07-12-2016

Barozzi/Veiga Erweiterung des Bündner Kunstmuseums in Chur

Peter Zumthor,

Simon Menges,

Chur, Svizzera,

Museen,

Arts,

Das Architekturbüro Barozzi Veiga aus Barcelona hat die Erweiterung des Bündner Kunstmuseums in Chur, Kanton Graubünden, gestaltet. In seiner kompletten formalen Autonomie zeigt das Projekt von Barozzi Veiga zahlreiche Verweise auf Villa Planta, eine im 19. Jahrhundert als Privatwohnhaus errichtete Villa und Stammsitz des Museums.



Barozzi/Veiga Erweiterung des Bündner Kunstmuseums in Chur
Der Schweizer Kanton Graubünden hatte 2011 einen internationalen Wettbewerb für den Erweiterungsbau des Bündner Kunstmuseums ausgelobt, den das Architekturbüro aus Barcelona Barozzi Veiga gewonnen hatte. Der Bau wurde am 22. Juni 2016 eingeweiht. Der Erweiterungsbau steht im Kontext von Villa Planta, dem Stammsitz des Bündner Kunstmuseums und des Verwaltungsgebäudes der Rätischen Bahn. Auch wenn er sich vom formalen und dekorativen Gesichtspunkt von diesen Bestandsbauten differenziert, entsteht eine Synthese, welche die drei Gebäude miteinander verbindet. Villa Planta wurde 1874 nach einem Entwurf des Architekten Johannes Ludwig als der Wohnsitz des Kaufmanns Jacques Ambrosius von Planta errichtet. Nach dem Kauf durch den Kanton Graubünden wurde die Villa in Kunstmuseum umgewandelt, wies aber schon bald Zeichen der Alterung auf. Die erste Renovierung erfolgte in den 1980er Jahren. Die Arbeiten wurden damals von Peter Zumthor, Peter Calonder und Hans-Jörg Ruch geleitet. 
Der Erfolg des Museums und die Vergrößerung der Sammlungen hatte den Bau eines neuen Flügels erfordert, der sich auf dem schmalen Raum seitlich der Villa Planta einfügt und einen Zugang von der Grabenstrasse hat.



Genau diese Villa war das Bezugsgebäude für die Komposition des neuen Raums. Die quadratische Grundfläche und die Proportionen wurden so aufgenommen, dass die beiden Bauten sich in einem klaren maßstäblichen Verhältnis befinden. Die beiden Baukörper haben keinen Eingang von der gleichen Seite, sondern zeigen beide eine Repräsentanzfassade: die Statuen der Sphinxen zum “Schutz” der Zugangstreppe der Villa, einen Portalrahmen für den neuen Flügel. Der Sockel, welcher die Eingangsebene der Villa Planta anhebt, kehrt auch im Neubau mit einem gleichförmigen Betonband wieder, wenn auch der Eingang auf Straßenniveau liegt. Bei beiden Baukörpern dominiert eine zentrale Symmetrieebene im Sinne Palladios mit einer Kuppel, wohingegen die geometrische Strenge im Neubau mit großer formaler Selbstständigkeit zum Ausdruck gebracht wird. Die Grundrisse der Ausstellungsetagen beziehen sich auf das Schema der kommunizierenden Zimmer mit einem zentralen Atrium, dem Kern der gesamten Symmetrie. Der Verweis auf die starke Präsenz von Dekorationen im Innen- wie im Außenbereich(die beiden Sphinxen, die pompejanischen Gemälde, die vergoldete Kuppel im byzantinischen Stil bezeigen die Aktivitäten des ersten Bauherren, der Kaufmann in Alexandria in Ägypten war) wird in einer neuen gestalterischen Ordnung der Fassaden umgesetzt: ein Basrelief mit Kassetten aus perlgrauem Zement, ein weiterer Verweis auf die klassische Welt. 
Der neue Block möchte dem Garten als städtebaulichem Verbindungselement mit Villa Planta und der Stadt mehr Raum lassen und kehrt somit die logische Ordnung des Programms um, indem die drei Ausstellungsgalerien in den 3 Untergeschossen angeordnet werden. Hier können sie mehr Raum bezogen auf das Erdgeschoss und der drei Obergeschosse beanspruchen, denn deren Abmessungen sind begrenzt und dem Umfeld angepasst. Hier befinden sich der Empfang und die Museumswerkstätten. 


Zwei großflächige und hohe Glaswände sind hinter der Kassettendekoration der Ost- und der Westfassade versteckt. Sie rahmen Villa Planta ein während die beiden Architekturen tatsächlich über die Zugangstreppe in den jeweiligen beiden ersten Untergeschossen verbunden sind.
Voller Bezugnahmen und Verweise auf die Antike und den Bestandsbau ist der Erweiterungsbau von Barozzi Veiga ein komplett autonomes Gebäude, ein Element der Erneuerung, das sich perfekt in die Front der Grabenstrasse einfügt.

Mara Corradi

Architect: Barozzi/Veiga (Fabrizio Barozzi, Alberto Veiga)
Location: Chur, Switzerland
Client: Hochbauamt Kanton Graubünden
Project leader: Katrin Baumgarten
Project team: Paola Calcavecchia, Shin Hye Kwang, Maria Eleonora Maccari, Anna Mallen,
Verena Recla, Laura Rodriguez, Ivanna Sanjuan, Arnau Sastre, Cecilia Vielba
Local architect: Schwander & Sutter Architekten
Project manager: Walter Dietsche Baumanagement AG
Landscape Architect: Paolo Bürgi Landschaftsarchitekt
Structural engineer: Ingenieurbüro Flütsch
Services engineers: Waldhauser Haustechnik AG, Brüniger + Co. AG, Niedermann Planung GmbH
Façade consultant: x-made SLP
Lighting consultant: MichaelJosefHeusi GmbH
Museum expert: BOGNER.CC - die museumsplaner
Building physics: Kuster + Partner AG
Security consultant: Mullis+Cavegn AG
Fire protection consultant: Balzer Ingenieure AG, AFC - Air Flow Consulting AG
Door consultant: Brütsch Elektronik AG
Signage: Weiersmüller Bosshard Grüninger WBG | AG
Net floor area: 4,000 sqm
Competition: 2012
Construction: 2016
Façade in concrete: Sulser AG 
Steel windows: Paul Tobler AG 
Exterior steel doors: Merkle Metallbau AG 
Photographs by: © Simon Menges

barozziveiga.com
www.buendner-kunstmuseum.ch/it/Seiten/start.aspx


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