Salento, Apulien, Italien

Salento, Apulien, Italien

Salento, eine Reise durch architektonische und funktionale Restaurierungsarbeiten und Neuqualifizierung des Gebiets. Das neue Salentoshire zwischen Design, Geschichte und Steintradition.



New York, auf dem Tribeca Film Festival unter der Schirmherrschaft von Robert De Niro spricht man von nichts anderem! Hauptrollen Lecce, der Salento und seine Architekturen in der brillanten Komödie von Ferzan Ozpetek, “Männer al dente”, einem Film, der sich zwischen den Stränden von Gallipoli, ländlichen Gegenden und dem Zentrum von Lecce abspielt.
Nunmehr Ehrenbürger der Stadt, ist er nicht der einzige Ausländer, der die Internationalität des Salento repräsentiert. Auch die Aufstellung des Reiseführers schlechthin, Lonely Planet von 2010, nennt Lecce unter den 10 schönsten Städten der Welt, die man mindestens ein Mal im Leben gesehen haben muss. Um nicht von den neuen “massari” zu reden, wie Helen Mirren Oskar-Preisträgerin 2007 für die Rolle als Elisabeth II in The Queen, die eine “Masseria” aus dem 16. Jahrhundert in der Gegend von Otranto gekauft hat oder Lord  Alistair McAlpine, Schatzmeister der Tories zur Zeit von Margareth Tatcher, der eine Masseria in Marittima di Diso in ein sehr exklusives b&b umfunktioniert hat, das Konvent von Santa Maria di Costantinopoli.  Und was soll man von Stewart Copeland sagen, dem Schlagzeuger von Police, Botschafter der salentinischen Musik in der Welt?  Er war als Konzertmeister zu “La notte della taranta” eingeladen worden, einem Festival, das sich mit der Wiederentdeckung der ethnischen Klänge befasst und ist ein Jünger der „pizzica“ (salentinischer Volkstanz) sowie Ehrenbürger des Ortes geworden.
Wie aber haben sich die öffentliche und die private Architektur der Gegend des Salento angepasst und gewandelt?
Der gewählte Weg beginnt im barocken Lecce und gelangt bis zur Endstation von Italien: Capo di Leuca, mit dem Leuchtturm und der Basilika der Heiligen Maria "de Finibus Terrae“. Lecce, heilig und profan. Sehenswert die Anlage der Pfarrkirche von San Giovanni Battista der Architekten Franco Purini und Laura Thermes, im Viertel des Stadions von Lecce gelegen.

Dieses Projekt drückt eine Destabilisierung des Raumes aus, der zwar stark einheitlich bleibt, aber von starken dynamischen Fragmentierungen gekennzeichnet ist. Ganz anderer Art die Restaurierung von zwei Hotels in Lecce. Il Risorgimento Resort ist das Resultat eines Restaurierungsprojekts und einer konservierenden Sanierung durch den Architekten Bart Conterio, bei der eine Fläche von circa 4.000 m2 betroffen war. Der Planer hat den Grundsätzen der Gebäudenachhaltigkeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet und dabei beispielsweise als Kühlsystem die antiken bioklimatischen Bautechniken der ”camere dello scirocco” islamischer Tradition verwendet (eine Art Windturm zur passiven Kühlung des Gebäudes), die in Italien zwischen dem XVI. und dem XVII. Jahrhundert entstanden. Der dem Interior Design gewidmete Teil, der die markanten Farben des Salento aufgegriffen hat – Beige wie der Stein aus Lecce, Grün wie die Olivenbäume und Braun wie de Rebstöcke, ist hingegen Werk des Architekten Luca Scacchetti. Eine alternative Lösung, allerdings mit Niveau sowohl bezogen auf die Gastlichkeit als auch auf die Struktur ist das B&Bb Arco Vecchio. Dazu gehört auch eine denkwürdige Geschichte. Es war früher der historische Sitz der Kommunistischen Partei und heute sind die sechs Zimmer und die Suite für die Gäste ein wahres Juwel für die Liebhaber der Technologie, angefangen mit dem Eingang selbst des B&B. Minimalismus im barocken Triumph.
Wenige Kilometer von der Stadt entfernt das “mediterrane Green”, bzw. das Acaya Golf Resort. Referenzpunkt für Golfspieler wurde es vom amerikanischen Architekturbüro Hurdzan- Fry geplant und verfügt über 120 Ha sehr unterschiedlichen Bodens. Den Bergrücken entlang Richtung Süden stößt man auf die ehemalige Gerberei Lamarque von Maglie, die uns in das Dauermuseum der pflanzlichen Gerberei führt in einem typischen Gebäude der alten Siedlungsanlagen des Salento. Neben dem Museum, dessen größte Attraktion das komplett vom Besitzer Luigi Orione Amato zurück gewonnen Hydrauliksystem zur Sammlung des Regenwassers ist, besteht die Möglichkeit, in einem der sechs Zimmer der “Corte dei Francesi “ zu übernachten, in der im 19.

Jahrhundert die Gerber untergebracht waren. Es handelt sich um einen regelrechten und überraschenden Weg zwischen Zisternen, Wannen, Kanälen und perfekt aufbewahrten Erinnerungsstücken. Das Meer aber ist die wirklich fatale Attraktion. Hier kann man ein schönes Projekt der Stadtsanierung sehen, die Realisierung des neuen Seebahnhofs und der Hafenkommandantur von Otranto, entworfen von Architekt Mario Cucinella. Ein Triumph des Steins von Lecce, der die Stahlbetonstruktur des Gebäudes, da sich als eine Verlängerung der Basteilinien Richtung Meer anbietet, komplett verkleidet, des Steins von Soleto, mit dem der Platz dahinter gestaltet wurde und des Steins von Apricena, der am Kai und bei den Verbindungen zu finden ist.
Es gibt auch zahlreiche private Restaurierungsprojekte besonderer Orte für Wohnzwecke, wie die ehemalige Tabakmanufaktur, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts Arbeitslatz und wichtigste Einnahmequelle der Gegend war. Der Salento ist auch die Gegend des Geistes und der Materie. Ein Ort der Seele ist die Diskothek/Restaurant Club Gibò, wo sich lokale Architektur, Farben, Düfte und Klänge mischen. Auf einem Kap in der Nähe von Santa Maria di Leuca gelegen lautet das Motto des Lokals “Just for special people”. Und all die herrlichen Orte, an denen man essen kann? In dem echten und schönen Landhaus A Casa tu Martinu kann man sich an „Pittule“ und „Frittelline“ (typische Gerichte der Gegend) erfreuen. In den Stanzie nahe Supersano versenkt man sich in eine alte Masseria aus dem 16. Jahrhundert mit einer byzantinischen Krypta und man lässt sich von rund zwanzig Gängen verwöhnen, deren Zutaten alle dem Prinzip “0 km” getreu sind. Nicht zu vergessen das Restaurant l'Acchiatura di Racale, in dem apulische Gerichte angeboten werden sowie  ein B&B und Wellness-Zentrum im Palazzo Briganti, das unter anderem über eine Grotte mit Schwimmbad und Sonnenterrassen verfügt. Es ist vor allem die Zentralität der Orte und des Projekts, welche das echte Statut der Architektur dieser Gegend festlegt und die Konfusion vermeidet, die unsere tendenziell medienorientierte Gegenwart kennzeichnet.

Cintya Concari



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