22-04-2016

Der Nachlass von Zaha Hadid

Rom, London, Mailand,

Sport & Wellness, Museen,

Design,

Mitten aus dem Berufsleben gerissen, war Zaha Hadid die bekannteste Architektin der Welt. Wir geben hier einen Überblick ihrer Laufbahn auf der Suche nach ihrem formalen und materiellen Nachlass. Vom Vitra Feuerwehrhaus zum Aquatics Center von London, vom MAXXI in Rom bis zum im Bau befindlichen Hadid-Turm für City Life in Mailand.



Der Nachlass von Zaha Hadid

Zaha Hadid verlässt schon früh ihren Geburtsort Bagdad, wo sie 1950 das Licht der Welt erblickte, um eine vielversprechende Architektin zu werden, die in Großbritannien lebte aber eine Weltbürgerin war. Die Architektur von Zaha Hadid geht durch alle Bereiche. Wenn man ihr Werk betrachtet, so hat man das Gefühlt, dass ihre Architektur von allen in dieser Welt gesehen wird und dass es sich dabei um eine Geste handelt, die Staunen auslöst und sich so komplett anders als der Kontext präsentiert.

Außer einzelnen Episoden, vom Aquatics Center in London für die Olympischen Sommerspiele 2012 hin zum Issam Fares Institute for Public Policy in Beirut, vom MMM Messner Mount Museum auf dem Kronplatz bis hin zum Dongdaemun Design Plaza in Seoul: Zaha Hadid hat eine Sprache erfunden, die die Ebenen und Achsen der Symmetrie zugunsten parametrischer Oberflächen aufhebt, die den Raum erkunden und dessen traditionelle Einschränkungen überwinden. Ein epochaler Fortschritt in der Architekturgeschichte.

Beim Feuerwehrhaus bei Vitra in Weil am Rhein, Deutschland, das zu Beginn der 1990er Jahre entworfen wurde, gibt es noch gerade Mauern, die vom Zaha Hadid aber nicht zur Abgrenzung des Raums und zu dessen Definition und Beschreibung verwendet werden, sondern eher um die Räume auf der Suche nach einer neuen Definition der Beziehung zwischen Architektur und Innenraum aufzuschneiden. Die gezeichneten Linien schließen sich nicht, wie man es von einem Bauwerk erwartet, sondern öffnen sich breit und scheinen die Außenwelt umarmen zu wollen. Jegliches Gefühl der Stabilität wird hier verneint, die gesamte Konstruktion vermittelt ein Gefühl der Vorläufigkeit und des Wunschs nach Bewegung.

Es handelt sich hier um einen Ausdruck, der das Gefühl unserer Zeit bezeugt und dieses auch aufwertet. Dieses Gebäude, das immer als Beispiel der Poetik ihrer jungen Jahre zitiert wird, enthält in sich bereits die Grundsätze einer gestalterischen Unvoreingenommenheit, die man in den kommenden Jahren wiederfindet, wie im Eli & Edy The Broad Art Museum, wo sich der von den geraden Linien skizzierte Raum sich in kurvige und fluide Wege verwandelt, wie beim Library and Learning Centre der Wirtschaftsuniversität von Wien oder beim MAXXI in Rom.

Das MAXXI ist das erste italienische Werk von Zaha Hadid. Die Baustelle wurde 2003 eröffnet und im Jahr 2009 beendet. Das Museum entspringt einem vom Ministerium für Kulturgüter im Jahr 1998 ausgeschriebenen Wettbewerb. Zaha Hadid hat hier einen weichen Baukörper aus Beton geschaffen, der kurvig und faszinierend zum Betreten einlädt und wo man die Grenzen zwischen Oben und Unten, zwischen Wänden und Decken verlieren kann.

Diese großartige Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit dem Betonhersteller ausgeführt, der einen 3SC-Beton (self compacting, self compressing, self curing concrete) für eine gleichförmige, fehlerfreie und vor allen Dingen fugenlosen Verkleidung zwischen den Blöcken liefert. Dies verleiht der beeindruckenden Architektur mit ihren weiten Kurven nach einem Entwurf von Zaha Hadd noch mehr Wert. Von diesem Zeitpunkt an wird der Beton mit seinen zahlreichen formalen Entwicklungen zum besonderen Kennzeichen ihrer Projekte, von den Nordkettenbahnen hin zu Pierresvives in Montpellier.

Als bestes Beispiel können wir das berühmteHeydar Aliyev Center in Baku erwähnen. Hier räumt die Architektur mit der Vergangenheit und mit dem Kontext auf – nämlich mit dem sowjetischen Baustil, von dem das Volk sich befreien möchte - um eine junge Nation in ein urbanes pro-westliches städtisches Szenario zu projizieren. Unter den unvollendeten Werken des Nachlasses von Zaha Hadid gibt es in Italien den sich im Bau befindlichen Turm für die Versicherungsgesellschaft Generali, der ihren Namen in das neue Stadtviertel City Life von Mailand bringt. In der Umgangssprache als “Lo Storto” (der schiefe Turm) (zusammen mit “Il Dritto&rdquo ;(dem geraden Turm) von Isozaki und “il Curvo” (dem krummen Turm) von Libeskind) bezeichnet, handelt es sich um eine Struktur, die sich auf 170 Metern um sich selbst dreht und auch Mailand in das architektonische Panorama mit einem westlichen und globalen Antlitz katapultiert.

Mara Corradi


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