Das Zusammenfügen der Stadtmauer NazarÃ, die den mittelalterlichen Ort AlbaicÃn nahe Granada umgibt, ist das Werk von Antonio Jimenez Torrecillas.
Das Projekt von großem emotionalen Eindruck zielt darauf, einen verlassenen Bereich wieder zurückzugewinnen und ihn in einen öffentlichen Platz zu verwandeln.
Es interagiert mit einer Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, die auf einer Länge von 40 Metern durch einen Erdbeben zerstört wurde. "Wir wollten diese Grenze unter Berücksichtigung der Landschaft wieder herstellen!, erklärt der Planer.
Das Ziel war also, ein Muster zu rekonstruieren, eine Linearität einer Erinnerung, einer Geschichte, eines Weges zurückzugewinnen, der mehr als 700 Jahre zurück liegt. Eine heikle Arbeit, die Torrecillas sehr sensibel angegangen ist. Er hat sich dabei auf den symbolischen Wert des Steins konzentriert und auf dessen chromatische Komponenten, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden.
Der Wiederaufbau ist nicht durch Anastilosis erfolgt, es wurde vielmehr eine andere Technik benutzt, die es ermöglicht hat, das Gefühl der historischen Fälschung zu vermeiden.
Die Arbeit besteht in der Erstellung eines neuen Musters unter Verwendung von Platten aus Granit Rosa Porriño, dessen ockerfarbenen und rötlichen Töne an die Streifen des Tapial erinnern, der für die Errichtung des Walls benutzt wurde. Die 3 cm dicken Platten mit einer fixen Länge sind aufeinander gestapelt und mit einer sehr dünnen Schicht aus besonders resistentem Epoxidharz fixiert.
Diese Schicht befindet sich vor der ursprünglichen Struktur, berührt diese aber nicht, um deren Volumen zu bewahren, aber auch, um auf die zeitliche Distanz zwischen den beiden Werken aus Stein hinzuweisen.
Das Projekt sieht ein doppeltes Muster vor, in dessen Inneren ein Zwischenraum entsteht, der zu einer Promenade im Herzen des Steins, der Zeit und der Geschichte wird. Von hier aus, in einer schwebenden, fast metaphysischen Atmosphäre, kann der Besucher das Szenario des Ortes Albaicìn erkunden.
Zwischen den Platten, zwischen Licht und Schatten bilden sich Schlitze, die anscheinend zufällig sind, Risse, die sich auf die Landschaft öffnen und die das Umfeld in immer anderen Perspektiven und Ausschnitten betrachten lassen.
Die Stadtmauer verwandelt sich auf diese Weise in einen öffentlichen Raum, in einen Ort der Meditation, wo man verweilen, nachdenken, aber auch andere Menschen treffen kann. Die Mauer ist, von der unterbrochenen Erinnerung die sie war, nunmehr bereit, ihre Reise in die Gegenwart fortzusetzen - auf der Suche nach neuen urbanen Horizonten, neuen Interaktionen mit der Bevölkerung und den Besuchern.
Das Werk von Torrecillas ist keines, das sich durch formale Ausgefallenheit auszeichnet, sondern eher ein Projekt der physischen und metaphorischen, konkreten und gefühlvollen Zeichen: Ein Anlass, um einem unterbrochenen, stummen Gebiet, dem die Natur das Wort über Jahre entzogen hatte, wieder neues Leben zu geben.
Die 2006 abgeschlossene Arbeit ist bereits mit mehreren Preise ausgezeichnet worden. Darunter - beide im Jahr 2007 - die Ehrennennung beim Preis Barbara Cappochin für die “originelle Neuinterpretation einer Schutzmauer, die zu einem Gebäude und nicht mehr zu einer Barriere wird, ein räumliches und nutzbares Element, das das Umfeld neu organisiert", so der Kommentar des Preisgerichts, und den Internationalen Preis für Architektur in Stein.
Francesca Oddo
Iris Ceramica
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