14-09-2020

Nachruf auf Cini Boeri, Architektin der Freude

Cini Boeri,

Mailand,

Maria Cristina Mariani Dameno, verheiratete Boeri und allgemein als Cini Boeri bekannt, ist am Mittwoch, den 9. September nach einer langen Berufstätigkeit als Architektin und Designerin 96jährig in Mailand verstorben. 2014 hatte ihr SpazioFMGperl'Architettura, die Mailänder Galerie von Iris Ceramica und FMG Fabbrica Marmi e Graniti, eine Einzelausstellung mit dem Titel “Progettando la gioia” (Wenn man die Freude entwirft) gewidmet. Denn, wie die Architektin selbst mehrfach betonte, ihre Projekte mussten „den anderen und sich selbst helfen, besser zu leben“.



Nachruf auf Cini Boeri, Architektin der Freude

Während in Mailand die neuen Compassi d'oro 2020 verliehen wurden, starb eine wichtige Figur des Italian Style, selbst zweifache Siegerin dieses bedeutenden internationalen Preises: Maria Cristina Mariani Dameno, verheiratete Boeri, allgemein unter dem Namen Cini Boeri bekannt.
Die 1924 in Mailand geborene “La Cini” - mit einer Vergangenheit als Partisanenstafette - diplomierte sich 1951 am Mailänder Polytechnikum und arbeitete vorerst für eine kurze Zeit im Büro von Giò Ponti und später über lange Zeit mit Marco Zanuso. In den Jahren, in denen sie als Architektin und Designerin gearbeitet und sich durchgesetzt hatte, war es für Frauen ausgesprochen schwierig, sich im Panorama der italienischen und internationalen Architektur und des Designs einen Platz zu erobern. 1963 hatte sie ihr eigenes Architekturbüro eröffnet und sowohl in Italien als auch im Ausland in verschiedenen Bereichen der Architektur Projekte entworfen: Einfamilienhäuser (z.B. die 1969 in der Gegend des Langensees gebaute Casa nel Bosco, die Casa La Sbandata in La Maddalena 2004), Wohnungen (z.B. “die dreistöckige Wohnung” in Mailand 2006), des weitern Museumseinrichtungen, Büros, Geschäfte. Alle folgten treu einem wesentlichen Konzept ihrer Architektur: “Planen unter Berücksichtigung der Dimension und der Bedürfnisse der Menschen”, Ergebnis eines großen Interesses «für das Studium der Funktionalität des Raums und die psychologischen Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt» (Cini Boeri, “Le Dimensioni umane dell’abitazione”, (Die menschlichen Dimensionen des Wohnhauses) Franco Angeli, Milano 1980). Im Bereich des Industriedesigns sind ihre Gegenstände heute auch in Museen und internationalen Ausstellungen zu sehen, unter anderen: Das auf die lange Zusammenarbeit mit Arflex zurückgehende Sofa Bobo (1967), die verschiedenen Bobolungo, Boboletto und Boborelax, das unendliche Sofa Serpentone (1971), der Tisch Talete (1976) und das drehbare Büchergestell Double face (1980); mit Knoll der Tisch Lunario und das Sofasystem Gradual 1970; der durchsichtige Sessel Ghost (1987) für Fiam. Projekte, für die sie wichtige Preise und internationale Anerkennung erhielt, wie zum Beispiel das Sofa Strips[3], das sie 1968 für Arflex entworfen hatte. Es erhielt 1979 den Preis Compasso d'oro und wurde zu einem Teil der Dauerausstellung der Mailänder Triennale. Erwähnenswert ist auch die Kollektion CIBI, die 1973 für Arnolfo di Cambio entstand und durch einige Szenen aus dem Film Blade Runner von Ridley Scott berühmt wurde: Die von Harrison Ford dargestellte Hauptfigur Deckard trinkt in dem Film Whisky aus dem Glas, das Cini Boeri für die Kollektion entworfen hatte.
Projekte, die zur Erleichterung des Lebens von Auftraggebern und Anwendern entstanden, Gegenstände zum “Benutzen” und nicht zum “Haben”, denn es waren Hilfsmittel zum Verbessern der Qualität des Alltagslebens, “... ich möchte, dass ein Projekt von mir das Beste von dem leistet, was sich mein Auftraggeber gewünscht hat”. An dieses Konzept erinnerte Cini Boeri mehrfach auch an der Einzelausstellung “Progettando la gioia”, die ihrSpazioFMGperl'Architettura, die Mailänder Galerie von Iris Ceramica und FMG Fabbrica Marmi e Graniti gewidmet hatte, kuratiert von Luca Molinari und Alessandro Benetti.
Über den Sinn des Ausstellungstitels hatte sich die Architektin wie folgt geäußert: «“Wenn man Freude entwirft”, das heißt so viel wie den anderen und sich selbst helfen, besser zu leben. [...] ein Projekt neigt immer dazu, das Neue vorzuschlagen und wenn dieses Neue gut ist und dem “Gewünschten” entspricht, kann es Freude erzeugen».

(Agnese Bifulco)

Images courtesy of Iris Ceramica Group @ Cini Boeri, @ Mauro Consilvio


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