02-12-2009

Shanghai

Atelier Deshaus,

Shanghai, HongKong,

Expo, Wolkenkratzer,

Shanghai liegt in einer der fruchtbarsten Gegenden Chinas. Die Stadt hat sich die Natur dieser Region angeeignet und diese in ihr städtisches Gefüge einbezogen, an die nur noch die Karten vom Anfang des 19. Jahrhunderts und die heutigen Ortsnamen erinnern.



Shanghai Heute definiert die Beziehung zwischen der Architektur und Shanghai zwei unterschiedliche Szenarios, die auf der einen Seite das Verschwinden der chinesischen Kolonialarchitektur sieht, um einer Architektur Platz zu machen, die aus hohen Gebäuden oft zweifelhafter Güte besteht. Auf der anderen Seite hat die Umwandlung der Stadt eine Debatte zur Rolle der zeitgenössischen Architektur und deren gesellschaftlichen Wertes in einem Land angeregt, das sich heute als anregender und kreativer Ort gibt - dies auch dank der wirtschaftlichen Öffnung seit Beginn der 80er Jahre.

China besitzt heute die modernsten Technologien auf dem Gebiet der Glas-, der Stahl- und der Steinverarbeitung und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen, die die Verwendung dieser Werkstoffe ermöglichen, die anderswo im Rahmen der architektonischen Gestaltung zu teuer wären.
Dieser mögliche Einsatz teurer Materialien, kombiniert mit den Möglichkeiten, die vom chinesischen Markt bei der Produktion auch nicht standardisierter Teile angeboten werden, schafft günstige Bedingungen für ein vielseitiges architektonisches Angebot.
Gleichzeitig ist eine neue Architektengeneration entstanden, die von den internationalen Architekturbüros beeinflusst ist, die sich in China niedergelassen haben oder von ihren dort gebauten Werken: In China sind das Büro von Gregotti Associati, Fox & Fowle die einige gewerbliche Bauten realisiert haben, sowie Paul Andrei und John Portman vertreten.
Unter den aufsteigenden chinesischen Architekten ist der chinesische Architekt Wang Lu, zu nennen, der das Museum von Piantai entworfen hat. Das Büro MAD aus Peking hat 2006 den ersten Platz bei dem internationalen Wettbewerb für die Absolute Towers in Toronto gemacht - auch als Marilyn Monroe Tower bekannt -, dann Yung Ho Chang, Liu Jakun und Zhang Lei, Atelier Deshaus, KUU.
Yung Ho Chang beispielsweise ist eine der emblematischsten Figuren dieser Generation. 1956 geboren arbeitet er in Peking und spielt mit den natürlichen und künstlichen Komponenten, die von der Technik geboten werden und vernachlässigt dabei aber nie die Tradition, die er allerdings mit den zeitgenössischen Sprachen bereichert.

Einige Architekten beschränken sich nicht auf die einfache Beibehaltung eines traditionellen Stils, sondern kommunizieren mit den Merkmalen der westlichen Baukunst und erneuern sich dabei, wobei Formen und Inhalte kontaminiert werden. Andere Planer hingegen haben bezogen auf die Komposition die chinesische Bautradition und die ausländischen Einflüsse weniger gut im Griff. Viele der neuen Bauten enthalten ein kleines chinesisches Zitat ohne eigentliche Funktion, die nur ein Verweis auf den Stil der Vergangenheit ist.
Die Olympischen Sommerspiele von Peking 2008 und die Vorbereitungen für die Expo 2010 sind die Triebwerke einer wirtschaftlichen und gestalterischen Bewegung, die zur kompletten Sanierung der Stadt geführt hat - von der Stadtplanung hin zu den einzelnen Gebäuden.

