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Salvatore Re

Salvatore Re
Architect Salvatore Re reflects on the relationship among architecture, politics and sustainability, discussing some of his recent projects in Tuscany.
Interview with Salvatore Re by Flores Zanchi

Ihr letztes Projekt für Pisa, “Officine Porta Garibaldi”, ist ein wichtiges Zeichen der Gegenwart in einem historischen Kontext. Können Sie uns erzählen, wie das Projekt entstanden ist und wie es die Stadt verändern wird?

Das Projekt Officine Porte Garibaldi entspringt dem Willen der Stadtverwaltung von Pisa zusammen mit der Region Toskana, öffentliche Gelder zu bewegen, um den Baubestand zu sanieren und im Kontext des gesellschaftlichen Lebens der Stadt zu arbeiten. Der Glaskasten, der Officine Porta Garibaldi beherbergen wird, ist Teil des “ Projekts Le Mura” für die Sanierung der mittelalterlichen Stadtmauern. Ich glaube, dass ist das erste Mal, das in Pisa, zusammen mit dem Denkmalschutz von Anfang an auf transparente Weise gearbeitet wurde und die tatsächliche Bestimmung des Gebäudes vorgestellt wurde. Darunter verstehe ich nicht nur dessen Aufwertung, sondern dessen Konzipierung als ein Gut, das der menschlichen Sphäre zurückgegeben wird. Die Arbeit sieht die Realisierung eines multimedialen Dienstleistungszentrum und eines Bürgerrechtszentrums vor, welche den Zweck haben, die gesellschaftlich-kulturellen Dienstleistungen sowie den Empfang der Touristen in der Stadt Pisa und dem Gebiet zu verbessern. Ein Pol mit interkulturellen und sozialen Funktionen, mit besonderer Bezugnahme auf die Probleme der Immigration und der Entwicklungszusammenarbeit und der Kulturförderung. Vom architektonischen Standpunkt betrachtet basiert das Projekt auf der Transparenz und der Nachhaltigkeit für Umwelt und Gesellschaft. Das gesamte Gebäude charakterisiert sich dadurch, eine transparente, hochleistungsfähige Hülle zu sein und nimmt dabei die Formen des Vorbestands auf um zwei Hauptknotenpunkte, zu denen die Diensträume und vertikalen Verbindungen gehören. Die Transparenz der verglasten Wände ist funktional durchdacht bezogen auf das Energieniveau, denn hier fällt das Licht durch ein Dreifachglas ein, in dessen Mitte sich Photovoltaik-Brise-Soleil befinden, die Energie erzeugen. Außerdem gestattet die Durchlässigkeit des Bauwerks ungewöhnliche Beziehungen innerhalb des Areals: Von dem neuen Platz auf Via Gioberti kann man die alten Mauern wieder sehen und aufwerten und hat Zugang auf den überdachten Platz innerhalb des Zentrums, der direkt mit dem dahinter liegenden Garten der Stadtmauern verknüpft ist. Ein Gebäude neu zu überdenken bedeutet – für mich – mehrere Sachen zusammenzubringen, die alleine die gleiche Leistungsmerkmale haben, ohne die Güte der Materialien und der Ausstattungen einzuschränken und gleichzeitig die Kosten optimieren. Nur so war es möglich, eine teure Hülle zu haben, die mehrere Funktionen umfasst: Architektur, Energie, Tragwerk, die historische Wiederentdeckung der Mauern und des praktischen Wertes für diejenigen, die dort wohnen werden. Eine Hülle mit hohen Leistungen, die in sich – wie eine Schatztruhe – die Aktivitäten des Zentrums beherbergt. Lebensqualität, Helligkeit und Energie sind die Themen, mit denen man sich auf ethische und verantwortungsbewusste Weise konfrontieren muss.



Die Idee des ethischen und verantwortungsbewussten Projekts ist die Grundlage vieler Ihrer Realisierungen. Welches ist Ihre Idee der Nachhaltigkeit und wie verbindet sich diese mit dem öffentlichen Wert eines Gebäudes?

