28-03-2018

Dominique Coulon: Theater Théodore Gouvy in Freyming-Merlebach

Dominique Coulon associés,

Eugeni Pons, David Romero-Uzeda, Thibaut Muller,

Freyming-Merlebach, Frankreich,

Theatres,

Nach zwei Jahren Bauarbeiten wurde in Freyming-Merlebach, im Grand Est, das Théodore Gouvy gewidmete Theater eröffnet. Ein neues Zentrum für Schauspielkunst nach dem Entwurf des Büros Dominique Coulon & associés. Das Theater Théodore Gouvy entsteht in einer für die französischen Stadt strategischen Lage.



Dominique Coulon: Theater Théodore Gouvy in Freyming-Merlebach
Mit dem Theater Théodore Gouvy in der französischen Stadt Freyming-Merlebach hat Dominique Coulon einen avantgardistischen Sitz für Musik und Schauspielkunst gestaltet und dabei das ihm liebe Konzept einer Architektur mit sozialer Berufung betont.
Wie bei der Mediathek von Thionville, dem Gericht von Montmorency, dem Schwimmbad von Bagneux und bei anderen neueren Werken so stellt sich das Büro Dominique Coulon & associés auch beim Projekt für das neue Theater Théodore Gouvy einen Ort der Vermittlung zwischen der öffentlichen Einrichtung, der Stadt als Gemeinschaft und deren Bewohner vor. In den letzten Jahrzehnten haben die Peripherien und die mittelkleinen französischen Zentren einen Wandel erfahren, der mit dem Verlust der lokalen Identität einhergeht. Darauf muss die öffentliche Architektur antworten und sich eben mit der Rückgewinnung des urbanen Werts beschäftigen.
Das Werk von Dominique Coulon bietet nicht nur Orte des Empfangs sondern Räume, auf die eine Gemeinschaft stolz sein kann. Ein Bedürfnis, das auch von der Stadtverwaltung von Freyming-Merlebach gesehen wurde. Es handelt sich hier um eine Gemeinde mit 13.000 Einwohnern, deren Bevölkerung aufgrund der wachsenden Arbeitslosigkeit in der Gegend nach der Schließung der Zechen unterliegt. Das Ende des Wohlstands verbunden mit der Beschäftigung in der Industrie hat zu einer Zeit der sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten geführt, die die Behörden versuchen mit den Waffen der Kultur zu bekämpfen. 
Während sich der Sitz des Maison des Cultures Frontières, ein Kulturpol der Stadt aus dem Jahr 1984, in eine Mediathek verwandelt hat, brauchen Musik und Schauspiel einen neuen Raum mit den fortschrittlichsten Technologien und einem angemessenen Zuschauerraum. 2011 hat die Gemeinde also einen Wettbewerb für den Bau eines Theaters ausgeschrieben, das Théodore Gouvy gewidmet sein sollte, einem bekannten Musiker deutsch-französischer Kultur, der im 19. Jahrhundert in Hombourg-Haut lebte und ein Wahrzeichen des Grenzgeistes war, den man dieser Gegend an der Grenze zu Deutschland zuschreibt.
Das Projekt von Dominique Coulon hat den Wettbewerb gewonnen und sollte ein Programm für klassisches, zeitgenössisches und regionales Theater, Komik, Oper, Tanz sowie ein spezifisches Programm für die Schulen und das junge Publikum beherbergen.
Der Bau des neuen Kulturzentrums fällt unter den Rahmen der Revitalisierung der Gegend des Alliés, wo das Rathaus und ein Einkaufszentrum stehen, die mit dem Theater ein Interessens- und Interaktionsdreieck bilden. Die herausragende Position im Stadtzentrum hat zu einer Architektur auf 360 Grad in der Mitte des Grundstücks geführt. Daraus ist aber kein Projekt geworden, das nach formaler Hauptrolle strebt, sondern das Werk hat vielmehr den gleichen Maßstab des Viertels bewahrt, in dem es steht und in dem wir Einfamilienhäuser und Wohnhäuser mit wenigen Stockwerken finden. Nur die vertikale Entwicklung des Bühnenturms ragt über die Wohnhäuser hinüber und ist schon aus der Ferne zu erkennen, was dem Theater einen symbolischen Wert verleiht.
Wer die Rue Gustave Charpentier entlangfährt, dem bietet die Architektur Dynamik, die sich auch im Inneren bestätigt. Der Baukörper zerlegt sich in drei horizontale Blöcke, was man auf den Frontseiten mehr oder weniger deutlich erkennt. Auf der Höhe des Hauptblocks ist der Eingang in der Basis bezogen auf die anderen nach hinten versetzt, während der letzte Stock eine Verglasung aufweist, die sich über das Viertel erhebt und wie ein großes “Auge” wirkt, das den Dialog zwischen dem tatsächlichen Umfeld und der Theaterwelt öffnet. Die Gleichmäßigkeit des weißen Außenputzes auf der Betonstruktur finden wir auch im Inneren wieder, wo die Farbe der Wände und des Teppichbodens nach Beige geht. Das Foyer zerlegt sich vertikal in schräge Linien, die gewollt spektakulär sind und die zum Übergang zum ersten und zweiten Stock animieren, wo sich die Eingänge des Auditoriums befinden. Wenn man den großen Saal mit seinen 700 Sitzplätzen betritt, so erkennt man einen Registerwechsel: Rot, Rosa und Orange unterstreichen die Idee der Performance und erklären stolz eine bühnentechnische Ausstattung von höchstem Niveau. Zu den Besonderheiten gehören, dass der am weitesten weg sitzende Zuschauer nur 20 Meter von der Bühnenfront entfernt ist. “Damit das Publikum kein Fernglas braucht”, scherzt Philippe Rouget, Ingenieur des Gemeindegebiets von Freyming-Merlebach.

