11-08-2020

ONSTAGE: FRANCINE HOUBEN, MECANOO

Francine Houben, Mecanoo,

Architecture/Landscape/Urbanism,

Interview,

„Suche dir deinen Platz aus, pflege ihn mit Liebe, Leidenschaft und nach besten Kräften, und auf diese Weise könntest du die Welt verändern.“ - Charles Eames



<strong>ONSTAGE: FRANCINE HOUBEN, MECANOO</strong><br />
Heute habe ich das Vergnügen, mit Francine Houben, Gründungspartnerin und Kreativdirektorin von Mecanoo, zu sprechen. Während dieses Interviews möchte ich der Frage nachgehen, wie es ihr gelungen ist, während einer sehr fordernden und erfolgreichen Karriere die Rolle der Mutter und der Architektin zu vereinbaren. Das von ihr mitbegründete Architekturbüro hat zahlreiche Projekte in Europa und Asien verwirklicht. Daneben lehrt Fr. Houben an verschiedenen Universitäten und nimmt sonst noch an zahlreichen Aktivitäten des Sektors teil.
Ich habe schon vorher kurz einige der renommierten Auszeichnungen angesprochen, die Sie erhalten haben, und für eine Frau ungewöhnlich viel sind. Darunter scheint mir die Wahl zum TU Delft Alumnus vor wenigen Monaten besonders erwähnenswert. Eine etwas andere Aufgabe, die Sie, so denke ich, mit besonderem Stolz erfüllt, da Sie die Universität betrifft, an der Sie studiert und das Studium mit Auszeichnung abgeschlossen haben. Eine Ehre, die, wie es der Rektor der Alma Mater betont hat, nur wenigen zuerkannt wird. Er nannte zwei Werke, die dem Campus als Erbe geblieben sind: die ikonische Universitätsbibliothek der TU Delft und der schön gestaltete Campusbereich Mekelpark.
Ende des Jahres findet in Washington D.C. die mit Spannung erwartete Neueröffnung der bedeutungsvollen Martin Luther King Jr. Memorial Library statt, ‚der modernistischen Schachtel aus Stahl und Glas, die 1972 von Mies van der Rohe entworfen wurde‘ und die Mecanoo erst vor Kurzem einer Restaurierung und Umwandlung unterzogen hat.
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1 – Francine, Sie gehören zu jener Kategorie von Frauen, die auf beeindruckende Weise bewiesen haben, bedeutende Ergebnisse erreichen zu können, ohne den Kampf zwischen Mann und Frau einzugehen, der nur eines zum Ziel hat, nämlich die Überlegenheit des einen über den anderen zu zeigen. Wie sehen Sie in der Welt der Architektur das Verhältnis zwischen Mann und Frau, das oft auf Konkurrenz und nicht auf Zusammenarbeit basiert?
 

Ich sehe die Welt der Architektur nicht als Kampf zwischen den Geschlechtern. Sicherlich müssen Frauen größere Belastungen auf sich nehmen, da sie die Rolle der Mutter, der Erziehung der Kinder und die Aufrechterhaltung einer aktiven Position in der Architektur miteinander in Einklang bringen müssen. Ich habe das alles selbst erlebt, und es war nicht immer eine einfache Aufgabe. Man darf auch nicht vergessen, dass es für meine Generation noch nicht selbstverständlich war, dass eine Frau Vollzeit arbeitet. Ich hatte das Glück, eine sehr hilfsbereite Familie zu haben, die immer bereit war, mich zu unterstützen. In den Niederlanden gibt es den ‚Papadag‘, ‚den Vatertag‘: Ein oder zwei Tage pro Woche können die Väter von der Arbeit daheim bleiben, um bei den Kindern zu sein. Die Niederlande haben schon immer ein sehr aufgeschlossenes Verhältnis zur Gleichberechtigung der Geschlechter gezeigt und ich denke, dass die jüngeren Generationen das wahrnehmen und sich untereinander, als Männer und Frauen, ganz anders zueinander verhalten, als wir das zu unserer Zeit gemacht haben. Wir müssen weiter daran arbeiten, um eine noch ausgeglichenere und harmonischere Welt zu schaffen.
 
2 – Was hat es für Sie bedeutet, zu arbeiten und sich um eine – soweit ich weiß große – Familie zu kümmern? Welche Opfer mussten gebracht werden, um die Anforderungen beider Welten, die gleichbedeutend und gleichermaßen fordernd sind, zu erfüllen?
 
