11-12-2019

Yves Weinand: Neuer Pavillon des Theaters Vidy in Lausanne

Yves Weinand Architecte,

Ilka Kramer,

Losanna, Svizzera,

Theatres,

Der neue Pavillon des Vidy Theaters in Lausanne ist eine Halle mit 250 Sitzplätzen, die dank innovativer Low-Tech-Gelenke vollständig aus Holz gebaut ist. Die experimentellen Arbeiten wurden von Yves Weinand, Leiter des IBOIS-Forschungslabors an der EPFL, durchgeführt.



Yves Weinand: Neuer Pavillon des Theaters  Vidy in Lausanne

Neben dem inzwischen historischen Vidy-Theater in Lausanne wurde Ende 2017 ein vollständig vorgefertigter Holzpavillon mit überraschender Origami-Architektur eingeweiht, der von Yves Weinand im Rahmen des IBOIS-Forschungslabors an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) entworfen wurde.
Als Weiterentwicklung der modernistischen Idee einer modularen Gebäudestruktur ist Yves Weinands „Pavillon” eine Erweiterung des Vidy Theaters, eines temporären Gebäudes, das von Max Bill für die Expo 1964 entworfen wurde. Am Ufer des Genfer Sees gebaut, wurde das Vidy nie demontiert, sondern durch den Willen des Regisseurs Charles Apothéloz in ein permanentes Theater verwandelt. Im Rahmen der vor einigen Jahren begonnenen Generalsanierung der Institution ersetzte der Pavillon ein unbrauchbar gewordenes temporäres Zelt, um die Idee der leichten und wirtschaftlichen Architektur auch in den Phasen des Auf- und Abbaus, wie sie für das erste Gebäude von Max Bill typisch war, zu erhalten.
Mindestens so schockierend wie damals die strenge Metallstruktur des Theaters erschien, ist der neue Pavillon eine kompakte Hülle aus Holz, auf den ersten Blick fast eine Skulptur im architektonischen Maßstab, die sich in der Runde im Garten des Kulturkomplexes abhebt. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Komposition mit einer sehr geringen technologischen Komponente: 11 Abschnitte aus Buchensperrholzplatten, montiert mit innovativen Holz-Holz-Verbindungen mit Doppelzapfen, ohne Metallelemente. Bestehend aus zwei Wänden und einem gewölbten Dach, hat jeder Abschnitt eine Doppelhaut, die sowohl Struktur als auch Abdeckung ist, und widerstandsfähig genug ist, um die Schnittkräfte zu begrenzen. In dem so entstandenen Spalt von 210 mm befindet sich Zellulosewatte aus recycelten Zeitungen, die gleichzeitig eine Wärmedämmung gewährleistet. Durch die digitale Modellierung von Fertigteilen konnte das IBOIS-Labor der EPFL eine tragende Holzkonstruktion herstellen, die sich über eine Entfernung von 16-20 m, ohne Säulen und mit einer Plattendicke von nur 45 mm erstreckt. Mit seinem faszinierenden Origami-Grundriss und 250 versenkbaren Sitzen ergänzt der Saal des Pavillons die drei permanenten und originalen Räume des Vidy.
Mit dem wachsenden Bewusstsein für die Dringlichkeit der Verwendung natürlicher und nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen hat Holz bei den Forschenden an Popularität gewonnen, insbesondere in der Schweiz, wo es eine reichlich vorhandene Ressource ist. Im Pavillon des Vidy-Theaters wurden die im Labor von Yves Weinand entwickelten innovativen Holz-Holz-Verbindungen erstmals auf den Maßstab eines Gebäudes angewendet, für das eine Ad-hoc-Vorfertigung entwickelt wurde. Die Holz-Holz-Verbinder wurden im Werk als integraler Bestandteil der Paneele in einem einzigen mechanischen Arbeitsgang geschnitten. Nach der Montage durch neu gestaltete Doppelzapfen-Verbindungen, die eine schnelle und präzise Verbindung gewährleisten, schaffen diese Module die Solidität des Gebäudes und minimieren den Einsatz von Metallverbindern.
Yves Weinand sagt, dass durch eine sehr detaillierte Planung mittels digitaler Modellierung der Produktionsprozess in Bezug auf Zeit und Leistungen stark verbessert wurde, die in jeder Phase kontrolliert werden. Dank der kundenspezifischen Vorfertigung wurde die Architektur mit niedrigen Betriebskosten gebaut und die allgemeinen Umweltauswirkungen auf das betroffene Gebiet begrenzt. Der Bau dauerte etwa ein Jahr, aber die Struktur des neuen Pavillons wurde in nur 10 Tagen montiert, von 6 Mitarbeitern mit 1 Kran. Ein standardisierter Prozess, der viele Variationsmöglichkeiten für zukünftige Holzarchitekturen bietet.
Wieder einmal zeigt sich, wie veraltet es ist, den Fertigbau als Synonym für konstruktive Homologation, Banalisierung der Form zu betrachten, und wie sehr es möglich ist, seine Prinzipien mit ästhetischen Wendungen der Exzellenz zu transformieren. So wird die Lektion von Max Bill weiter gelehrt, wie Vincent Baudriller, Direktor des Theaters, betont: "Die architektonische Struktur des Gebäudes definiert sowohl Technik als auch Ästhetik." Hier finden wir die Vorstellungen von konkreter Kunst, die Max Bill immer verteidigt hat. Der neue Pavillon setzt den Geist fort, der Vidy seit seiner Gründung auszeichnet. Ein emblematisches Gebäude, das auf einem schmalen Grundstück erbaut wurde, das einst ein Sumpf am Genfer See war, der 1964 für die Austragung der fünften Landesausstellung trockengelegt wurde und heute der Stolz des französischen Theaters in der Schweiz ist.

Mara Corradi

Architects: Yves Weinand Architecte, Lausanne, assisted by Atelier Cube SA, Lausanne
Technological transfer: Laboratory for timber constructions, IBOIS, EPFL: Prof. Dr. Yves Weinand Dr. Christopher Robeller Julien Gamerro
Civil engineer: Bureau d’études Weinand, Liège Ingénieur cvs: AZ ingénieurs SA, Bulle
General Wood Company: Blumer-Lehmann
AG Masonry: P.A. Marmillod SA
Client: Vidy Theatre Lausanne
Location: Lausanne, Switzerland
Gross Built Area: 540 sqm
Start of work: (on site) 2016
Completion of work Year: 2017
Photographs: © Ilka Kramer

Mention Région Ouest, Prix Lignum 2018


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