13-05-2020

Bovenbouw: Renovierung eines Hauses in der Lovelingstraat, Antwerpen

Bovenbouw Architectuur,

Filip Dujardin, ,

Antwerpen, Belgien,

Housing, Ville,

In dem Haus in der Lovelingstraat interpretiert Bovenbouw Architectuur die Antwerpener Räume des 19. Jahrhunderts mit modernen Akzenten neu und schafft zeitlose Räume. Die Strategie, Licht in die Innenräume zu bringen, und die Mischung aus Alt und Neu sind die Kernpunkte des originellen Entwurfs des belgischen Büros.



Bovenbouw: Renovierung eines Hauses in der Lovelingstraat, Antwerpen

Das Atelier Bovenbouw Architectuur vollendet eine weitere interessante Renovierung eines Reihenhauses in der Stadt Antwerpen und leistet damit einen wertvollen Beitrag zum Nachdenken über die Gestaltung moderner Innenräume, in denen die ursprüngliche Architektur noch immer unverwechselbare Merkmale aufweist.
Wir befinden uns in der Lovelingstraat, in der Nähe der imposanten neugotischen Kirche des Sint-Willibrordus. Die Reihenhäuser, die die aus dem Zentrum Antwerpens führenden Straßen charakterisieren und die aus dem 19. Jahrhundert stammen, haben Fronten mit ähnlichen Merkmalen: sehr schmale Fassaden, die sich auf mehreren Etagen zu einem dichten und abwechslungsreichen Gebäudevorhang entwickelten, und dunkle und nicht sehr luftige Innenräume mit beschränkter Aussicht auf der Rückseite. Direkt an der Straße bieten die Eingänge zu den Häusern Zugang zu langen Korridoren, die den Hauptraum flankieren, in dem früher die Gäste empfangen wurden. Auf der Rückseite befanden sich in der Regel die Küchenräume, verbunden mit kleinen Höfen mit der Funktion von Lagerräumen und Lagerhallen. Diese Häuser, für bescheidene mehrköpfige Familien und bestehend aus mehreren Generationen, entwickelten sich zu den oberen Stockwerken hin, wobei die Schlafzimmer in den oberen Stockwerken bis zum Dach, meist in der Mansarde, untergebracht wurden.
Für das Atelier Bovenbouw ist dies nicht das erste Sanierungsprojekt in diesem Zusammenhang in der Stadt Antwerpen: Wir erinnern uns mit Interesse sowohl an das Haus an der Veldstraat im Norden der Stadt als auch an die Liegenschaft an der Leysstraat im Zentrum, heute eine Einkaufsstraße.
In diesen beiden Umbauprojekten, der Erweiterung bestehender Räume und der Anpassung an neue Lebensbedingungen, finden sich zwei Themen, die den Architekten von Bovenbouw am Herzen liegen: die erste ist die des “inneren Durchbruchs” um das Haus in seiner Mitte zu erhellen, die zweite ist der Wechsel von antiken und zeitgenössischen Stilen, ohne scharfe Grenzen zwischen historisch und modern, zwischen antik und aktuell zu schaffen, sondern stattdessen ihre Arbeit näher an das bereits Bestehende heranzuführen, um ein harmonisches und komfortables zeitloses Interieur zu schaffen.
In dem Haus an der Veldstraat, das als Typologie der Lovelingstraat sehr nahe kommt, war der Eingriff radikaler, durchbrach beide kurzen Fronten, um mit vollem Licht in den gesamten inneren Riegel einzudringen. Bei dem fraglichen Projekt, das stattdessen die Vorderseite des Eingangs nicht berührt, öffnen die Gestalter den Raum von innen, entfernen die Wand des Treppenhauses und schaffen einen größeren und luftigeren Korridor. Anschließend wird das Hinterhaus abgerissen, wodurch der Hof, der als Garten genutzt wird, frei wird, während das Haus mit einem Fenster und einer beträchtlichen Menge an Licht im Dialog mit der Außenwelt fertiggestellt wird. Dazu kommt die Ersetzung der Wand in der Mitte des Erdgeschosses durch eine Glaswand und die Verschiebung der Küche an diesem Punkt, dem Herzstück des Hauses, das nun nicht mehr dunkel ist. Tatsächlich hat das Tageslicht die Möglichkeit, den gesamten Wohnbereich von oben, durch das Treppenhaus und seine fünf Fenster, vom Oberlicht und von hinten zu beleuchten.
