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Arata Isozaki


Biografie

1986/92 - The New Brooklyn Museum, New York, U.S.A.
1987/89 - Bond University: Administration/Library/Humanities, Gold Coast, Queensland, Australia
1987/90 - Team Disney building, Florida, U.S.A.
1987/90 - Kita-kyushu Unternational Conference Center, Fukuoka, Japan
1990/94 - The Center of Japanese Art and Technology in Kraków, Poland
1991/95 - Toyonokuni Libralies for Cultural Resources, Oita, Japan
1991/95 - Kyoto Concert Hall, Kyoto, Japan
1991/95 - B-con Plaza, Oita, Japan
1993/95 - DOMUS: La Casa del Hombre (Interactive Museum about Humans), La Coruña, Spain
1993/96 - Okayama West Police Station, Okayama, Japan
1992/98 - Nara Centennial Hall, Nara, Japan
1993/98 - Higashi Shizuoka Cultural Complex Project, Shizuoka, Japan
1995/98 - Akiyoshidai International Arts Village, Yamaguchi, Japan
1996/02 - Ceramics Park MINO, Gifu, Japan
1997/03 - Ymaguchi Center for Arts and Media, Yamaguchi, Japan
1998 - Shenzen Cultural Center, China


Interview

Die Bibliothek von Maranello ist das erste Projekt des Büros Arata Isozaki & Andrea Maffei Associati, das gebaut wird. Erzählen Sie uns von Ihrem Umgang mit dem japanischen Meister

Andrea Maffei: Mit Isozaki besteht eine mehr als 10-jährige Zusammenarbeit und Freundschaft und unsere Beziehung ist mittlerweile sehr unmittelbar. Wenn wir mit einer neuen Arbeit beginnen, dann treffen wir uns in Tokio oder an einem anderen Ort der Welt und behandeln das Thema und besprechen die gestalterische Idee. Vor allem anderen gegen wir von den Funktionen des Gebäudes aus und von den Dimensionen. Wir fangen nie mit der Form an, sondern immer mit den Bedürfnissen des Bauherren und mit dem Typ des Projekts, das auf die beste Weise mit dem Kontext funktioniert. Es erscheint uns nicht interessant, eine Form als Selbstzweck zu schaffen und diese dann mit Funktionen zu füllen, sondern wir gehen im Gegensatz dazu von den Funktionen und von der Geschichte aus, die dieser Typ im Laufe der Zeit gehabt hat, um die Bedeutung zu finden, die er heute haben kann. So entstehen verschiedene Konzepte, die immer auf der Grundlage von Studienmodellen und Simulationen am Rechner bewertet werden. Dann wählen wir die beste Lösung. Daraus entwickelt unser Büro von Mailand das Projekt im Detail und wir konfrontieren uns mit dem Bauherrn, um die Entscheidungen und die verschiedenen Ausarbeitungen des Projekts gemeinsam zu tragen.
Es handelt sich also um einen interessanten Dialog zwischen Planern, der unterschiedliche Ideen und Experimente in eine einzige Richtung bringt.

Die Reinheit der Strukturen, der Einrichtungen, der Böden, das Grün der mit Efeu berankten Mauern, die das Gebäude umhüllen, die Spiele der Transparenz anhand des Wassers scheinen die Zutaten des Projekts zu sein. Auf welches Szenario zielt das Projekt?

Andrea Maffei:
Das Thema war ein altes Industriegebäude, mit einem Shed-Dach, das auf drei Seiten von Privathäusern umgeben ist und deshalb war die Beziehung mit dem Kontext recht heikel. Wir haben gedacht, dass es wohl am Besten wären, die bestehenden Umfriedungsmauern zu den Wohnhäusern zu behalten und diese in grüne Wände zu verwandeln, die mit Kletterpflanzen bewachsen sind und die Hülle nur zu den Gemeindebüros hin zu öffnen. Das neue Bauwerk besteht aus einer organischen Form, die niedriger als die Ummauerung ist, um von den Nachbarn nicht durch ihre Fenster gesehen zu werden und von daher nicht die Privatsphäre zu beeinträchtigen. Wir wollten eine parallele Welt schaffen, die man nicht von Außen sieht, sondern die man nach und nach entdeckt und die auf eigene Rechnung umgeben vom Grün und vom Wasser lebt. Das ist so, als würde man einen wunderbaren Garten im Innenhof eines alten Palasts entdecken.