Als Architekt braucht man eine große Dosis Leidenschaft, da es eine Vollzeittätigkeit an fast 365 Tagen im Jahr ist. Außerdem muss man eine Balance mit dem Familienleben finden, – ich habe zum Beispiel drei Kinder –, und das war nicht immer eine einfache Kombination. Es handelt sich wirklich um ein Gleichgewicht zwischen persönlichem Leben und Beruf. In den Niederlanden war es zu meiner Zeit keineswegs normal, dass Frauen Vollzeit arbeiteten. Es wurde gesellschaftlich nicht wirklich akzeptiert, ich war sehr überrascht, weil meine Mutter mich vielleicht nur einmal zur Schule begleitet hat, als ich sehr klein war, sie hat es nicht sehr oft gemacht. Ich war das vierte von fünf Kindern, wir waren eine große Familie. Meine Mutter war eine wirklich großartige Mutter, aber sie konnte nicht ständig bei mir sein, sich permanent um mich kümmern. Was ich damit sagen will, sie hatte fünf Kinder, für die sie alle da sein musste.
 
Wenn ich an eine große Familie denke, dann gefällt mir die Vorstellung, die deine Nachbarn, Brüder und Schwestern, Cousins und Cousinen als Familie darstellt, und nicht nur als Familie mit vielen Personen. Wir kümmern und sorgen uns alle füreinander, indem wir auf die Unterstützung aus der Familie für seine Karriere und das Großwerden der Kinder zählen können. Diese Situation war Teil meines Lebens und nur so konnte ich es schaffen. Ich denke, dass das auch für meine Kinder gut war, denn sie hatten nicht nur uns Eltern als Bezugspersonen, sondern waren viel mehr mit der Welt rundherum vernetzt. Eine erweiterte Familie zu haben, war für mich grundlegend. Sie hat mir die Energie gegeben, so intensiv als Architektin zu arbeiten, aber auch um meine Kinder großzuziehen.
 
3 – Sie wurden vom Architects’ Journal zur Architektin des Jahres 2014 ernannt und sind Gewinnerin wichtiger Auszeichnungen, die nur wenigen Frauen zuerkannt wurden. Wie haben Sie sich in diesen so befriedigenden Momenten gefühlt und wie haben Sie für Ihre Kolleginnen empfunden, die noch weiterkämpfen müssen, so wie auch Sie es machen mussten, um die Rechte anerkannt zu sehen, die nicht immer gewährt werden? 
 

Es ist schwer, auf diese Frage zu antworten, da ich mich nie als weiblicher Architekt profilieren wollte, ich will einfach ein guter Architekt sein, unabhängig vom Geschlecht. Wie ich immer sage, ich bin als Frau geboren und das lässt sich nicht ändern. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit von Mecanoo und ich sehe diese Auszeichnungen oft als Anerkennung der Arbeit und der uneingeschränkten Leidenschaft, die ich und alle bei Mecanoo unseren Projekten entgegenbringen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Architektur immer die Arbeit eines Teams, eine visionäre und gleichzeitig solidarische Sichtweise betrifft. Und Frauen sind hier besonders gut.


Delft University of Technology Library di Mecanoo. Foto cortesia di Mecanoo.

4 – Als Sie sich entschlossen haben, diesen Beruf auszuüben, gab es einen Wettbewerb, der für Ihren Karrierestart von großer Bedeutung war. Glauben Sie, dass Wettbewerbe heute noch immer dieselbe Bedeutung wie damals haben, und jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich hervorzutun und vielleicht auch sich selbständig zu machen?
 
Ja, als wir noch studierten, das war 1979, gab es einen Wettbewerb für das Wohnviertel Kruisplein in Rotterdam, an dem ich mit zwei Kollegen teilnahm. Wir gewannen 1980 diesen Wettbewerb und in den darauffolgenden vier Jahren haben wir als Studenten daran gearbeitet. Unser Bestreben war eine urbane Erneuerung der Wohnungen und die sich daraus ergebende architektonische Innovation. Das war unser erster Wettbewerb. Da ich seit vierzig Jahren in der ganzen Welt arbeite, kann ich nur feststellen, dass sich viel verändert hat. Die Anforderungen des Kunden, politische Programme und die Beteiligung des Nutzers. Jedes Land ist anders. Wir müssen uns anpassen. Trotz der vielen Veränderungen denke ich, dass Wettbewerbe immer noch dazu beitragen können, die eigene Arbeit unter denen der gleichaltrigen Kollegen hervorzuheben, und jungen Architekten die Gelegenheit geben, ihre Karriere voranzutreiben. Wettbewerbe bleiben also ein wichtiges Instrument sowohl für Architekten als auch für Designer.
 
