26-03-2013

Design in Neapel: Vom Blech zum Kaffee

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“Die Herausforderung der neuen Unschuld”



Design in Neapel: Vom Blech zum Kaffee

“Die Herausforderung der neuen Unschuld”. Das ist das vorherrschende Gefühl, wenn man durch die Altstadt von Neapel schlendert, auf der Suche nach den alten und neuen Formen der Architektur und des Designs der Stadt, die heute mehr denn je ihre enge Verbundenheit mit dem Handwerk und der Vereinfachung der Formen behaupten muss.
Um das Neapel von heute zu erzählen, schlage ich vor, den Rundgang mit dem Besuch des Studios/Ateliers des Architekten Riccardo Dalisi zu beginnen, natürlich nach Terminabsprache. Es ist wirklich spannend, sich von Jemandem bezaubern zu lassen, der schon immer mit armen Materialien gearbeitet hat, mit Recycling und dem Abfall in einer Stadt, wo das Problem, welches die Stadt selbst in diesen letzten Jahre gequält hat, eben die Abfallentsorgung war. Arme Werkstoffe wie Pappmaché, gesammeltes Holz, unbehandeltes Eisen, Blech und Kupfer für ein ultra-armes Design, das von Wachstumsrücknahme und Nachhaltigkeit erzählt, den vorherrschenden Themen in unserem sozio-kulturellen Umfeld. Riccardo Dalisi hat Straßen-Werkstätten ins Leben gerufen und dabei Kinder und Jugendliche in eine “gemeinsame Gestaltung” involviert und eben aus diesen Gassen entsteht die neue Physiognomie von Neapel: Eine Hängebrücke zwischen Afrika und Europa, eine Stadt, durch die du durch musst, sowohl wenn du nach Norden als auch wenn du in den Süden willst und die hier auf ganzer Breite einen neuen geo-kulturellen Kontext zum Ausdruck bringt.
Dieses Konzept wird auch in der U-Bahn von Neapel behauptet, die eine echte “Metrò Tour” zwischen Architektur und Kunst anbietet. Die neueste, die letztes Jahr eröffnet wurde, ist die Haltestelle Università der Linie 1, entworfen vom Architekten Karim Rashid. Hier vermitteln die Räume die Ideen der simultanen Kommunikation, der Innovation, der Mobilität. Ein geschwungenes Design und H3D-Linsensystem. Salvator Rosa und Mater Dei wurden hingegen von Studio Mendini gestaltet. Das Projekt dieser letztgenannten Haltestelle hat auch zur Sanierung des darüber liegenden Platzes geführt, Scipione Ammirato. Dieser ist in eine Fußgängerzone umgestaltet und mit neuer Stadtmöblierung ausgestattet worden, darunter die Skulptur Carpe Diem oder die Keramik-Friese, die den externen Aufzug verkleiden. Die Architektin Gae Aulenti hingegen hat die Haltestellen Museo und Piazza Dante entworfen. Das Projekt von Piazza Dante hat auch die Urbanistik des gleichnamigen Platzes betroffen und dabei die Anlage aus dem 18. Jahrhundert respektiert, wohingegen im Inneren der U-Bahn die Arbeiten von Joseph Kosuth, Jannis Kounellis und Michelangelo Pistoletto mit seinem Werk Intermediterraneo zu sehen sind.


Und eben von der U-Bahn-Haltestelle Piazza Dante kann man innerhalb weniger Minuten drei verschiedene Hotels zu Fuß erreichen, jedes Hotel mit einer eigenen Identität. In der Via Correro 241 das erste Art Hotel von Neapel, Hotel Correra 241, das aus der Wiedergewinnung eines ehemaligen Industriegebäudes entstanden ist. Hinter einer Tuffsteinbank, von der ein alter griechisch-römischer Aquädukt ausgeht, ist der Innenraum voller sonniger Farben der eigentliche Hauptdarsteller.
Wer hingegen eine klarere Architektur und grafisches Zeichen bevorzugt, für den ist der ideale Aufenthaltsort das Hotel Piazza Bellini. Das Projekt stammt vom Architekturbüro OD'A aus Neapel, zu dem sich amüsante Papier- und Wandillustrationen von Alessandro Cocchia gesellen. Schön die Mischung zwischen einer Designer-Einrichtung der Gegenwart und den Innenräumen eines Adelspalais aus dem 16. Jahrhundert.
Letzte Empfehlung das Hotel Costantinopoli 104, das interessanterweise neben dem Hotel Piazza Bellini liegt und mit diesem Schnittpunkte hat. Es sind die Überraschungen einer faszinierenden Stadt wie Neapel, die in diesem Fall dem Gast die Möglichkeit bietet, in einer Villa des ausgehenden 20. Jahrhunderts zu übernachten, die man durch eine winzige Tür erreicht, um sich in einem versteckten Garten mit einem kleinen Schwimmbad wiederzufinden.

Und das leibliche Wohl? Die Altstadt von Neapel bietet eine Vielzahl von echten „Friggitorie“ (Läden, die frittierte Gerichte anbieten) und Konditoreien, unter denen ich Scaturchio in Piazza San Domenico Maggiore erwähnen möchte, die seit 1905 ihren Kunden die süßen neapolitanischen Spezialitäten anbietet. Ein besonderer Ort zum Abendessen ist die „Stanza del Gusto“, ein kreatives “Zimmer” voller Design-Objekte und absolut abgestimmt auf den “Geschmack” des Menüs. Es werden Gerichte und Spezialitäten der Küche der Region Kampanien angeboten, alle nach dem Null-Kilometer-Prinzip.
Und um im Einklang mit einer Route zu bleiben, die denjenigen gewidmet ist, die die Ressourcen schonen und wieder verwenden, möchte ich – auch wenn er sich außerhalb der Altstadt befindet - den Spazio Amaltea empfehlen. Hier werden Blumen und Design-Objekte geschaffen, die eine Synthese zwischen der Blumentradition Neapels und der Innovation der Werkstoffe darstellen. Die Arbeiten werden anhand der Verwendung von 1600 Formen, Stanzen und Stangen aus dem letzten Jahrhundert angefertigt. Zum Verkauf werden auch wunderschöne Kreationen von jungen Architekten und Designern aus Neapel angeboten, die mit der Keramik von Capodimonte arbeiten.
Als Gegengewicht zur Route ist ein Besuch im Museum Plart angezeigt, das Forschungszentrum, das der Kunststoffgestaltung gewidmet ist und das im Kunststoff den musealen Wert und nicht nur den Müll erkannt hat, der die Stadt erstickt.


Cintya Concari


Studio Dalisi
Calata San Francesco 59
Für Termine: studiodalisi@libero.it

Metro Tour
Haltestelle Museo – Linie 1

Hotel Correra 241
Via Correra 241

Hotel Piazza Bellini
Via Santa Maria di Costantinopoli 101

Hotel Costantinopoli 104
Via Santa Maria di Costantinopoli 104

Pasticceria Scaturchio
Piazza San Domenico Maggiore 19

La Stanza del Gusto
Via Costantinopoli 100

Amaltea
Via Solimena 92

Museum Plart
Via Giuseppe Martucci 48
 


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