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Das in Sao Paolo von den brasilianischen Architekten MMBB Arquitetos realisierte Wohnhaus Rolim de Camargo beinhaltet zahlreiche Kennzeichen der aktuellen und im Ausland bekannten brasilianischen Architektur. Es gestattet uns Europäern, dieses Werk als symbolisches Projekt mit Wahrzeichengehalt einer Gegend zu betrachten, wo die geografische Entfernung auch einen Abstand des Geschmacks, der Stilsprache, der Erwartungen bezogen auf das Konzept selbst des Wohnbauwerks auferlegt.
In einem Wohnviertel gelegen, das weit von der Placa da Sé entfernt liegt, die zumindest geografisch gesehen, die Stadtmitte bildet, eines derjenigen die der Welt die ;”andere Seite” einer Riesenstadt zeigt, die die Bevölkerung noch deutlich in Zwei teilt, steht ein aus Stahlbeton errichtetes Luxuswohnhaus. Die Ästhetik des unverputzten Zements ist der brasilianischen Architektur eigen, die sich auch heute noch im Brutalismus der grauen Platten oder in den Zeichen wiedererkennt, die Zeit und Klima unauslöschlich auf den Oberflächen hinterlassen und in den Schalungsmustern, in denen man noch die Poetik des Materials erkennen kann.
Man hat das Gefühl, dass in diesem Land die Verwendung des unverputzten Zements, die sicherlich eine wirtschaftliche Bewandtnis hat, selten durch das Einfügen neuer Baumaterialien in Frage gestellt wird. Was zählt, ist die Form (die vom Zement unter anderem mit zahlreichen plastischen Möglichkeiten gestaltet wird) und der Raum. Die dimensionale Nutzung eines Standortes mit der richtigen Form bildet die Grundlage für das Gestaltungskonzept dieser neuen Architektengeneration.
Auf einem Grundstück mit gleichmäßiger Form, das in einem stark verstädtertem Gefüge liegt, nutzt dieser Wohnbau den Platz maximal, ohne dabei auf das Grün zu verzichten, das in Brasilien so wichtig wie die Luft zum Atmen ist. Ein kleiner Repräsentanzgarten dient als Rahmen der Architektur, die auf der Mitte des Grundstücks steht und sich auf 4 Etagen erstreckt: Ein für die Diensträume (Garage und Waschküche) genutztes Souterrain und 3 oberirdische Stockwerke. Dies alles nach einem klassischen Verteilerschema, das die öffentlichen Räume im Erdgeschoss vorsieht, den Nachtbereich im ersten Stock und die Panoramaterrasse auf dem Dach. Im Einklang mit den Bedürfnissen des lokalen Lebens gibt es keine eindeutige Grenze zwischen den Räumlichkeiten, sondern das Haus ist fließend, dank der Geometrie der Blickpunkte, die sich ausgehend von dem zentralen Hof bilden, auf den das erste und das zweite Stockwerk blicken. Vier Säulen tragen die zwei Umfriedungsmauern aus Zement, die zu den benachbarten Wohnhäusern auf der Ost- und der Westseite gerichtet sind und dabei das Erdgeschoss und den Hof praktisch frei von optischen Barrieren lassen und die so gestaltet sind, dass sie zahlreiche Aktivitäten, Funktionen und Möbel aufnehmen können in einer nicht definierten Situation zwischen Innen und Außen. Der Umlauf wird entlang der Nord-Süd-Achse erzwungen, wo die Abtastung der Umgebung auf allen Stockwerken anhand transparenter Wände und Schiebefenster erfolgt.
Dem Grundsatz folgend, dass Raum in Brasilien ein vorrangiges Gut ist, vermeidet auch diese Architektur soweit möglich dessen Einschränkung, sowohl zwischen den Zimmern als auch zwischen den Zimmern und dem Garten, zwischen privatem und öffentlichem Raum, verstanden als urbanes Umfeld. Während es eine Kontinuität mit den in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Villen des Stadtviertels gibt, bildet der Blick von der Terrasse auf die in der Entfernung liegenden Hochhäuser von Sao Paolo einen deutlichen Gegensatz.
Mara Corradi
Entwurf: MMBB arquitetos
Projektleitung: Fernando de Mello Franco, Marta Moreira, Milton Braga
Mitarbeiter: Marina Sabino, Márcia Terazaki, Thiago Rolemberg, Ana Carina Costa, Marina Acayaba, Marcelo Maia Rosa
Bauherr: Adriana und Marcelo Rolim de Camargo
Ort: San Paolo (Brasilien)
Tragwerksplanung: Cia. de Projetos
Landschaftsplanung: Isabel Ruas
Bruttonutzfläche: 344 m2
Grundstücksgröße: 481 m2
Planungsbeginn: 2004
Ende der Bauarbeiten: 2005
Bauunternehmen: Bremenkamp Engenharia e Construção
Struktur aus Stahlbeton
Fotos: Nelson Kon
www.mmbb.com.br
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