10-03-2011

Bunker 599: Von Architektur zum Denkmal

Rietveld Landscape,

Holland,

Monument,

Zement,

Mit der Sanierung eines Bunkers aus dem Jahr 1940 in Diefdijk, Holland, haben Rietveld Landscape und Atelier de Lyon touristisches Interesse für eine Architektur geschaffen, indem sie diese von historischem Bauwerk in ein Denkmal umgewandelt haben. Ein Teil der Zementstruktur des Bunkers wurde komplett entfernt und so eine zugängliche Passage vom Festland über die Wasserlinie hinaus inmitten der davor liegenden künstlichen Landschaft geschaffen.



Bunker 599: Von Architektur zum Denkmal Die Geschichte der Niederlande könnte anhand der Versuche interpretiert werden, die im Laufe der Jahrhunderte dem Land seine aktuelle Form verliehen haben, indem es der Nordsee abgerungen wurde, die höher als drei Viertel des gesamten Landesgebiets liegt. Die Trockenlegung, um immer größere Landstücke urbar zu machen, hat nicht nur die Grenzen Hollands über die Jahrhunderte hinweg neu markiert, sondern dieses Volk auch zu Experten bei dem Bau und der Verwaltung von Deichen gemacht, die schon ab dem 16. Jahrhundert während des Achtzigjährigen Kriegs gegen Spanien, zu einem wichtigen Verteidigungsmittel wurden. Das hydrogeologische Verteidigungssystem, d.h. das Fluten bestimmter tief liegender Gebiete zur Isolierung und zum Schutz bestimmter Landstriche, wurde ab 1815 berühmt, mit der Realisierung der New Dutch Waterline (NDW) – eine militärische Verteidigungslinie, die bis zum 2. Weltkrieg zum Schutz und zur Isolierung der Städte Muiden, Utrecht, Vreeswijk und Gorinchem, also dem wirtschaftlichen Herzen des Landes, verwendet wurde. Dieser Verteidigungsring wurde nach dem Ende der Konflikte nicht mehr benutzt, bewahrt aber auch heute noch 700 im Jahr 1940 errichtete bombensichere Bunker, stumme und einsame Zeugen der Vergangenheit.
2010 hat der DLG (The Dutch Service for Land and Water Management) dem Büro Rietveld Landscape die Sanierung eines dieser Bunker anvertraut, deren Wert als Zeugnis mit kontroversen Bedeutungen befrachtet ist – von der Angst und dem Überleben im Krieg und von dem Kampf zur Eroberung neuen Ackerlandes. Um den Bunker 599 zum Wahrzeichen selbst der NDW zu machen, haben Rietveld Landscape und der Künstler Erik de Lyon ein symbolträchtiges und dabei radikales Projekt konzipiert. Eine Sektion der Struktur wurde mit einer Diamantsäge herausgeschnitten und komplett entfernt. Dadurch ist eine Bresche exakt in der Mitte des Körpers entstanden. Anschließend wurde ein Weg entworfen, der von dem oberen Deich in Stufen bis zum Bunker führt, diesen durchquert und auf einem Holzgehsteig bis zum davor liegenden See führt. Das Publikum, das die Treppe und den Weg durch den Bunker entlang läuft,  versetzt sich nicht in den Menschen, der während des Krieges hier seine letzte Zuflucht suchte, sondern nutzt diesen nach dem Gesichtspunkt eines Zuschauers, dem eine “Bresche” auf eine endgültig abgeschlossene Vergangenheit geöffnet wurde. Der Beobachter läuft weiter, lässt den Bunker hinter sich und kann sich der Betrachtung der künstlichen Natur des Sees hingeben.
Das Projekt hat die Architektur interpretiert und von einem historischen Dokument zu einem Denkmal erhoben und dabei die Aufmerksamkeit des Publikums von der Ansicht eines Fundstücks zur Betrachtung und zum Verständnis eines Kunstwerks gelenkt.

von Mara Corradi

Entwurf: Rietveld Landscape und Atelier de Lyon
Bauherr: DLG (The Dutch Service for Land and Water Management)
Ort: Diefdijk (Holland)
Ende der Bauarbeiten: 2010
Fotos: © Atelier de Lyon, Rietveld Landscape

www.rietveldlandscape.com

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