Wie sind die Räume im Inneren des Open Space angeordnet? Und welche Strategien werden für die Kommunikation der unterschiedlichen Funktionen verwendet?

Andrea Maffei:
Für einen Lesesaal, wo man direkt nachschlagen kann, ist der Open Space die beste Anordnung. Hier kann man die Tische gut und auch mehr von ihnen aufstellen, denn es gibt keine Trennwände, sondern es ist alles ein offener Raum. Dieser Typ ist bei den großen Bibliotheken am meisten zu finden, da muss man nur an die British Library von London denken. In unserem Fall belegt der Open Space des Lesesaals das gesamte Erdgeschoss. Unter Berücksichtigung der Randmauern der alten Fabrik, die wir beschlossen haben, in begrünte Wände zu verwandeln, haben wir den gesamten Umfang der Bibliothek verglast, damit die Nutzer das umliegende Grün genießen können, während sie lesen oder lernen. Außerdem haben wir die Bibliothek mit einem niedrigen Wasserbecken umgeben, um der Poesie des Raumes ein weiteres natürliches Element hinzuzufügen. Die Form der Fensterscheiben wurde entlang des gesamten Umfangs gebogen, eben um die Bewegung des Wassers und der Blätter der Begrünung nachzuahmen. Diese Lösung verwandelt das, was ein einfaches Behältnis sein konnte, in eine natürliche Umgebung, welche die Bürger faszinieren und sie einladen wird, öfter zu nutzen, um in den Genuss des inneren Gartens zu gelangen. Im Souterrain haben wir einen weiteren, als Open Space gestalteten Saal vorgesehen, für Ausstellungen und Präsentationen. Er ist weitläufig, rechteckig und ohne Trennwände, mit verschiebbaren, als Strahler ausgelegten Lampen, um diese in alle Richtungen verstellen zu können. Diese Flexibilität gestattet es, Ausstellungen, Meetings oder Präsentationen zu beherbergen. Zu diesem Zweck wurde die Decke zur Verbesserung der Akustik lärmschluckend gestaltet.

Die Gemeinde Maranello hat erklärt, dass sie an die Notwendigkeit glaubt, innovative Projekte für die Stadt zu fördern, die darauf ausgerichtet sind, den urbanen Raum mit Hilfe ansprechender Architekturen zu qualifizieren. Gehört die Bibliothek zu diesem Programm?

Andrea Maffei:
Sicher, die Bibliothek ist eines der Projekte, die von der Stadtverwaltung gewollt wurden, um die Qualität der Stadt und der Dienstleistungen mit innovativen Gebäuden zu verbessern. In Maranello sind die Werke von Ferrari von Stararchitekten entworfen worden, um die Qualität der Fabrik zu verbessern, sind aber der Öffentlichkeit nicht zugänglich. So wollte die Gemeinde dieses Konzept auf die öffentlichen Bauten ausdehnen, die von der Gemeinschaft genutzt werden, um die Lebensqualität zu verbessern und um die Architektur des Ortes zu erneuern. Unser Projekt, so wie der Aussichtsturm von Piero Lissoni, sind Anreize, die den Kontext erneuern, in den sie sich einfügen und ihn in Attraktionen für die Gemeinschaft verwandeln.

In Kürze werden die Bauarbeiten des Endless Tower beginnen, des CityLife-Wolkenkratzers, mit dem Arata Isozaki & Andrea Maffei Associati an der Sanierung des historischen Viertels der Messe Mailand teilnimmt. Welche formalen und technologischen Innovationen kennzeichnen das Bauwerk?