5 – Sie haben in vielen Ländern außerhalb Europas gearbeitet, wo die Arbeit ganz anders organisiert ist, insbesondere in Asien. Wie ist es Ihnen dort ergangen? Welche Art und Weise bevorzugen Sie, wenn Sie auch an den ganzen Prozess vor und während der Bauphase denken? 
 

Jedes Land ist anders. Es macht einen Unterschied, ob man in Festlandchina oder in Taiwan arbeitet. Dort kommt es häufig vor, dass der Kunde nicht der Nutzer ist, und das macht die Arbeit einzigartig. Auch beim Projekt in Taiwan, im Kulturzentrum Longgang, war es der Kunde, der den gesamten Bauprozess der Struktur verfolgt hat.
 
Der Kunde ist nicht der Nutzer, der normalerweise erst später hinzukommt. Alles läuft natürlich viel schneller ab. Die Entscheidungen werden eher schnell getroffen. Was die Arbeit in Festlandchina und Taiwan so interessant macht, ist die Geschwindigkeit, mit der sich Dinge verändern. Da wir dort während zehn Jahre gearbeitet haben, können wir beurteilen, wie sich das Land verändert hat, und ich meine das im positiven Sinn. Es ist offener und demokratischer. 
 
Ich freue mich, dass wir zwei große öffentliche Gebäude in China bauen, um den Bewohnern dort eine lebenswertere Umgebung zu bieten. Wir werden im Inneren und rund um unsere Gebäude einen speziellen öffentlichen Bereich gestalten, der, so hoffe ich, zu einer positiven Veränderung beiträgt. Es sind zwei große Herausforderungen, besser gesagt, zwei große Abenteuer. Wir sind sehr stolz auf diese beiden Projekte.


Delft University of Technology Library di Mecanoo. Foto di Greg Holmes. 

6 – Welche Begegnungen in der Welt haben sich für Sie als Reisende als speziell erwiesen und haben Ihnen sowohl menschlich als auch beruflich etwas gegeben, woran Sie sich besonders gerne erinnern? 
 
Für mich ist diese Krise eine Bestätigung meiner Vision der Zukunft „die Ausrichtung auf das Wesentliche“. In den letzten Jahrzehnten habe ich durch das Kennenlernen von Menschen in der ganzen Welt erkannt, was alle in jedem Teil der Welt wünschen. Sehr einfache Dinge: sich um seine Kinder zu kümmern und ihnen eine bessere Zukunft zu bieten. Es ist etwas, dass Freunde, Familienangehörige und die Gemeinschaft betrifft. Wir müssen den Wert jedes Individuums anerkennen, das Verhältnis der Personen zueinander, die Kultur oder die Natur oder in vielen Fällen, die Verbindung von beiden. Unser Verhalten gegenüber dem Planeten muss sich ändern, die Natur hat einen unersetzbaren Wert und eine einzigartige Schönheit. Es geht wirklich darum, dass wir wieder eine bessere Beziehung zu unserem Planeten finden.
 
7 – Musikalische und künstlerische Performances und Theateraufführungen sind oft fester Bestandteil Ihrer Arbeiten. Dieses Jahr werden Sie mit der Yale School of Architecture an einer Neubearbeitung der Oper der Zukunft im engen Kontakt mit der Yale School of Drama und der Yale School of Music arbeiten. Diese Performance zwischen Architektur und den verschiedenen Kunstformen ist etwas, was Sie schon immer als Konstante in Ihren Projekten gesucht haben, nicht nur in denen, die auch Theater- und Musikpraktika vorsahen. Glauben Sie, dass diese von Ihnen vorangetriebene Suche dazu beitragen kann, dass die Architektur in einer überladenen Welt wie der, in der wir heute leben, eine größere Beteiligung und eine stärkere Verbindung mit der Gesellschaft bewirken kann?
 
