26-01-2018

Ellevuelle Architetti: Sanierung des Filandone in Modigliana

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Mit einem Entwurf einer ausgewogenen Sanierung haben die Architekten von Ellevuelle mit dem Filandone anhand einer kulturellen Operation das Interesse auf ein Randgebiet von Modigliana (Forlì-Cesena) gelenkt. Die ehemalige Spinnerei ist nun als “Il Filandone” von Ellevuelle zu einem Theater und Mehrzweckraum umgestaltet worden



Ellevuelle Architetti: Sanierung des Filandone in Modigliana
“Il Filandone”, so der ortsübliche Name, war ein länglicher Industriebau am südlichen Rand der Kleinstadt Modigliana, in der Provinz von Forlì-Cesena. Das Büro Ellevuelle Architetti (Giorgio Liverani, Luca Landi, Michele Vasumini, Matteo Cavina) wurde in ein Projekt der architektonischen Sanierung involviert, die von der Gemeinde, der Region Emilia Romagna und der Sparkassenstiftung von Forlì gewünscht wurde und für die es Gelder in einer Gesamthöhe von rund 900.000 Euro gab. Die Liegenschaft war immer in privaten Händen, doch im Laufe des 20. Jahrhunderts ist die Spinnerei in Gemeindebesitz übergegangen. Die ehemalige Seidenspinnerei beherbergte nach ihrer Stilllegung verschiedene kleinere unternehmerische Aktivitäten, wurde aber in den letzten Jahren nicht mehr genutzt und verfiel allmählich. In der Nähe und neben dem Hauptbaukörper mit dem Giebeldach sind im Laufe der Zeit Wohnhäuser mit kleinen Gärten entstanden, die sich anhand der Vereinnahmung Raum geschaffen haben und so mit der alten Spinnerei verschmolzen sind.
Die Zuneigung der Menschen gegenüber diesem kleinen Denkmal der Industriekultur und der Tätigkeiten des Ortes haben zum Beschluss geführt, das Bauwerk nicht abzureißen, sondern dieses als Erinnerung zurückzugewinnen, da die Baumassen geeignet waren, um einen Mehrzwecksaal zu beherbergen, der in der Gemeinde fehlte.
Die städteplanerische Strategie als Grundlage des Projekts ist eine Mischung der Funktionen: im Gegensatz zur Zoneneinteilung der zeitgenössischen Stadt werden hier die verschiedenen Funktionen auf einem Gelände vereint und so ein Netzwerk unter diesen geschaffen, was den sozialen Fortschritt fördert. Auf dem Gelände auf der die Spinnerei stand, bereits als Wohn- und Gewerbegebiet ausgewiesen, kommt nun die kulturelle Funktion hinzu, da die erneuerten Räume als Theater und Mehrzwecksaal konzipiert sind. Bei Bedarf können hier 232 Stühle vor der Bühne aufgestellt werden, um gemeinschaftliche Ereignisse abzuhalten. In diesem Sinne ist in der Anlage auch die Eröffnung eines Postbüros (bereits in Betrieb), eines Geschäfts, einer Bar mit Restaurant und von Büroräumen vorgesehen.
Außer der unbestreitbaren Beziehung mit der Geschichte des Ortes war der Filandone auch ein interessantes Beispiel für die Industriearchitektur zu Anfang des 20. Jahrhunderts, die vom Büro Ellevuelle in ihren besonderen Aspekten betont wird, wie bei der Gestaltung der Fassade auf die Piazza Berlinguer, mit Fenster und Türen aus lackiertem Eisen, eingerahmt von Lisenen, hervorstehendem Gebälk oder dem heißverschraubten Metallhängewerk. 
Die Linearität des mit Giebel versehenen Baukörpers wird ans Licht gebracht, indem die baulichen Zusätze auf der hinteren Front aus den 1960er und 1970er Jahren entfernt wurden. So kommt es zur Idee, den Baukörper zu verdoppeln und ein zweites Dach zu gestalten, ein Klon des vorhandenen Dachs, um darunter die fragmentierten Räume zur Via Filandone hin zu vereinen. 
Die Sanierung der Hauptfassade mit ihrem Muster aus Lisenen führt dazu, dass der gleiche Rhythmus auch auf der sekundären Front mit Trennwänden aus Beton in Erinnerung an die klassischen Säulen realisiert wird. Die figürliche Kraft und die so erhaltene Einheit erstrecken sich auf die gesamte Struktur, die sich heute als einzigen architektonischer Baukörper liest. Vorder- und Rückseite kommunizieren also miteinander und sie tun dies dank eines zentralen Schnitts des Lichthofs, der zu einem Durchgangs- und Verbindungsort zwischen der Via Filandone und dem Platz wird.
In Anbetracht der Verdoppelung der länglichen Konstruktion wurde die innere Raumaufteilung komplett erneuert. Das doppelt raumhohe Atrium mit der großen Treppe, die zum Foyer führt, ist das Herz des Gebäudes und von hier aus hat man auf zwei Ebenen Zugang zu den verschiedenen Funktionen. Die Bedeutung des Atriums erkennt man auch an der Tatsache, dass es Nachts immer erleuchtet ist und somit wie ein Leuchtturm in der Stadt wirkt. Die Wände sind nicht gerade sondern zerstückelte Linien die an den Bühnenvorhang erinnern, der sich im Inneren öffnet: in ihrer figurativen Einfachheit bereichern sie den Raum und betonen den Lauf der Zeit durch Lichtmuster.
In der Überdachung befinden sich zwei Oberlichter, die einen Blick auf die mittelalterlichen Ruinen der Roccaccia ermöglichen, die sich auf der Spitze der Felswand im Süden des Ortes erhebt und so die immer lebendige Beziehung mit der Geschichte betont. 
An der Sanierung haben örtliche Unternehmen gearbeitet und somit die Kompetenzen einer Gegend eingebracht während die industriellen Vergangenheit in den für die Restaurierung benutzten Materialien weiterlebt: die Fußböden aus mit Quarz poliertem Betonboden, die weiß gestrichenen metallischen Tragwerke und Dachbalken, die Rahmen aus Cor-Ten Stahl und die Brüstungen aus Glas. Dies alles verfeinert durch die Oberflächengestaltung und die “warmen” Farbtöne anhand von Holzverkleidungen aus Lärche und Tanne.

Mara Corradi

Architects: ellevuelle architetti (Giorgio Liverani, Luca Landi, Michele Vasumini, Matteo Cavina)
Assistant: Eleonora Festa
Client: City of Modigliana
Location: Piazzale E. Berlinguer, Modigliana, Forlì-Cesena (Italy)
Structural engineering: Angelo Sampieri
Technical supervision: Giorgio Liverani
Gross usable surface area:  ground floor 1500 sqm (including 420 sqm theatre and service areas)
Project start date: 2012
Completion of work: March 2014
Builder: Nov.edil
Metal frames
Metal staircase
Plaster and metal façades
Tiled roof
Mixed structure
Concrete floor finished by power trowel
Photos: © ellevuelle architetti

www.ellevuelle.it

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