09-12-2014

Alberto Campo Baeza

Paolo Schianchi, Alberto Campo Baeza,

Essen,

Museen, Housing,

Stein, Glas,

Intervista, Sustainable Architecture,

Nach seinem Beitrag zum Buch “Architecture on the web. A critical approach to communication&rdquo, herausgegeben von Paolo Schianchi, hat Alberto Campo Baeza Floornature ein Interview gegeben, in dem er seine Überlegungen zur Kommunikation der Architektur erläutert und dabei die Bedeutung unterstreicht, welche die Fotografien, Zeichnungen und Texte heute haben. Er spricht über Radikalismus und Drastik bei der Gestaltung des Raums und erklärt – unter Bezugnahme auf sein House of the Infinite – weshalb Architektur der schönste Beruf der Welt ist.



Alberto Campo Baeza

von Mara Corradi

Wie ändert sich Ihrer Meinung nach die architektonische Botschaft in Funktion der Kommunikationsmittel, mit denen sie verbreitet wird?

Ich glaube, wir können uns als glücklich betrachten, dass wir in dieser Zeit und in dieser Welt leben. Im dritten Jahrtausend zu leben, das ist ein Privileg.
Auch die Kommunikationsmittel sind ausgezeichnet. Aber die Botschaft, die Idee an sich, die ändert sich nicht, so wie auch die Architektur sich nicht verändert. Es haben sich nur die Mittel zur Verbreitung der Botschaft geändert.
Palladio übermittelte seine Botschaften anhand von Kupferstichen. Wir benutzen die Fotografie und die Zeichnung. Die Verbreitung mit den neuen Mitteln ist so effizient, dass man vorsichtig sein und diese ein wenig filtern müsste.
Es gibt einige oberflächliche und frivole Architekten, die sehr geschickt mit den Informationsmitteln umgehen und diese benutzen um uns glauben zu lassen, dass sie die “neue Architektur” vertreten – so als sei dies der Anker zur Rettung unserer Welt, auch wenn das aber nicht der Wahrheit entspricht.
Andere Architekten von hohem Niveau und Rang hingegen verstehen es nicht, diese neuen Mittel richtig zu nutzen und schaffen es von daher nicht, zu kommunizieren oder sie machen das nicht auf die beste Art und Weise.
In Spanien gibt es Sprichwort, das geht ungefähr so: guten Garn erkennt man auch, ohne die Fäden zu ziehen. Heute könnte man sagen: wenn man den guten Garn nicht zeigt, dann kommen die Motten.
Eine mittelmäßige Architektur zu kommunizieren und diese als “exzellent” darzustellen, ist reine Scheinheiligkeit. Aber eine gute Architektur so schlecht zu kommunizieren, dass sie “schlecht” wirkt, das ist wirklich dumm.
Man muss die Sachen gut machen, aber auch gut kommunizieren.

Wer fotografiert, wer schreibt oder wer Videos über Architektur macht, der übersetzt ja eigentlich bzw. erklärt den gebauten Raum. Wie verwenden Sie die Kommunikationsmittel, um Ihre Architektur zu “interpretieren”?

Ich brauche die Kommunikationsmittel, um meine Botschaft zu übermitteln. Ich habe nie gefragt, meine Arbeiten oder meine Schriften zu veröffentlichen. Ich habe das Material immer nur dann geschickt, wenn man es angefordert hat. Wenn ich ja sagen, dann strenge ich mich auch richtig an: ich bereite das bestmögliche Material vor und schicke es rechtzeitig.
Man muss in der Lage sein, mit Skizzen, Grundrissen, Plastiken und Fotografien die Projekte zu vermitteln. Um die Transparenz des Glaskastens des Projekts von Zamora zu vermitteln, habe ich die Zusammenarbeit mit einem ausgezeichneten Fotografen wie Javier Callejas gesucht, der mit seinen wunderschönen Aufnahmen diese Idee perfekt umgesetzt hat.
Das gleiche passiert mit den Texten, die klar die Absicht der Projekte erzählen müssen. Wenn ein Architekt vernünftige Architekturen realisiert, dann muss er jene Begründungen auch klar schriftlich ausdrücken können.