Das Konzept der Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren von der Politik in Anspruch genommen worden, um die öffentliche Zustimmung zu erlangen. Meiner Ansicht nach entwickelt sich diese über die Einfachheit bezogen auf die optimale Funktion eines Gebäudes, Materialforschung, begrenzte Verwaltungs- und Wartungskosten. Diese Themen standen seit der ersten gebauten Hütte im Mittelpunkt der menschlichen Überlegung. Die Nachhaltigkeit ist, so denke ich, eine Stärke der Idee des Gemeinschaftsguts: Nur in Beziehung mit dem öffentlichen Sinn, verstanden als Gut, das man der Stadt zurückgibt, denkt der Architekt an die Nachhaltigkeit als zentrales Element bei der Gestaltung. Der Politiker hat sich im Laufe der Zeit die Idee der architektonischen Nachhaltigkeit zu eigen gemacht, um die Zustimmung des Volkes zu erhalten anstatt sich auf die Wiederentdeckung des öffentlichen Sinns der Bauwerke zu besinnen. Die Officine Porta Garibaldi fügen sich in eine neue Idee der Nachhaltigkeit ein, in dem Sinne, dass sie der Öffentlichkeit einen neuen Platz anbieten wollen, um den Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich an einem Ort zu treffen und diesen zu teilen.

Bezogen auf gesellschaftlichen Wert, Lebensraum und Einsparung – ein anders Projekt, das dann zu einem Modell in Italien geworden ist, ist der Campus Praticelli, wo Sie sehr lebenswerte und für die Studenten angenehme Räume geschaffen haben und es Ihnen gleichzeitig gelungen ist, die Kosten anhand der Optimierung der Konstruktionssysteme niedrig zu halten...



Die Officine Porta Garibaldi wollen, wie Sie richtig betont haben, die Erfahrung von Praticelli wiederholen. Pisa hat einen enormen Einzugsbereich, einschließlich der Universität, die alleine schon 50.000 Studenten zählt. Deshalb verspürte man zur Zeit des Praticelli-Projekts das Bedürfnis, diese Potentiale systematisch zu ordnen und dabei einen angenehmen Ort zu schaffen und die Kosten zu optimieren. Bei mangelnden Ressourcen habe ich alternative Wege aufgezeigt anhand der Wortkette – Idee, Konkretheit und Innovation – die schon immer meine Arbeit ausgezeichnet hat.
Das dreistöckige Gebäude besteht aus einem langen Hauptkörper, der den Diensträumen und den Professorenwohnungen vorbehalten ist, an den sich sechs Zweige mit Studentenwohnungen angliedern, jeder davon mit einen Primär- und einer Sekundärfarbe markiert. Um das Zusammenkommen zwischen den Studenten zu fördern, gliedern sich im Erdgeschoss und im ersten Stock des Hauptkörpers die Gemeinschaftsfunktionen, wie Kantine, Cafeteria, Krankenraum, Ludothek, Internetraum, Musiksaal, Geschäft, Bank, Turnhalle, Video- und Konferenzsaal, Auditorium, Studiensäle und die Bibliothek. Die verschiedenen Räume werden von einem doppelt hohen Körper verbunden, der die Kommunikation und die Aggregation zwischen den Studenten fördert. Dieser Raum erhält das Licht durch eine große Fensterfront, die Werner Sobek mit einem innovative Konstruktionssystem entworfen hat, bei dem die Dämmglasplatten, die fast 3 Meter hoch sind, einzig von einem Stahlkabel und Klemmen gehalten werden, was der Struktur eine besondere Leichtigkeit verleiht. Die Optimierung der Bausysteme war dank des hohen Grads der Ingenieurtechnik möglich. Das gesamte Gebäude wurde mit einem schalen Budget errichtet, dank der verbreiteten Applikation von Fertigteilen und der Aufmerksamkeit auf die Materialien bei der Planung. Ein Beispiel in diesem Sinn sind die hinterlüfteten Fassaden, die auf der Grundlage der Produktion der Titan-Zink-Blechrollen und der Platten aus Bakelitholz entstanden sind, um Materialverschnitt möglichst zu vermeiden. Eine für mich interessante Erfahrung war der Besuch des Gebäudes als einfacher Zuschauer um zu sehen, wie diese Jugendlichen leben und um zu verstehen, ob das Projekt funktionierte. Bezogen auf die Farben: Eines Tages bin ich in den orangefarbenen Zweig gegangen und habe festgestellt, dass eines der Mädchen eine orangefarbene Seife gekauft hatte, ein orangefarbenes Handtuch und so die Entwicklung des Projekts weitergetragen hat. Die Liebe, die wir bei der Planung in das Gebäude gesteckt haben, setzt sich auch weiter fort in der Interpretation, welche die Studenten diesen Orten geben – eine Art Kontinuum, ein ideelle Übergabe von uns an die Gemeinschaft der Nutzer, in diesem Fall die Studenten selbst.

