Italia), 2019
- Masterplan nuovo centro urbano e centro espositivo, Veliko Tarnovo (Bulgaria), 2018 - in corso
- Nuova Sede del Comune, Cracovia (Polonia), in corso
- Mu.Ca - Museo della Cantieristica Navale, Monfalcone (Italia), 2017
- Residenza privata Villa Iachi, Marche (Italia), 2017
- Allestimento Aria, Firenze (Italia), 2017
- Residenza privata, Tel Aviv (Israele), 2016
- Allestimento Bridge of Love, Firenze (Italia), 2016
- Complesso residenziale nell’ex area Fiat, Firenze (Italia), 2014
- Sede della casa editrice Mandragora, Firenze (Italia), 2013
- Residenza privata atelier, Firenze (Italia), 2012
- Boutique Emilio Cavallini, Firenze (Italia), 2012
- Complesso cinematografico multisala, Campi Bisenzio, Firenze (Italia), 2012
- Villa Aemilia, Parma (Italia), 2010
- Museo d’Arte Contemporanea MOCAK, Cracovia (Polonia), 2010
- Boutique Clara Lorj, Firenze (Italia), 2009
- Sede autorità portuale (con L. Proli), Marina di Carrara (Italia), 2007
- Vertex Tower, Amman (Giordania), 2007
- Edificio per uffici Commerce One, Amman (Giordania), 2007
- Riva Lofts Hotel, Firenze (Italia), 2008
- Allestimento Museo dei Marmi, Palazzo Medici Riccardi, Firenze (Italia), 2006
- Casa privata, Kuwait City (Kuwait), 2003
- Casa privata, Madrid (Spagna), 2003
- Boutique Papini, Catania (Italia), 2001
- Stabilimento BP Studio, Firenze (Italia), 2001
- Boutique Dolce e Gabbana, Milano (Italia), 1995 e New York (USA), 1997
 
Offizielle Webseite

www.claudionardi.it

Interview

Ihr MOCAK, das neue Museum für Kunst der Gegenwart in Krakau, wurde auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik von Schindler errichtet. Wie war Ihre Haltung angesichts eines so bedeutungsschwangeren Ortes?
Claudio Nardi:
Der Name und die Worte haben – mehr als die Orte – weiter erzählt und die Erinnerung vermittelt. Die alten Produktionshallen der Schindler-Fabrik, die bis in die 60er Jahre für die Produktion genutzt wurden, hatten zwischenzeitlich die Zeichen jener dramatischen Vergangenheit im Alltag verwässert. Das Projekt bewirkt eine Fusion zwischen vorhandenen Gebäuden und neuen Flächen und hat als Matrix ganz deutlich das industrielle Zeichen des Ortes: Das Sheddach. Trotz der tiefgreifenden Konsolidierung der vorhandenen Gebäude konnte nur wenig der vorhandenen Strukturen betont werden, aber auf der Hauptfront haben wir in ihrer Gesamtheit und in der Beziehung mit den neuen, zeitgenössischen verglasten Räumen die Kopfmauer der alten Hallen – nackt, ausdrucksvoll - als Zeichen der "Erinnerung" und der Kontinuität beibehalten. Der Kontext hatte großen Einfluss auf das Projekt, er war entscheidend, sowohl für den Lageplan aufgrund der fragmentierten Anordnung des Grundstücks, fast versteckt und eingekeilt zwischen den anderen Bauten, als auch in den Formen und den dominierenden Zeichen.
Die neuen bebauten Bereiche des Museums entwickeln sich in einer ideellen Fortsetzung der alten Hallen, die Sheddächer erstrecken sich auf die neuen Säle und "hakt sich fest" an der tiefen und hohen anthrazitgrauen Mauer die sich bis zur Lipowa-Straße projiziiert. Es war notwendig, neue und alte Architektur mit einer kohärenten Sprache zu versehen und Kraft und Sichtbarkeit von außen auszudehnen und zu stärken im Zeichen und in der Präsenz der neuen Struktur.

Das neue Gebäude schafft auch neue Dynamiken innerhalb des Geländes, das sich immer stärker zum kreativen Viertel der Stadt entwickelt. Welche Entscheidungen haben Sie diesbezüglich getroffen?
Claudio Nardi:
Schon von den Anfängen des Projekts haben wir bevorzugt, uns auf die Schaffung eines neuen urbanen Raumes zu konzentrieren, der durchlässig, durchquerbar, transparent und zum Bindegewebe werden sollte und nicht nur zu einem Wahrzeichen der Entwicklung und des Wandels des Viertels. Ausgehend von seiner industriellen Bestimmung haben wir an der neuen Bestimmung gearbeitet, zu der in Zukunft auch Wohnungen gehören werden, wobei wie Kulturdienste schaffen, die integrierender Bestandteil der touristischen Attraktionen der Stadt sind.
Der Dialog mit dem “Museum der Erinnerung”, das sich in dem Gebäude gegenüber des MOCAK befindet - auch dieses einst Teil der Schindler-Fabrik - erscheint mir in der Gesamterzählung und in der Beziehung mit dem neuen Museum für Kunst der Gegenwart notwendig, das in Richtung Zukunft blickt und diese sucht. Hier kann man einen Funken der ideellen Kontinuität mit der Geschichte finden. Die verschiedenen Bauten sind um einen "urbanen" Weg angeordnet – eine Promenade – der das Areal durchquert und dieses so "alltäglich" macht, zu einem Stück der Stadt werden lässt. Es ist die Idee eines diffusen Museums, das den Kontext aufnimmt und durchquert, indem es ihn interpretiert. Es wird aber auch zu dessen Hauptdarsteller, denn es hat eine starke Valenz: Es gehört der Gegenwart an.