Mara Corradi

Design Team : Dominique Coulon & associés
Architects : Dominique Coulon, Olivier Nicollas 
Project Architects assistants : Jean Scherer, David Romero-Uzeda, Ali Ozku, Fanny Liénart, Grégoire Stouck
Competition: Olivier Nicollas
Construction supervision : Olivier Nicollas
Client: Communauté de communes Freyming-Merlebach
Structural engineering: Batiserf 
Mechanical Plumbing Engineer: Solares Bauen
Electrical Engineer: BET G. Jost
Cost control and monitoring: E3 Economie
HQE (high environmental quality) consultant: Solares Bauen
Acoustic  Euro Sound Project
Scenographer: Changement à vue
Roads and networks: Lollier Ingénierie
Address: 1 Place des Alliés, 57800 Freyming-Merlebach / Google maps Location: 49.14422, 6.81724
Area : SHON 2850 sqm
Competition: June 2011
Schematic design: from April 2012 to July 2013
Construction work: from January 2015 to April 2017
Construction companies: 
Earthwork road works (COLAS), Structure (CARI-FAYAT), metal structure (ERTCM), water proofing (COUVREST), exterior steel joinery (SOCOMET), ventilated facades (DEOBAT), metal works (MULLER), interior wood joinery – furniture (JUNG), plastering (NESPOLA + WEREY STENGER),  glued floors (SGR), tiles floors and walls (MULTI SERVICES), interior painting cleaning (DEBRA), elevators (ASCELEC), scaffolding (KAPP), electricity (ETA), heating ventilation (SCHAEFFER), plombing and drainage (LORRY), Lockmithing, machinery and scenic carpentry (CAIRE), scenic curtains and drapes (AZUR SCENIC), theater armchairs (DELAGRAVE), scenic lighting and audiovisual (SYSTEME SON)
Photographers: © Eugeni Pons, David Romero-Uzeda, Thibaut Muller

coulon-architecte.fr

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