Andrea Maffei:
Das Thema des Wolkenkratzers Citylife war es, die Typologie selbst des Wolkenkratzers neu zu interpretieren. Gewöhnlich werden sie mit einem zentralen Service-Kern (Aufzüge, Lichtschächte und Feuertreppen) gestaltet, um den herum die Büros angeordnet sind. Bei unserem Projekt wollten wir eine andere Verteilung ausprobieren: Der Kern wurde in Zwei geteilt und dann an den Enden des rechteckigen Grundrisses angeordnet. Dies hat dazu geführt, dass in der Mitte des Gebäudes ein großer rechteckiger Open Space entstanden ist und die Aufzüge an den beiden Enden konzentriert sind und eine schöne Aussicht bieten. Diese Verteilung gestattet es, die Büros zu verbessern und in einen einzigen großen Raum zu verwandeln, in dem die Benutzer problemlos und ungehindert ihr Büro organisieren können. Die Freiheit und die Flexibilität der Nutzung scheint uns der interessanteste Aspekt zu sein. Diese funktionale Verteilerbasis wurde dann auch in der Vertikalen entwickelt, nach einem Baukastenprinzip, das sich unendlich wiederholen lässt. Wir wollten keinen Wolkenkratzer schaffen, der mit einer geschlossenen Spitze endet, sondern haben ihn mit einer Reihe von kompositorisch klaren und differenzierten Modulen versehen, die sich konstant in der Vertikalen stapeln und theoretisch endlos wiederholen lassen, wie eine Art endless tower. Wir haben 6-stöckige Module definiert, die durch eine leicht gebogene Fassade markiert werden, die sie voneinander unterscheidet und die nicht nur aus formalen Gründen konzipiert wurde, sondern um ein Konzept zu erzählen und dieses sichtbar zu machen. Das ist die Sprache, mit der der Architekt das Konzept umsetzt, das er ausdrücken möchte. Die Büroetagen werden dann von zwei Technik-Geschossen unterbrochen, eines auf der Hälfte des Gebäudes und das andere an der Spitze, was deutlich anhand einer anderen Fassade gezeigt wird, welche die Eingangs-Lobby aufnimmt. Die architektonische Sprache berichtet von der Komposition des Bauwerks und ermöglicht es, die funktionale und technische Komposition zu verstehen. Deshalb wurden Außen vier Stahlstreben vorgesehen, die das Gebäude an der Basis verstärken und es gestatten, die Mauerdicken der Kerne um ein Drittel der Gebäudehöhe zu verringern. So war es möglich, die Gesamtbreite des Bauwerks zu verringern, mit einer Einsparung bei den Fassaden und einer höheren Effizienz. Die unverhüllte Darstellung dieser mechanischen Aspekte, wie der Streben und der Panorama-Aufzüge, inspirieren sich am Futurismus, der Mailand in den 30er Jahren charakterisiert hat. Ein als Maschine konzipiertes Bauwerk, in dem die vertikalen Bewegungen der Personen sichtbar sind und der Tragwerksmechanismus die Verzahnungen enthüllt. In diesem Sinne eine Hommage an Mailand und die futuristischen Künstler der Stadt.

Das Projekt ist sehr ehrgeizig, vor allem wenn man das Szenario betrachtet, in das es sich einfügt, nämlich Italien. Wie werden Sie die Bauphasen handhaben? Wie sieht der vorgesehene Zeitplan aus?

Andrea Maffei:
Die Bauphasen werden im Juni mit den Fundamenten beginnen und dann ab September mit den Tiefgaragen fortfahren. Die oberirdischen Strukturen werden 2012 begonnen und die Bauarbeiten werden im Januar 2015, vor der Weltausstellung enden, die im Sommer des Jahres vorgesehen ist. Die Citylife-Baustelle geht aktiv und gut programmiert voran. Es bestehen klare Absichten des Bauherrn, die Arbeiten innerhalb der festgesetzten Zeiten abzuschließen. Die Touristen, die zur ’EXPO’ kommen, werden ein neues Mailand vorfinden und diese neuen Wolkenkratzer werden beachtlich zum erneuerten Antlitz der Hauptstadt der Lombardei beitragen.

Interview geführt von Flores Zanchi

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