Bezogen auf die Funktionen – welches waren die Grundsätze, die dem Museum die Form verliehen haben?
Claudio Nardi:
Die Verteilung der Räume folgt der Logik der in einem diffusen Raum angeordneten Funktionen, die von Gehsteigen, Laubengängen, Verbreiterungen verbunden werden, auf die das Café, das Restaurant, die Bibliothek und das Künstleratelier blicken. Vor allem das Gebäude, in dem die Ausstellungsbereiche untergebracht sind, verteilt sich in einer fließenden Form, die auf natürliche Weise die Schwierigkeit löst, Räume zu organisieren, die in einer Sammlung von Restbereichen zwischen den Gebäuden geplant wurden, die ringförmig geschlossen, ganz um das Museum angeordnet sind.

Auch die Wahl der Materialien scheint sich auf halbem Wege zwischen der Zukunft und der Erinnerung des Ortes anzusiedeln. Wie haben Sie die Wahl getroffen?
Claudio Nardi:
Das Sheddach ist – wie ich erwähnte – historische Spur und zeitgenössische Sprache, das schwarze Zink-Titan, das die Überdachungen bereits verkleidete, ist eines der dominanten Materialen geworden und das Farbregister des gesamten Projekts ist dessen Zeichen gefolgt. Die Fassaden des Hauptkörpers wurden hingegen mit anthrazitfarbenen Karbonfaser-Paneelen verkleidet. Die entschlossene, auch farbliche Kraft dieses Materials verkleidet die “Kulisse”, die auf die Lipowa-Straße hin die Präsenz des neuen Museums ankündigt und lenkt den Blick anhand der großen Glasfenster bis in die Ausstellungssäle und umarmt die gesamte Umgebung, alt und neu, Synthese und Ankündigung einer neuen wichtigen Identität.


Das MOCAK wurde mit einer Ausstellung über Ihre Arbeit eröffnet, die Sie selbst kuratiert haben. Es ist nicht leicht, sich selbst zu erzählen – wie haben Sie das gemacht?
Claudio Nardi:
Die Einladung der Direktorin Maria Anna Potocka, eine "Ausstellung" über meine Arbeit für die Eröffnung des Museums zu organisieren, hat mich natürlich besorgt, hat mich aber auch bei der Suche nach einer Lesart über meine Art des Ansatzes an die Architektur angeregt. Das Ergebnis ist eine Erzählung, die sich anhand von Bildern, Fotos, Videos, Wörtern und Klangkommentaren in einer Montage auf 11 Bildschirmen entwickelt, die in einigen Sälen des Museums verteilt sind. Die Absicht war, eine mehrstufige Erzählung zu schaffen, die sich vorwiegend für eine instinktive, emotive Lektüre eignet und die es ermöglicht, meine Ideen bezüglich der Schönheit, der Einfachheit und der Komplexität, des Ganzen und des Details, der Architektur und der Innengestaltung, der Tiefgründigkeit und der Leichtigkeit zu verstehen. Vielleicht zu viel Stoff, aber es war schon exaltierend als Beginn eines Weges für eine neue Betrachtung der Ideen, der Absichten, der Experimente und der Konsolidierung einer Sprache.

In Krakau bauen Sie ein anderes Gebäude, das COI, ein neues Investitionszentrum der Stadt. Was können Sie uns zur Entstehungsgeschichte dieses Projekts sagen?
Claudio Nardi:
Auch das Investitionszentrum ist, wie das MOCAK, nach dem Sieg bei einer öffentlichen Ausschreibung gekommen. Die Anlage mit rund 120.000 Kubikmetern, zu der kommunale Büros, Abteilungen, Dezernate und Kongresssäle gehören, steht auf einer Grünfläche von Nowa Huta, der “neuen” Stadt, die Stalin in den 50er Jahren gewollt hat. Die gegliederte Form des Baulands, die verteilten einzelstehenden vorhandenen Bäume, die es zu bewahren galt, hätten eine starke Einschränkung bei dem Konzept einer zeitgenössischen architektonischen und sehr sichtbaren Anlage sein können. Unser Projekt hingegen bezieht seine Form, seine Kraft, den Grund der größenbezogenen und farblichen Entscheidungen eben aus diesen Einschränkungen. Ein einfaches und komplexes, fast natürliches Konzept: Der architektonische Organismus funktioniert wie ein riesiger Baum, bestehend aus zwei unabhängigen Gebäuden, die miteinander aufgrund eines gut strukturierten Verbindungssystems auf mehreren Ebenen interagieren. Über diese Verbindungen fließen, wie die Lymphe, die verschiedenen Wege, die von den Anwendern beschrieben werden. Wie ein natürliches Element ist das Gebäude durchlässig, eine lebendige Architektur, die in die natürliche Umgebung eingefügt ist, und wo ich mir schon den rötlichen Reflex der Wände auf den weißen Transparenzen der Kristalle vorstellen kann, wie sie im Sommerlicht erstrahlt, ihren Kontrast mit dem Grün der Baumwipfel oder ihr glänzendes Aufsteigen aus dem Schnee, der Krakau mehrere Monate im Jahr bedeckt.

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