Möglicherweise handelt es sich um den größten Prozess der städtischen Umgestaltung in diesen letzten Jahren und betrifft über 5 Quadratkilometer und erstreckt sich auf über 16 Millionen Einwohner, die bereits dort wohnen sowie diejenigen, die aus den angrenzenden Orten stammen und in die Großstadt ziehen werden. Shanghai ist in den letzten zehn Jahren um rund 14% pro Jahr gewachsen und jedes Jahr wurden Gebäude mit einer Fläche von 1.6 Mio. Quadratmetern abgerissen. Im Zentrum sind Zehntausende der Longtang Houses verschwunden, Wohnbauten, die sich durch eine Mischung des chinesischen mit dem westlichen Architekturstil auszeichneten, auch wenn sie im Grundriss, in einem sehr viel größeren Maßstab, eine Erweiterung des chinesischen Hofhauses darstellen mit Einflüssen, die aus den traditionellen Architekturtypen stammen, die auch heute noch in den Dörfern im Süden Chinas zu finden sind.
Die Bewohner wurden in monofunktionale Viertel umgesiedelt, die hygienischer sind und wo man unbedingt einen PKW braucht und wo sich die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens gezwungenermaßen ändern. Die Fahrräder sind auf solchen Entfernungen absolut überflüssig. Vor dem Bund, auf dem gegenüberliegenden Ufer des Huangpu, liegt Pudong. Dies bedeutet wörtlich "im Osten des Flusses Pu". Das Viertel ist die Seele des neuen Shanghai und erstreckt sich im Osten zum östlichen Chinesischen Meer, in einer bis vor wenigen Jahren noch sumpfigen Gegend, auf der Baracken standen und kein Gebäude über 2 Stockwerke hoch war. Hier wird das große Match ausgetragen, bei dem die Stadt von der Horizontalen in die Vertikale entwickelt wird, von einer Kolonialstadt zu einer modernen Stadt, wobei ohne Umschweife Tokio, New York, Los Angeles herausgefordert werden, also die Mythen der letzten 50 Jahre.

In Pudong steht das Jin Mao Building (nach einem Entwurf des amerikanischen Büros SOM), 420 Meter hoch, heute fast fertig gestellt und mit einem zentralen Atrium, das rund 300 Meter hoch ist und an eine Super-Pagode aus Glas erinnert.
Daneben steht der Oriental Pearl Tower, ein Wolkenkratzer der Telekommunikationen, Höhe 468 Meter, von dessen Plattform aus man die horizontale Ausdehnung der Stadt bewundern kann und in dessen "Blasen" ein Hotel untergebracht ist.
In Pudong sind die Straßen - anders als im Zentrum (Huangpu) - breit und sauber. Viele Gebäude sind von grünem Rasen (betreten verboten) umgeben und eines der offiziellen Ziele der Stadtverwaltung ist es, der Improvisation, wie Freiluftmärkten oder Street Food, die als Armutszeichen betrachtet werden, den Garaus zu machen: Shanghai muss sich als eine entwickelte Stadt präsentieren, nicht als eine Entwicklungsstadt

