09-05-2011

Zermani: Kremationstempel in Parma

Paolo Zermani,

Mauro Davoli©,

Parma, Italien,

Crematori,

Ziegel,

Die Lokalgeschichte verbindet sich mit dem Gebrauch des Materials in dem Entwurf von Paolo Zermani. Im Kremationstempel von Parma verwendet der Architekt die Sprache des unverputzten Backsteins als Verkleidung und knüpft damit an die Tradition der Gegend an und lässt sich von dem Grundriss der griechisch-römischen Basiliken inspirieren, um dem dort stattfindenden Ritus Feierlichkeit zu verleihen.



Zermani: Kremationstempel in Parma Ein vielgestaltiges Thema voller Schwierigkeiten: Die Grabstätte ist ein gemeinsamer Topos der Architekturgeschichte seit der Zeit ihrer Definition als solcher. Paolo Zermani scheint darauf zurückzugreifen, um die Inspiration für seinen neuesten Sakralbau zu beziehen, den Kremationstempel in der Nähe des alten Friedhofs der Ortschaft Valeria vor den Toren der Stadt Parma. In der Umfriedung der Anlage atmet man eine tiefgreifende respektvolle Atmosphäre. Die Anlage ist die Synthese der Strenge des Themas Tod und des historischen Verweises auf die Grabarchitekturen der alten Kulturen, die einst Italien bevölkerten.
Die beeindruckende Masse der Umfriedungsmauer des Bauwerks mit rechteckigem Grundriss, welche die Cellarien bilden, aus dem ein zentrales und ebenso stummes und kompaktes Element hervorragt, findet ihren Einklang mit der internen Folge der Räumlichkeiten und deren monumentaler figürlichen Gestaltung. Bei der Betrachtung des Grundrisses muss man unwillkürlich an die Pläne der griechischen Tempel denken, mit ihren Pfeilern und den Räumen, die jeweils einem bestimmten Ritus gewidmet sind oder der Präsenz eines speziellen Publikums sowie an die Grundrisse der griechisch-römischen Basiliken.
Der Entwurf teilt den Grundriss in drei große Räume. Die beiden seitlichen Gärten sind symmetrisch zum Kern angeordnet, der in der Höhe den Gürtel der Zellen mit ihren Laubengängen überragt, die wiederum symmetrisch zur Querachse verlaufen. Im Süden befindet sich die Tür des Tempels, hinter der man auf der idealen perspektivischen Achse weitergeht, die vom Garten der Erinnerung durch die überdachten Räume des Abschiedssaals, der kleinen Gedächtniskapelle und der Säle mit den Kremationsöfen führt, bis er wieder ins Freie und in den Vorgarten gelangt.
Der unverputzte Backstein, der alle vertikalen Oberflächen verkleidet, außen wie innen, bringt den Geist zu dem Ort, an dem wir uns befinden – die Gegend von Parma, wo traditionell gesehen Ton verarbeitet wird, wie man auch sehen kann, wenn man entlang der Via Emilia die Schornsteine der Ziegelbrennereien sieht, die zum großen Teil verfallen sind. Auch der Abschiedssaal, im Herzen der Anlage, ist komplett mit Backsteinen verkleidet. Hier bildet das Muster der unverputzten Backsteine, noch verstärkt von 24 Säulen, ein Gegengewicht zur Leere und dem Fehlen jeglicher Einrichtung, mit Ausnahme des Lesepults. Das Licht, das von oben durch das große Oberlicht einfällt, zeichnet ein Hell-Dunkel-Muster zwischen den Wänden und den Säulen, was dem Ritus, dem dieser Raum bestimmt ist, Feierlichkeit verleiht.
Mit dem Grundriss, der auf alte römische Spuren anspielt und mit der Verwendung des Backsteins als Baustoff der Tradition ist dieses Gebäude wie auch andere Gestaltungsbeispiele von Zermani, in erster Linie eine Hommage an die Gegend und bezeugt dabei die Bedeutung, die die Geschichte heute noch beim Konzept der Architektur spielt, vor allem, wenn es sich um öffentlich genutzte Bauten handelt.

von Mara Corradi

Entwurf: Paolo Zermani
Mitarbeiter: Eugenio Tessoni, Roberto Panara
Bauherr: Il Tempio Srl
Ort: Parma (Italien)
Tragwerksplanung: Paola Tanzi
Bruttonutzfläche: 1100 m2
Grundstücksgröße: 5200 m2
Planungsbeginn: 2006
Fertigstellung: 2009
Bauunternehmen: Unieco (Reggio Emilia)
Fassade aus unverputztem Backstein
Innenwände verkleidet mit unverputzten Backsteinen

Fotos: Mauro Davoli©

www.zermaniassociati.it

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