23-02-2010

David Chipperfield und das Image der Justiz

David Chipperfield,

Christian Richters,

Barcelona, Spanien,

Glas,

In Barcelona zerstückelt die von David Chipperfield geplante neue Justizstadt die Dimension des großen Grundstücks in eine Reihe separater Gebäude, die auf einen Platz blicken, der den Besucherstrom dirigiert. Die rhythmische Anordnung der Fenster in der Fassade wird hier zu einer funktionalen Dekoration, die die Wirkung nach außen erleichtern soll und den Innenräumen Helligkeit verleiht.



David Chipperfield und das Image der Justiz

Der englische Architekt, der kurzlich fur die Restaurierung des Neuen Museums auf der Museumsinsel in Berlin gefeiert wurde, hat 2009 auch ein weiteres wichtiges stadtisches Projekt beendet: Den Bau der Justizanlage von Barcelona und L‘Hospitalet de Llobregat. Bis vor Kurzem waren die Burger der beiden Stadte gezwungen, sich an unterschiedliche Sitze zu wenden, die zwischen den beiden Zentren verteilt und logistisch schlecht in 17 Gebauden organisiert waren. Nach dem Sieg beim Einladungswettbewerb von 2002 hatte Chipperfield die Aufgabe, eine regelrechte Justizstadt auf einer 288.000 Quadratmeter gro?en Flache zu errichten, die sich an der Grenze zwischen den beiden Zentren befindet und mit offentlichen und privaten Verkehrsmitteln sehr gut zuganglich ist, da das Grundstuck sowohl an die Gran Via – die gro?te Zufahrtsstra?e von Suden zur Stadtmitte von Barcelona - als auch an die Carrilet angebunden ist, die gro?e Stra?e, die nach L'Hospitalet fuhrt. In einer solch strategischen Position gelegen, musste das neue Justizzentrum ein Image haben, das auf der einen Seite seiner institutionellen Bedeutung angemessen ist und auf der anderen Seite auch der symbolischen Rolle, die es in der Architektur der Stadt einnimmt.

An einem Grundstuck arbeitend, auf dem sich einst eine Kaserne befand, entfernt sich das Projekt vom Konzept der Zitadelle als Festung und Vorbote, um sich hingegen auf die beiden stadtischen Realitaten hin zu offnen und ein Grundstuck mit einer Reihe von autonomen Gebauden zu werden: Acht Turme, die auf einen offentlichen Platz blicken, der der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Komposition ist. Der Grundriss von Chipperfield ist extrem klar und die Verteilung ist unmittelbar zu verstehen fur denjenigen, der zu den Justizabteilungen gehen muss: Jedes Volumen ist vom anderen unabhangig und die Anlage wird vom Gleichgewicht zwischen Voll und Leer regiert.
Ort des stadtischen Empfangs leitet der Platz den Besucherstrom zu einem niedrigeren Bau mit freiem Grundriss, der mit einer Gruppe von 4 Hochhausern in Verbindung setzt: In ihrem Inneren befinden sich die Aulen, sowohl im Erdgeschoss als auch in den drei folgenden Stockwerken und diese sind direkt vom Zentralbau aus zuganglich, der als Filter zur Stadt fungiert. Bei dieser Konstruktion handelt es sich um eine Art gro?es Atrium auf 4 Etagen, das sich durch zylindrische Saulen auszeichnet, die die vorgebauten Decken tragen und ist mit seinen durchgehenden verglasten Wanden mit einem Gitterschirm vollkommen nach Au?en geoffnet. Diese Entscheidung kann im Kontrast zum massiven Aussehen der 8 umliegenden Gebaude erscheinen, die alle einen rechteckigen Grundriss haben und das Aussehen perfekter Parallelepipede ohne jegliche Variation vom Boden bis zum letzten Stock. In Wirklichkeit weisen die tragenden Fassaden aus Stahlbeton einen engen Rhythmus hoher und schmaler Fenster auf, die deren monolithisches Aussehen auflockern: Aus der Nahe erleichtert dieses Gleichgewicht aus geschlossener Wand und Offnungen den Eindruck des geometrischen und strengen Volumens, wahrend die Oberflachen von Weitem sogar dekoriert zu sein scheinen. Teil der Verzierung ist auch die leicht abweichende Pigmentierung des Zements der Fassade eines jeden Gebaudes: Dies ist kein hervorstechendes Kennzeichen, aber die farbliche Unterscheidung betont die Differenzierung der Zustandigkeiten und Zwecke eines jeden Hochhauses.
Obwohl das Muster der Fenster den Innenraume Strenge verleiht, so sind diese doch extrem hell, was auch dem Boden aus hellen Zement-Terrazzoplatten zu verdanken ist.
von Mara Corradi

Projekt: David Chipperfield Architects, Fermin Vazquez -b720 Arquitectos
Auftraggeber: GISA, Departament de Justicia (Generalitat de Catalunya)
Ort: Barcelona und L’Hospitalet de Llobregat (Spanien)
Tragwerksplanung: Brufau, Obiol, Moya i Associats / Jane Wernick Associates
Serviceplanung: Grupo JG Ingenieros Consultores / Arup
Fassadenberatung: Biosca & Botey / Estudio Marshall
Bruttogrundflache: 241.520 m2
Grundstucksgro?e: 288.700 m2
Wettbewerb: 2002-erster Preis
Beginn der Bauarbeiten: 2004
Ende der Bauarbeiten: 2009
Tragende Fassaden aus Stahlbeton und Glas
Fu?boden aus wei?en Zement-Terrazzoplatten
Fotografie: © Christian Richters

www.davidchipperfield.co.uk


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