Eines Ihrer Lieblingskonzepte ist das Konzept des Raums: Sie wählen die Einfarbigkeit, wie in Zamora oder beim Museum der andalusischen Erinnerung in Granada und lassen das Licht eindringen, um die Einfarbigkeit zu beschreiben. Welche Idee liegt dieser Vision der nackten bzw. enthüllten Architektur zu Grunde, um einen von Ihnen gern gebrauchten Ausdruck zu benutzen?

Wie könnte ein Architekt nicht den Raum suchen, diesen nicht schaffen und bauen, um den Menschen dessen Nutzung zu ermöglichen? So etwas kann nur die Architektur machen.
Was die Einfarbigkeit betrifft, so ist das hingegen eine Frage der Präzision und der Drastik. Für mich war die beste Konfrontation mit der Kathedrale von Zamora deren Kollokation vor einem Steinvolumen, aus dem gleichen Stein, der auch in der Kathedrale benutzt wurde. Dann, im Inneren, ein Glaskasten. Diese Einfarbigkeit trägt zur Drastik bei. Ich bin davon überzeugt, dass Architektur radikal sein muss. Die Stimme der Architektur ist sehr mächtig. Beim MA von Granada habe ich beschlossen, dass die ausschließliche Verwendung der Farbe Weiß die räumlichen Merkmale des ellipsenförmigen Hofs mit der Rutsche verstärkt hätte. Und ich denke, dass Ergebnis ist genau richtig.
Was die “enthüllte”, Architektur betrifft, so bin ich einverstanden. Die Suche nach der Perfektion in der Architektur bedeutet nicht, dass man neurotisch werden muss. Das hat der russische Architekt Melnikov sehr schön gesagt: “Da ich mein eigener Chef geworden bin, habe ich von der Architektur verlangt, endlich ihr Marmorkleid abzulegen, sich abzuschminken und sich so zu zeigen, wie sie ist: nackt, wie eine Göttin, jung und grazil. Und darauf zu verzichten, sich hübsch und gefällig zu geben, genau so, wie es sich für die wahre Schönheit geziemt”.
Die Worte von Melnikov sind absolut klar. Ich stimme voll und ganz mit ihm überein in dem Willen, diese radikale Schönheit zu finden. Deshalb hängen seine Worte in meinen Büro und leiten meine Gedanken bezüglich der Architektur. Ich habe sie vor Jahren im Buch von Stephen Frederick Starr “Melnikov. Solo Architect in a mass Society”, gefunden und übersetzt. Das Buch ist immer auf meinem Schreibtisch, es hat mit Cino Zucchi 1983 mit einer Widmung versehen geschenkt. Ich stimme nach wie vor voll und ganz mit diesem Gedankengang überein.
Weit entfernt von jeglicher Art des Minimalismus handelt es sich darum, eine essentielle Architektur zu realisieren und dabei einzig die notwendigen Elemente zu benutzen. “Omit needless words” proklamieren Strunk und E.B. White in ihrem kleinen Buch der amerikanischen Linguistik. Genauer gesagt “unnütze Worte vermeiden”.

In Ihrer Arbeit, insbesondere bei Ihrem neuen House of the Infinite, ist alles auf das reine Zeichen zurückgeführt. Nichts kann die Architektur stören. Wie konfrontiert sich diese Philosophie mit dem Menschen, der – nicht perfekt und zerstreut – das Ambiente betritt, was er entwirft?

Das House of Infinite ist radikal menschlich. Gibt es etwas Menschlicheres, als eine hohe Plattform zu schaffen, um das Treffen zwischen den Göttern und den Menschen zu begünstigen? Das war es, was die Griechen als “temenos”, bezeichneten, genau das, was das Haus darstellt.
Dieses Haus ist ein temenos, damit die Götter hinabsteigen und mit den Menschen kommunizieren können.
Natürlich sind wir Menschen, ich als erster, voller Defekte, nicht perfekt und zerstreut, wie Du so schön gesagt hast. Aber wir verfügen auch über die außerordentliche Kapazität, etwas zu schaffen, was über uns selbst hinaus geht. Und es gelingt uns, in diesem kreativen Prozess das Glück zu finden.
Architektur ist der schönste Beruf der Welt.


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