. Shanghai und Pudong bilden ein perfektes Beispiel, sichtbar und spürbar, wie die Weltwirtschaft die Urbanistik und das Leben der Menschen beeinflusst, wie die neue politische und wirtschaftliche Macht Chinas - deren Sinnbild einst das Land war - heute versucht, in den Städten vertreten zu sein. Die Urheber der Kulturrevolution liebten die Städte nicht, denn sie betrachteten sie als Stätten des Konsums, aber heute wird den Städten die Rolle als Produktionsstätte anerkannt. Pudong ist auch ein spektakuläres Museum der Stadtplanung des letzten Jahrhunderts, eine Reise durch alle Stile und alle Stereotypen unserer Zeit, erschreckend ob der Unordnung und des Reichtums an Beispielen: Wolkenkratzer, Einkaufszentren, Plätze, Parkplätze, Hotels. Jedes Bauwerk will eine Landmarke sein, die Fußgängereingänge und Fahrzeugeinfahrten folgen keinerlei Logik, die Bürgersteige sind mal breit, mal schmal, es gibt Tausende von Materialien, die Fenster haben unzählige Formen, die Namen sind ehrgeizig und die Straßen breit wie Autobahnen grenzen an Sackgassen. Bei all diesem überrascht nicht die Größe, sondern der symbolische Wert, den die Chinesen diesem beimessen: Der Fortschritt umfasst die Mythen wie Hochhäuser und Autobahnen, die wiederum die Mythen der Entfernung und der Schnelligkeit enthalten, in vertikaler und horizontaler Richtung. Die Autobahnen wollen hier nicht nur einfache Verbindungselemente sein, sondern wollen als Panorama-Terrassen fungieren. Ihre Viadukte bieten atemberaubende Ausblicke auf die niedrige Stadt der Longtang und nach oben auf die turmbewehrte Stadt, die das Panorama um 360 Grad bestimmt. Auf diesen Viadukten zu laufen, von denen sich einige im Herzen der Stadt befinden, ist eine einzigartige Erfahrung, denn sie sind so hoch, dass sie keinen Schatten werfen: Die Kinder spielen zwischen den Pylonen, die Alten betrachten sie. Komplizierte Fußwege gliedern sich in ihren Innereien, in ihnen parken die Busse und an den Kreuzungen gibt es große Bronzeskulpturen. Die kreisförmigen Rampen, die das Straßenniveau mit dem Viadukt verbinden, sind nicht steil, fast, als wollten sie möglichst viel Platz belegen. Dieser "Raum" dient oft als runder Platz, ein Denkmal für den Verkehr, auf das man stolz ist. Von Orten der Aktivität werden die Straßen heutzutage vor allem zu Durchgangsorten: Das ist die urbane Revolution, die in Shanghai stattfindet.

Die internationale Debatte zweifelt immer an der Qualität des laufenden Wandels, eine verlorene Gelegenheit, bei denen die außerordentlichen Potentiale und aufs Spiel gesetzte Energien qualitativ bessere Ergebnisse hätten hervorbringen können. Es stimmt aber auch, dass sich ein neues Bewusstsein breit macht, das aus Umweltschutz besteht, aus lokalen Identitäten, aus der Qualität der Arbeiten sowohl auf Gebietsebene als auch bei der Architektur; China hat bewiesen, die Politik der nachhaltigen Entwicklung anwenden zu wollen und einen Plan zur Verringerung des Energieverbrauchs verabschiedet.
Um mehr über Shanghai zu erfahren, wird der Band von Augusto Cagnardi empfohlen, "Ritorni da Shanghai", herausgegeben von Allemandi. Siebzig Reisen zwischen 2001 und 2007. Arbeitsreisen nach China, vor allem nach Shanghai, aber auch nach Peking, Hongkong, Dalian, Ningbo und Seoul und Intermezzos in Katar und anderen "technischen Aufenthalten". Es sind wertvolle Seiten, um sich mit den komplexen Dynamiken des beruflichen Austausches eines europäischen Architekten mit den Entscheidungsträgern des Modernisierungsprozesses des heutigen Chinas auseinander zu setzen. Die Projekte für eine neue Stadt mit 100.000 Einwohnern oder die Rückgewinnung einer "italienischen Stadt" vom Beginn des letzten Jahrhunderts, die auf chinesischem Gebiet überlebt hat, für den Ausbau der Finanz-Downtown von Pudong oder für ein modernes Gebäude in der Altstadt von Shanghai. Zu diesen Arbeiten kommen zahlreiche Termine bei Tagungen, Vorträge bei Konferenzen und Interviews mit Journalisten - alles Gelegenheiten um zu prüfen, wie die berufliche Herausforderung des Architekten untrennbar mit der kulturellen Neugier für das rätselhafte chinesische Universum verbunden ist. Diese Chroniken, die sich mit dem erzählerischen Rhythmus der Reisebücher darbieten, zeigen uns die schwierige Organisation der gestalterischen Arbeit, vor allem aber führen sie uns in den Kodex eines zeitgenössischen China ein, das gut in einer uralten Zivilisation verwurzelt ist.


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