In meinem neuesten Buch spreche ich an einer bestimmten Stelle vom „Finden einer Identität in einer globalisierten Welt“. Ich denke, dass ich das zum Teil auf verschiedene Arten schon in den letzten 30 Jahren mit meinem Team bei Mecanoo gemacht habe. Oder zumindest ist es das, was ich hoffe, gemacht zu haben. Reisen ist sehr wichtig, um andere Kulturen kennenzulernen, andere Umgebungen, andere Glaubenssysteme und andere politische Kreise zu erleben. Die Welt ist so groß und so unterschiedlich, und dennoch versuchen die Architekten oft, überall dieselbe Ästhetik abzubilden. 
 
Das ist für mich nicht interessant. Teil unserer Philosophie, der Philosophie von Mecanoo ist es, in besonderer Weise auf die Nutzer, die physische Umgebung, und natürlich die Möglichkeiten der Funktionen eines Gebäudes einzugehen. Diese Herangehensweise ermöglicht uns, für jede Situation einzigartige Lösungen zu bieten, und gleichzeitig alle Fachbereiche von Mecanoo zu kombinieren: Architektur, Städte- und Landschaftsplanung und Innenarchitektur. Ich interessiere mich sehr für das multidisziplinäre System und für die Art und Weise, wie alle diese Disziplinen sich gegenseitig beeinflussen. Darum erlaubt es unser Planungsprozess, sehr komplexe Herausforderungen zu meistern und für die Menschen stimulierende Orte zu schaffen.


LoCal Library a Tilburg, Olanda di Mecanoo. Foto di Ossip Architectuurfotografie. 

8 – Glauben Sie, dass es mit Hilfe digitaler Instrumente, insbesondere in Bezug auf die Arbeit, die in vielen Sektoren hauptsächlich vom Büro aus erfolgt, aber auch von zu Hause ausgeführt werden könnte, möglich ist, ein Leben fern von den urbanen Zentren zu fördern? Damit könnte man, wie Sie das oft vorgeschlagen haben, überfüllte Innenstädte vermeiden und die Leute animieren, eine gesündere und naturverbundenere Lebensweise zu wählen, indem Randzonen neu belebt werden, die oft lange Zeit stiefmütterlich behandelt wurden?
 

Ich bin überzeugt, dass die derzeitige Covid-19-Pandemie uns alle dazu bringt, die Art und Weise, in der wir als Gesellschaft zusammenleben, neu überdenken und neu erfinden müssen, ebenso wie unsere Rolle als Planungsexperten. Dabei denke ich nicht nur an die Praktiken der Architektur, da diese Disziplin zur Gänze einer multidisziplinären Teamarbeit gewidmet ist. Das Konzept von öffentlichem Raum und sozialer Distanz wird für die zukünftige Entwicklung unserer Städte und hinsichtlich der Verbindung zur ländlichen Umgebung von zentraler Bedeutung sein. Wie wir alle wissen, wird sich die Mobilität verändern. Während dieser Pandemie ist uns allen bewusst geworden, wie empfindlich unsere Unterstützungs- und Versorgungssysteme auf Unterbrechungen reagieren. Der Großteil unserer Verbindungsnetze hat sich als unzureichend herausgestellt.
 
Unser Lebensstil, unsere Gewohnheiten, unsere Routine, die Reisen und sozialen Interaktionen haben sich in den letzten Monaten vollkommen verändert. Sie haben uns aber auch interessante Impulse zur Organisation und der Leistung des Büros geliefert. Es hat sich gezeigt, dass die meisten Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten können. Was man in gewisser Hinsicht ablesen kann, ist, dass eher die ganz jungen, noch unerfahrenen Kollegen und die Praktikanten mehr Unterstützung benötigen. Diese Hilfe ist aus der Ferne schwierig zu geben. 
 
In dieser unsicheren Zeit haben alle Mitglieder des Teams von Mecanoo die Möglichkeit, frei zu wählen, ob sie im Büro oder von zu Hause aus arbeiten möchten. Einige haben bei sich zu Hause oder bei den Eltern Urlaub gemacht. Ich habe ihnen da freie Entscheidung gelassen. Ich kann für niemanden entscheiden, welche die sichererste Situation für jeden Einzelnen ist. 
 
Das ist aber auch die Gelegenheit, die digitale Welt voll auszunutzen, wie wir das bisher noch nicht gemacht haben und die Fähigkeit dieses Berufs zu zeigen, sich anzupassen, zusammenzuarbeiten, sich auf multidisziplinärer Ebene auszutauschen. 
 
