24-03-2010

Verkleidungen ohne Richtung

Paolo Schianchi,

Feinsteinzeug,

EiffelGres, Facciate Ventilate, Pareti Ventilate, Granitech, Pavimenti Sopraelevati, GranitiFiandre,

Die Oberflächen – architektonische Elemente, die banal als horizontal und vertikal gedacht werden – spielen in der Geschichte der Wahrnehmung eine wichtige Rolle, da sie die Architektur bedecken und deren räumliche Wahrnehmung steigern.



Verkleidungen ohne Richtung

Das theatralische Aussehen der gefeierten zeitgenossischen Architektur versucht, die beiden kartesischen Richtungen, die Horizontale und die Vertikale, zu eliminieren und die Stadt mit hybriden Objekten zwischen Architektur und Design zu fullen, die konzipiert zu sein scheinen, um mehr die reprasentative Ideologie als die Beziehung mit dem Menschen zum Exzess zu treiben. Diese beiden Aspekte der Gestaltung – Mensch und raumliche Orientierung – haben eine gemeinsame Wurzel in der westlichen Kultur, die auch anhand der Evolution der perspektivischen Forschung zu erkennen ist. Um uns weiter mit diesem Gedanken zu beschaftigen, betrachten wir zwei Extreme, die zeitlich und bezogen auf die Darstellungsweise sehr weit voneinander entfernt sind, um zu verstehen, wie der gestalterische Einsatz der Horizontalen und der Vertikalen das Ergebnis der gleichen Forschung bezogen auf die raumliche Darstellung sind: Das Abendessen von Emmaus von Caravaggio und die 3D-Szenen des Films Avatar. Der Kunstler des 17. Jahrhunderts malt die Figuren eingetaucht in ein Helldunkel, das jede raumliche Richtung aufhebt. Wenn da nicht das Wei? der Tischdecke und die ausgebreiteten Arme des Apostels zur Linken Jesus waren, die eben diesen so kunstlichen Raum markieren, messen und steuern, wurde man die Orientierung verlieren. In dem Film und Kassenschlager hat man dank des Einsatzes der Technologie das Gefuhl, sich in einem richtungsfreien Raum zu bewegen, dem Planeten Pandora, wobei jedes perspektivische Gesetz aufgehoben und von einer Horizontalitat zu einer Vertikalitat gesprungen wird, die von dem 3D-Effekt verfremdet sind. Die beiden optischen Darstellungen des Raumes, auch wenn sie 400 Jahre auseinander liegen, haben die Untersuchungen uber die Wahrnehmung des Betrachters gemeinsam. Im ersten Fall ist es – als Bezugspunkt des klassischen Gedankens – der Mensch, der den Raum misst und darstellt, im zweiten als Sinneskorper erfahrt der Mensch den Raum und passt sich diesem an. Auf die gleiche Weise gibt es in der Architekturgeschichte zahlreiche Beispiele, die die selben Grundsatze anlegen, wenn man an die Fassade aus dem 18. Jahrhunderts des Doms von Ragusa denkt, entworfen von Rosario Gagliardi, und seiner visuellen und fast ausschlie?lich vertikalen Verschmelzung mit der Stadt, wobei die horizontale Wahrnehmung aufgegeben wird. Oder das Museum fur die Kunst des XXI. Jahrhunderts Maxxi aus der Hand von Zaha Hadid, wo Form und Richtung sich in einem buhnenwirksamen desorientierenden Raum verlieren.

Wieder teilt sich die Arbeit uber die Wahrnehmung des Betrachters zwischen dem Gedanken kartesischer Pragung, wo es die Elemente der klassischen Architektur selbst sind, die eine raumliche Vision bevorzugen verglichen mit der anderen und sinnesorganbezogenen, die aus der zeitgenossischen Kritik am Konzept des Ortes stammt, der mit dem historischen Territorium verwurzelt ist. Die Oberflachen haben in dieser Dualitat der Wahrnehmung eine positive Stellung, da sie die Architektur umhullen und dem Planer bei der Definition der Wahrnehmung helfen. Als Hulle eines Gebaudes muss eine Verkleidung der theoretischen Entwicklung des visuellen Projekts folgen und dessen Leistungen verstarken. Nicht zufallig versuchen sie, diversifizierte Antworten zu geben, um den einen oder den anderen gestalterischen Ansatz zu unterstutzen. Es wird dabei die Anwendung des einzelnen Planers sein, dieser eine perspektivische Bedeutung zu verleihen und sie zum wichtigsten Nebendarsteller der Gegenwartsarchitektur zu machen. Einige Beispiele helfen bei Verstehen der Rolle, welche die Keramikmodule in diesem Kontext der Forschung zur raumlichen Wahrnehmung spielen.

Die unendliche perspektivische Vision kann man heute anhand der Verwendung der Maxiplatten erzielen, wie bei der Serie 100 von Fiandre im Format 75X75 cm, das der Verkleidung freien Ausdruck lasst und mit der optischen Kontinuitat des Raumes und der Farbe spielt, erleichtert durch das Muster mit den Mikro-Reliefs mit gebursteter Wirkung. Ein Material, dem es gelingt, optisch das Ideal der Dreidimensionalitat auszudrucken, indem es seinen Glanz je nach Blickwinkel variiert.
Es gibt auch keramische Oberflachen, die in der Lage sind, die optische Orientierung allein anhand des Lichteinfalls zu variieren, wie bei der Linie Sensible von Eiffelgres. Ein Verkleidungsmodul, das beide Wahrnehmungsrichtungen erfullt, die klassische und die sinnesbezogene, und zwar anhand des Lichteinfalls und des Blickwinkels. Diese Verkleidung zeigt oder verhullt ihre Mikrorillentexture und materialisiert oder entmaterialisiert deren Prasenz je nach Beobachtung und Licht. Diese Wirkung ist das Resultat einer sorgfaltigen Gestaltung, die den Planern helfen konnen, endgultig den architektonischen Ansatz in der Horizontalen, in der Vertikalen oder hybrid zu uberwinden. Wenn es der zeitgenossischen Architektur gelungen ist, die Wahrnehmung des Betrachters zu andern, dann ist dies auch der Montagetechnik zu verdanken, die die Struktur leichter macht und dem Planer die Interpretationsfreiheit lasst bei der Anwendung der Keramikmodule auf flexiblen Strukturen, wie bei den hinterlufteten Fassaden und den Doppelboden von Granitech.
Eine Flexibilitat in der Konstruktion, die Schluss macht mit der Vertikalitat und Horizontalitat um neuen Interpretationen Platz zu lassen mit Hilfe der technischen Untersuchung des Beobachtungspunkts.
Die Gegenwartsarchitektur ist abschlie?end gesagt die Verflechtung von der Forschung der visuellen Wahrnehmung des Raumes, wobei je nach gestalterischen Entscheidungen orientiert oder desorientiert wird, aber in einer geschichtlichen Kontinuitat mit dem Menschen und mit der Materie.
von Paolo Schianchi

Feinsteinzeug fur Fu?boden und Verkleidungen - Fiandre
Fu?boden und Verkleidungen aus technischem Feinsteinzeug - Eiffelgres
Doppelboden und hinterluftete Fassaden fur Bauwesen und Architektur - Granitech


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