Der letzte Raum im hinteren Teil ist heute der Musikraum mit einem Flügel, in direkter Verbindung mit dem Garten. Das Dach dieses Raumes, das bereits im Eingangsbereich sichtbar ist, weist freiliegende Holzbinder auf, die die Drapierung eines Vorhangs imitieren, eine intime Atmosphäre schaffen und gleichzeitig an die elegante Bühne eines Theaters erinnern. Der schwefelgelb lackierte Stahlträger und die grauen Fenster und Türen im Hintergrund sind als Akzente der Moderne in die Szene eingefügt.
Wie auch bei der Renovierung der historischen Gebäude an der zentralen Leysstraat schaffen moderne Elemente einen Raum, in der die Zeit still steht. Im Laufe der Jahre sind nur wenige historische Zeugnisse erhalten geblieben, wie z.B. die Kamine auf allen Etagen in den Räumen mit Blick auf die Straße. Das an die ursprüngliche Konstruktion erinnernde Element wird nun ausschließlich als Wanddekoration behandelt und von Bovenbouw mit neuen markanten figurativen Elementen integriert: im Erdgeschoss die blauen Gipselemente des Esszimmers, die Glaswand mit rotem Eichenrahmen, der zentrale Stahlträger, das drapierte Dach. Die Brüstung des Treppenhauses ist original, wird aber mit ihrem blassrosa Anstrich postmodern. Die Verwendung von Schiebe- oder Schwingtüren erweitert die Wahrnehmung der Umgebung und verwandelt sie in eine Art großen offenen Raum. Im Idealfall ist es sogar möglich, mit einem einzigen Blick das Atrium und die Backsteinmauer, die den Innenhof umschließt, oder das Esszimmer mit Blick auf die Straße und das Wohnzimmer mit dem Klavier und dem Grün im Hintergrund zu erfassen. Und so geht das Projekt in die oberen Stockwerke hinauf und unterstreicht präzise Details. Auf der zweiten Ebene landet die Treppe auf einem Rastplatz mit einem wassergrünen Fenster und einem schrägen Balken, der einen violetten Holzschirm hat, hinter dem sich kleine Serviceräume verbergen. Wenn man wieder nach oben geht, schließt sich das Treppenhaus, um im hinteren Teil ein Badezimmer mit einer geschwungenen und rosa gekachelten Wand zu schaffen.
Die grauen Keramikböden des Eingangsflurs wird zu grauem Marmor im Wohnzimmer und natürlicher Eiche in der Küche und in den oberen Stockwerken. Auf einer einheitlichen und hellen Wandfläche, die einem Zeichenblatt gleicht, sind verschiedene Material- und Farbakzente eingefügt, die die Szenographie des häuslichen Lebens komponieren und aufwerten.

Mara Corradi

Architects: Bovenbouw Architectuur
Location: Antwerp, Belgium
Completion Year: 2019
Structural engineer: Dirk Jaspaert BAS bvba
Photo credits: © Filip Dujardin
 


Il nostro sito web utilizza i cookie per assicurarti la migliore esperienza di navigazione.
Se desideri maggiori informazioni sui cookie e su come controllarne l’abilitazione con le impostazioni del browser accedi alla nostra
Cookie Policy

×
×

Bleiben Sie in Kontakt mit den Protagonisten der Architektur, abonnieren Sie den Floornature-Newsletter