Das Thema der Gesellschaft und der Architektur wird auch von Ihren neuesten Projekten für die Müllverbrennungsanlagen von Livorno und Genua behandelt, wo Sie das, was gemeinhin als Umweltmonster gilt, in ein Mittel verwandeln, das mit der Stadt kommuniziert. Können Sie uns darüber Genaueres sagen?



Die Müllverbrennungsanlage ist nicht mehr nur eine Infrastruktur, um ein Problem industriellen Charakters zu lösen, sondern muss so konzipiert werden, dass er sich mit der Gesellschaft und dem Brauchtum des Landes integriert. Der Vergleich mit der Stadt, im Falle von Livorno historisch gesehen eine Schmiede der sozialen und kulturellen Bewegungen, war für uns ein wichtiges Moment, vor allem zum Lösen eines wichtigen Problems, nämlich die Beseitigung dessen, was wir produzieren und dabei gleichzeitig Energie für die Bürger zu erzeugen. Außerdem wird dieses Projekt von mehreren Berufsbildern getragen und funktioniert von daher sowohl vom technologischen als auch vom städteplanerischen Gesichtspunkt. Die Müllverbrennungsanlage wird in der Tat als Teil dieses Stadtviertels konzipiert und verbindet sich mit dieser. Ein Bauwerk dieser Tragweite kann nur in einem Ideensystem bestehen, wo sich Ingenieure und Architekten – tief verbunden mit der Philosophie und dem Brauchtum der Stadt – an einen Tisch setzen. Das war ein langer Prozess, das erste Projekt stammt aus dem Jahr 2001 und erst jetzt beginnen die Bauarbeiten. Das Projekt entsteht als Erweiterung einer vorhandenen Struktur mit der Schaffung einer neuen Verbrennungslinie, die in einen einheitlichen Körper eingefügt wurde, der als Metallgitterschale realisiert ist und dem Ganzen eine starke Ausdruckskraft verleiht. Der Schornstein wurde als symbolisches Element mit den größten landschaftlichen Auswirkungen entworfen und definiert eine wichtige Landmarke in der städtischen Landschaft. Gekennzeichnet von einer komplexen Struktur, die aus einem sich nach oben verjüngenden Ellipsoid in Form eines Kleeblatts besteht, ist dieser mit einem LED-System versehen, der den Schornstein interaktiv werden lässt und anhand von Nachrichten über die Energieproduktion der Anlage den Willen deutlich macht, die Struktur zu einem Raum von öffentlichem Nutzen zu machen. Parallel zur Kommunikationsfunktion muss die Müllverbrennungsanlage meiner Ansicht nach auch eine didaktische Funktion erfüllen: Die Organisation von Besichtigungen für Schüler und Bürger gehört zur Idee, ein anscheinend von der Stadtplanung weit entferntes Gebäude in eine Diskussion einzubinden, die Livorno und die Toskana involviert.  
So tragen die architektonischen Merkmale dazu bei, aus der Müllverbrennungsanlage nicht mehr das Monster zu machen, vor dem man sich schützen muss, sondern einen Ort der Entspannung und des Wachstums des sozialen Bewusstseins der jungen Menschen bezogen auf den Umweltschutz. Im Fall von Genua ist die Idee, eine vorhandene Deponie zu nutzen und darüber eine andere Anlage zu bauen, die Müllverbrennungsanlage eben. Für dieses Projekt haben wir einen Slogan geprägt “da luogo rifiutato a paesaggio del rifiuto”, (zurückgewiesenen Ort zur Abfalllandschaft), um den Willen deutlich zu machen, eine Wunde im Gebiet zu schließen mit der Schaffung eines neuen Lebensraumes zum Nutzen für die Gemeinschaft.

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