Wir verfügen alle über die Technologie und die Lösungen, um die normalen Kommunikationskanäle offen zu halten: Telefon, E-Mail, WhatsApp, Team, Skype, Trello – und auch die große Vielfalt der Social-Media-Plattformen. Es ist schon beeindruckend, wie viele Möglichkeiten wir zur Verfügung haben und in vielerlei Hinsicht ist die wahre Herausforderung, ein System zu schaffen, das für das Büro und das Planungsteam am besten funktioniert.
 
9 – Glauben Sie, dass die Technologie eines Tages die sozialen Beziehungen und vielleicht sogar den physischen Kontakt beeinträchtigen wird und dass in einer Welt, die immer mehr von der Technik geprägt ist, es zu einem gefährlichen Bruch in der Gesellschaft kommen kann, und zwar zwischen denen, die keine Möglichkeit haben, die mit diesem Bereich verbundenen Aktivitäten auszuführen und jenen, die diese neue Realität, die sich abzeichnet, beherrschen?
 
Wie fast alle habe ich mein Handy immer und überall mit. Ich bin auf Social Media aktiv und ich interessiere mich für neue Apps, die mir helfen, noch effizienter zu sein. Die Technologie hat zahlreiche Vorteile und ich persönlich habe keine komplett negative Vision in Bezug auf die zukünftige Verwendung von Technologie. Ich bin der Meinung, dass die Menschen das richtige Gleichgewicht finden werden, auch wenn sich der Weg dorthin noch mit einigen Hindernissen präsentiert. 
 
In gewissem Sinn sehen wir, dass es bereits geschieht. Technologie ist Teil unseres alltäglichen Lebens. Internet wurde Mitte der 1990-Jahre einem großen Publikum zugänglich und in den letzten zwei Jahrzehnten waren die Entwicklungen einfach enorm und beeindruckend. Mit jeder großen Entdeckung oder technologischen Entwicklung besteht immer das Risiko, dass eine große Idee verdreht und auf negative Weise verwendet werden kann. Diese Regel lässt sich auf alles anwenden.
 
Menschen als soziale Wesen können nicht ohne physischen menschlichen Kontakt leben, auch wenn wir eine digitale Version erschaffen würden. Tatsächlich machen die Social Media genau das. Nach einem Jahrzehnt ihres Bestehens werden viele Probleme sichtbar, die sich aufgrund der mangelhaften Reglementierung oder Problemen mit dem Datenschutz ergeben und viele betroffen haben. Wir leben und wir lernen, und hoffentlich werden wir uns immer verbessern. 
 
Erst vor Kurzem habe ich die Archive in unserem Büro in Delft neu geordnet und hunderte, vielleicht sogar tausende Dias in unzähligen Schachteln durchgeschaut. Ich wollte nicht nur eine Auswahl treffen, sondern auch entscheiden, was als gemeinsames Gedächtnis des Werks von Mecanoo digitalisiert werden sollte. Das ist ein gutes Beispiel für den Zeitraum vor und nach der Digitalisierung. 
 
Die Einführung der Technologie ist eine zwingende Entwicklung, der wir uns nicht entziehen können. Unser Beruf muss sich an die anderen Bereiche um uns herum anpassen, andernfalls besteht die Gefahr, dass wir bedeutungslos werden. Die Architektur ist als konservativer Bereich bekannt, der sich nur langsam verändert. Deshalb wird sich die Architektur in vielen Bereichen nicht so schnell verändert wie viele andere Tätigkeiten. Die Rolle des Architekten wird sich letztendlich ändern, davon bin ich überzeugt. Sie wird sich immer an die Bedürfnisse der Gesellschaft anpassen und darauf reagieren, denn das ist die Mission des Architekten.

Virginia Cucchi


Credits:

Mecanoo: https://www.mecanoo.nl/

Fotografie: 
Cover - Francine Houben © Roger Neve / Courtesy of Mecanoo
1 - Mekel Park © Seibe Swart / Courtesy of Mecanoo
2 - Mekel Park © Ossip Architectuurfotografie / Courtesy of Mecanoo
3 - TU Library / Courtesy of Mecanoo
4 - TU Library © Greg Holmes / Courtesy of Mecanoo
5 - 6  Martin Luther King Memorial Library, Washington D.C / Courtesy of Mecanoo
7 - 8 LocHal Library © Ossip Architectuurfotografie / Courtesy of Mecanoo
9 - 10 HOME Arts Centre © Greg Holmes / Courtesy of Mecanoo
11- 12 Holland Park West / Courtesy of Mecanoo

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