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Bjarke Ingels - BIG


Biografie

Bjarke Ingels started BIG-Bjarke Ingels Group in 2005 after co-founding PLOT Architects in 2001 and working at OMA in Rotterdam. Through a series of award-winning design projects and buildings, Bjarke Ingels has created an international reputation as a member of a new generation of architects that combine shrewd analysis, playful experimentation, social responsibility and humour. In 2004 he was awarded the Golden Lion at the Venice Biennale for the Stavanger Concert House, and the following year he received the Forum AID Award for the VM Houses. Since its completion, The Mountain has received numerous awards including the World Architecture Festival Housing Award, Forum Aid Award and the MIPIM Residential Development Award. Recently, Bjarke was rated as one of the 100 most creative people in business by New York based Fast Company magazine.
Alongside his architectural practice, Bjarke has been active as a Visiting Professor at Rice University’s School of Architecture and Columbia University’s Graduate School of Architecture, Planning and Preservation. Bjarke was recently a Visiting Professor at Harvard University where he taught a joint studio with the Business School and the Graduate School of Design.


BIG CPH
Nørrebrogade 66D, 2nd floor
2200 Copenhagen N
Denmark

www.big.dk

Interview

Meine erste Frage handelt von der Stadt, in der Sie leben. Wie sehen Sie Kopenhagen?

BJARKE INGELS.  Wenn ich an Kopenhagen denke, dann denke ich an Nachhaltigkeit, insbesondere wie Technologie nicht notwendigerweise zu einer Verschlechterung der Lebensqualität führen muss, sondern  diese im Gegenteil verbessern kann. Nachhaltigkeit wird oft mit Opfern verbunden, im Sinne eines teilweisen Verzichts auf Lebensqualität, um nachhaltig zu sein.  Trotzdem bin ich der Ansicht, dass es in Kopenhagen verschiedene Beispiele dafür gibt, wie Nachhaltigkeit in Wirklichkeit die Lebensqualität verbessern kann. In Kopenhagen benutzen 37% der Bevölkerung das Fahrrad, wir verlieren also keine Zeit in irgendwelchen Staus oder bei der Suche nach einem Parkplatz. Die Menschen können sich in der Stadt frei bewegen. Das Wasser im Hafen von Kopenhagen ist mittlerweile so sauber, dass man dort baden kann. Das ist die Art von Einstellung, die wir in einigen unseren Werken übernommen haben: Wir haben ein Gebäude mit Parkplätzen entworfen und ein Gebäude mit Wohnungen, wo der Parkplatz einen künstlichen Berg bildet und wo alle Wohnungen zu Häusern mit Gärten auf einem nach Süden ausgerichteten Hang werden. So hat man eine Aussicht wie von einem Penthouse und kann dabei einen Garten nutzen, in dem man rennen und spielen kann. Und in einem unserer neueren Projekte haben wir ein Viertel mit Stadthäusern genommen, die vorne einen kleinen Garten hatten und haben das Stadtviertel so geplant, dass man zu Fuß oder mit dem Rad vom Garten zum Penthouse gelangen kann. Das Resultat ist eine Art dreidimensionale Situation, wo der soziale Raum in den vertikalen Teil der Stadt eindringt.

Derzeit haben Sie ein anderes wichtiges Projekt in Kopenhagen laufen, die "Waste-to-energy-Anlage" von Amager Bakke. Das ist eine große Herausforderung für die Stadt und ihre Nachhaltigkeit.

BJARKE INGELS.  Die zentrale Idee stellt das endgültige Beispiel der Nachhaltigkeit dar: Anstatt den Müll in Deponien zu entsorgen, recyceln wir 42% des Abfalls und verbrennen 54% dieser Abfälle, um Wärme und Strom zu erzeugen. In der Tat verbrauchen 97% der Wohnungen von Kopenhagen keine Energie für die Heizung, auch wenn die Temperaturen sehr niedrig sein können, da sie die Heizwärme aus derjenigen erhalten, die im Überschuss vom Kraftwerk erzeugt wird. Dieses Projekt ist von großer Reichweite und steht im Zentrum, in der Nähe des Hafens. Wir haben auch vorgeschlagen, auf dem Dach eine Skipiste zu schaffen, denn wir haben hier viel Schnee, aber das Land ist vollkommen flach. Wir könnten das Dach in einen künstlichen Skihang verwandeln. Im Winter könnten die Leute dann den Aufzug nehmen, um auf das Dach der Müllverbrennungsanlage zu fahren und um dann die Abfahrt nach unten auf Ski zu genießen.

Es handelt sich um ein gutes Beispiel für die Kombination von öffentlichem Raum und städtischem Dienst. Wie wurde das Projekt von den Bürgern aufgenommen?

BJARKE INGELS.  Normalerweise, wenn man vorhat, ein Stromkraftwerk im Stadtzentrum zu errichten,  erwartet man unendliche Beschwerden: Die Leute wollen nicht neben einem Elektrizitätswerk wohnen. In diesem Fall aber haben wir zahlreiche Mails erhalten von Leuten, die uns gefragt haben, wann das Projekt endlich fertig ist, denn sie wollten unbedingt Ski fahren!

Vor Kurzem haben Sie einen weiteren wichtigen internationalen Wettbewerb gewonnen für den Bau einer neuen, 27.000 m² großen Kulturanlage in Albanien. Was können Sie uns zu diesem Projekt sagen?

