09-05-2011

Carrilho da Graça: Kirche in Portalegre

Portugal,

Kirchen & Friedhöfe,

Weiß und geometrisch, wie so viel portugiesische Architektur von Siza bis Souto de Moura: Die Kirche St. Antonio in Portalegre von João Luís Carrilho da Graça umarmt metaphorisch die christliche Gemeinde mit ihrem C-förmigen Grundriss, bestehend aus dem Kultort und dem Pfarrzentrum. Ein Beispiel der zeitgenössischen Architektur , die in enger Beziehung mit der Landschaft und der Natur konzipiert wurde.



Carrilho da Graça: Kirche in Portalegre
Die Absicht des Architekten João Luís Carrilho da Graça in Portalegre (Portugal) war nicht nur der Bau einer Kirche, sondern ? für das Gemeinwohl ? der Bau von Räumen zur gemeinsamen gesellschaftlichen Nutzung. Dabei handelt es sich um Räumlichkeiten, die mit dem Kultort verbunden sind und wo die Menschen sich aufhalten, ihre Zeit verbringen und diese mit der religiösen Aktivität und dem geistigen Wachstum verbinden können.
In der katholischen Tradition waren der heilige Ort und dessen anliegende Räumlichkeiten, wie die Wohnung des Pfarrers oder die Klassenzimmer für den Religionsunterricht, schon immer eng miteinander verbunden und aus diesem Grund erscheint das Projekt von Architekt Carrilho da Graça um so symbolträchtiger, da es einen C-förmigen Grundriss hat, wobei das C sich verlängert und einen großen Hof bildet, der dem Empfang und als Treffpunkt dient.Weiß und geometrisch, wie so viel portugiesische Architektur in den letzten Jahren, von Alvaro Siza bis Eduardo Souto de Moura, ist diese Kirche ein Lichttupfen im städtischen Panorama. Die undurchdringlichen Mauern begleiten den Weg der Menschen und führen diese zum Eingang, der aus einem breiten und niedrigen Portal besteht. Etwas nach hinten versetzt bezogen auf die Grenze des Gebäudes hat dies ermöglicht, zwei Zugangstüren zu den Räumen im Pfarrzentrum zu öffnen, die sich auf beiden Seiten erstrecken und den Hof ?umarmen?.
Wenn man den Portal hinter sich hat, dann gelangt man zum eigentlichen Kultort und überquert dabei den Kirchenvorplatz, der von zwei mit Quartz verkleideten Rampen abgegrenzt wird. Diese beiden Rampen führen zum Pfarrzentrum, der sich mit einem C-förmigen Grundriss auf zwei Etagen entwickelt. Man hätte erwartet, dass der Körper des Kultortes den des von ihm abhängigen Pfarrzentrums überragt, doch die außerordentliche kompositorische Anlage von Carrilho da Graça stellt die gegenseitigen Proportionen auf den Kopf. So wird die Bedeutung der Kirche ausschließlich von ihrer Zentralität bestimmt. Der Raum, in dem der Ritus vollzogen wird, ist das Herz des Entwurfs, wenn man diesem im Grundriss betrachtet, verschwindet aber bei der Betrachtung der Vorderseite. Er verschwindet hinter der Perspektive der beiden Glaswände. Die vordere blickt auf den Kirchenvorplatz und die hintere lässt im wahrsten Sinne des Wortes den Felsenhang in die Kirche eindringen, auf dem das Bauwerk errichtet wurde. Vom Eingangsportal kann man also bis zum Felsen blicken, über den nach oben offenen Kirchplatz und die Kirche “aus Glas”.
Mit ihren weißen Mauern, den regelmäßigen Schnitten der Fenster und dem einschiffigen Grundriss wird die Kirche vollkommen in das Licht getaucht. Ohne jegliche Dekoration lenkt sie die Blicke nur nach vorne, hin zum vorragenden nackten und nachts beleuchteten Fels, dessen natürliche Fortsetzung der Marmorfußboden des Presbyteriums zu sein scheint. Bühnenwirksame Lösung mit hohem geistigen Inhalt ? die Vermischung aus Gebautem und Natur von João Luís Carrilho da Graça ist eine Hommage an zahlreiche religiöse Bauten, die im Felsen errichtet wurden, wie Temppeliaukio Kirkko in Helsinki, um nur einen zu nennen.

von Mara Corradi

Entwurf: João Luís Carrilho da Graça
Mitarbeiter: Inês Lobo, João Maria Trindade, Flávio Barbini, Maria João Barbini, Luís Barros, Filipe Homem, Paula Miranda, Susana Rato, Pedro Ricciardi, João Manuel Alves, Inês Cortesão, Joanna Malitzki, Andreia Salavessa, Julieta Cunha, Sandra Macieira, Nuno Pinto, João Rosário
Bauherr: Fábrica da Igreja Paroquial da Freguesia da Sé
Ort: Portalegre (Portugal)
Landschaftsplanung: Guilherme Carrilho da Graça
Bruttonutzfläche: 3 050 m2
Projektbeginn: 1993
Ende der Bauarbeiten: 2008
Baufirma: AFA consultores de engenharia
Fotos: © FG+SG Fernando + Sergio Guerra

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