BJARKE INGELS.  Es handelt sich um eine Kulturanlage. Wie Sie wahrscheinlich wissen werden, herrschen in Tirana derzeit Spannungen aufgrund der näher rückenden Wahlen und wir sind deshalb neugierig, wie sich die Dinge entwickeln werden. Das Projekt betrifft eine Anlage mit einem Museum der religiösen Harmonie, ein Zentrum für Islamwissenschaft und eine Moschee. Die Grundidee ist es, das öffentliche Leben mit dem religiösen Raum zu integrieren, um auch die Religion in die Stadt zu integrieren. Wir sind mehrere Male nach Tirana gekommen, um das Projekt zu begutachten, immer an Wochenenden, Freitags und an Feiertagen. Zu diesen Anlässen haben wir festgestellt, dass die jetzige Moschee zu klein ist und viele Gläubige draußen bleiben, um zu beten, auf der Straße. Unsere Absicht ist, das Stadtraster von Tirana mit der Ausrichtung nach Mekka zu verknüpfen. Im Erdgeschoss sind alle drei Gebäude nach Mekka hin ausgerichtet, um einen Platz vor der Moschee zu schaffen, während das Gebäude auf der Dachebene dem Raster der städtischen Straßen und Mauern folgt. Die Idee ist es, diese beiden Richtungen zu benutzen, um einen externen und halb überdachten Platz zu schaffen, indem die Moschee also praktisch nach Außen fortgesetzt wird, zur Straße hin. Dabei werden aber auch die Straße und der öffentliche Raum in die Moschee eingeladen, was eine Art Überlappung schafft, halb Innen und halb Außen, halb Moschee und halb Tirana.

Sie involvieren immer die Stadt in Ihre Projekte und beschäftigen sich normalerweise mit sozialen Projekten. Welches ist Ihrer Meinung nach die Beziehung zwischen Architektur und Politik?

BJARKE INGELS.  Ich bin der Ansicht, dass Politik darin besteht, die Anfragen, die Wünsche und die Sorgen der Bürger anzuhören und diese gemeinschaftlichen Bedürfnisse anhand der Repräsentanz in Wirklichkeit zu verwandeln; auf ähnliche Weise, wenn auch etwas verschleierter, besteht Architektur aus den Antworten auf die Anforderungen und Sorgen der Bürger. Als Architekten setzen wir uns ständig dafür ein, die kollektive Anstrengung zu koordinieren, die darauf zielt sicherzustellen, dass unsere Städte und unsere Gebäude geeignet sind, um so zu leben, wie wir es wünschen und dies sollten – in einer idealen Welt – auch die Politiker machen.

Denken Sie, dass die Architektur ein Werbemittel für die Politik ist, oder dass die Politik ein Mittel für die Architekten ist, um in einer Stadt etwas Wichtiges zu erreichen? 

BJARKE INGELS.  Ich denke, dass beide dieser Behauptungen wahrscheinlich wahr sind: Ein Architekturprojekt kann manchmal einen Werbeeffekt haben aber auch wir als Architekten dürfen uns von der Politik involvieren lassen, denn die Politik formt in gewisser Weise die Wirklichkeit, in der wir arbeiten. In Italien beispielsweise ist es seltsam, wenn man den Fall von Stefano Boeri betrachtet, dem Organisator von Festarch und Redakteur von Abitare, der einst ein an Politik interessierter Architekt war und heute wahrscheinlich ein an Architektur interessierter Politiker ist. Merkwürdigerweise ist das ein wenig so, als hätte man die gleiche Sorge, ständig das Leben der Personen zu verbessern und dieses anhand der Gesetzgebung anstatt mit der Gestaltung zu machen und glücklicherweise können wir weiterhin beides tun.

Das ist eher schwierig, kann ich mir vorstellen. Was empfinden Sie, wenn man Sie als das “Enfant terrible” des Designs und der Architektur bezeichnet?

BJARKE INGELS.  Also davon weiß ich eigentlich nichts! Trotzdem denke ich, dass ich mir vom Beginn meiner Karriere an bewusst war, mehr an der Gesellschaft interessiert zu sein als an der isolierten Betrachtung der Architektur. Anstatt die Architektur als eine autonome Kunstform zu betrachten, die vom Rest der Welt abgehoben ist, glaube ich, dass die Rolle der Architektur und der Architekten die komplette Einbeziehung mit dem Rest der Gesellschaft vorsehen muss. Daraus folgt, dass unsere Projekte manchmal mehr die Leute betreffen, die keine Architekten sind, denn diese schaffen Möglichkeiten, die sich in gewisser Weise in den Alltag einfügen. Im dänischen Pavillon in Shanghai gab es beispielsweise ein Wasserbecken. Die Idee war es, eine aktive Architektur zu schaffen, wo man laufen und mit dem Rad durch den Pavillon und die Ausstellungen fahren und seine Füße in das Schwimmbecken in der Mitte hängen kann. Es gibt dort eine sozial provokante Theke, die verschiedene Formen der Interaktion mit dem Pavillon fördert. Es gibt dort ein Manufakt in Brunnenform, das fast zu einem Kinderspielplatz wird. Es handelt sich also in vielerlei Hinsicht um eine Architektur, die nicht nur versucht, schön oder poetisch zu wirken, sondern die wirklich Möglichkeiten schafft. Jemand könnte einwerfen, dass die Schaffung eines Skihangs auf einem Kraftwerk nichts mit Architektur zu tun hat, aber es ist in gewisser Hinsicht die Architektur der Organisation aller Aspekte des menschlichen Lebens in neuen Mischungen. Eine Art Wahrzeichen der humanistischen Nachhaltigkeit, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig, weil hier Abfall in Energie verwandelt wird, aber auch gesellschaftlich nachhaltig durch die Umgestaltung eines Kraftwerks in einen öffentlichen Park.

Interview von Flores Zanchi

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