Tisselli: Horizontales Gebäude in Cesena
  Art des Projektes  
In der italienischen Provinz geschieht es der Regel nach, dass ein neues Ein- oder Mehrfamilienhaus nach den Kriterien der Anpassung an die anliegenden Bauten entsteht, was auch die Sprache und die kompositorischen Entscheidungen umfasst. Gerade bei der Interpretation der Auflage des doppelten Walmdaches in Cesena ist es dem Architekten Filippo Tisselli gelungen, einen Wohnbau zu realisieren der sich vom Kontext abhebt, ohne in diesen deutlich verwickelt zu sein. Ein Projekt, das in jedem Raum der möglichen Forschung entsteht, der zwischen der unbeirrten Wiederholung des historischen lokalen Wohnmodells und der Imitation des Vorbestands auf der einen Seite und der Dringlichkeit nach einem Hervortreten und sich Abheben auf der anderen Seite besteht.
Anstatt die -zigste Version des Wohnhochhauses zu entwickeln, wie sie den Stadtrandgebieten zu eigen ist, kehrt der Entwurf den Typ um und verteilt den Wohnraum auf ein einziges horizontales Gebäude und behauptet seine eigene Erkennbarkeit mit den starken Linien der Terrassen, die die Architektur auf ihrer gesamten Ausdehnung begleiten.
Um dem Verlauf des Grundrisses des Grundstücks entgegen zu kommen, biegt sich der Block leicht in der Mitte und es gelingt ihm auf diese Weise auch, die monolithische Auswirkung in der Länge zu variieren. Das Muster der Terrassen, tiefe Elemente, die dem Hauptkörper vorgebaut sind, tragen dazu bei, dass dieser sein Volumen beachtlich verringert, wie es aus dem Grundriss der Stockwerke zu entnehmen ist, wo der Innenraum gut mit dem Außenraum ausgewogen ist. Die Entscheidung, mit einer Taktung in Balkonen, nicht die typische Zerstückelung zu unterstützen, wie sie aus der Aufteilung der Wohneinheiten resultiert und die Präsenz der verglasten Brüstungen ohne jegliche tragende Struktur, erzeugt die Wirkung der “ausgehöhlten” Architektur, wo der großformatige Block seine Auswirkung auf das Umfeld mindert.
Auf den kleineren Frontseiten, bei denen man das Profil des Walmdaches deutlicher erkennen würde, haben die Planer die Planarität durch das Einfügen der Terrassen unterbrochen, die sich über die Ecke des Blocks hinweg erstrecken: Die Kombination aus Leer und Voll setzt sich in dem Dynamismus in den Fassaden um.
Die wohnliche Unterteilung des Blocks wird extern von bezogen auf die Fronten nach hinten versetzten Trennwänden getaktet, ergänzt durch weitere Brüstungen aus milchweißem Glas, welche die Privatsphäre unter den Bewohnern gewährleisten. Jede Wohnung verfügt über eine weitläufige und geschützte Außenfläche dank der integrierten Struktur aus Stahlbetonkonsolen und Trägern aus stabverleimtem Holz, die Auskragungen bis zu 320 cm ermöglichen, zu denen man durch die zahlreichen, raumhohen Öffnungen Zugang hat. Die Transparenz der vielen Elemente in der Fassade verringert die Hindernisse für das Eindringen des Tageslichts aufgrund der starken Vorbauten. Dazu kommt dann die Kunstlichtbeleuchtung, die in den abgehängten Decken der Terrassen eingebaut ist. Die Kontinuität zwischen den Innenräumen, den überdachten Außenräumen und den Räumen der Landschaft ist eine gestalterische Konstante, die auch die Entscheidung begründet, die Fenster und Türen in der gleichen Farbe des Wandputzes zu streichen, Schwarz oder Weiß, sowie die Freiheit bezogen auf Verteilung und Komposition, die auch dank einer Anlagenplanung verfolgt wird, welche die Steig- und Fallrohre von den Wänden der Wohnungen löst, um diese extern – ebenfalls in den abgehängten Decken der Terrassen - anzuordnen.
von Mara Corradi
Entwurf: Tissellistudioarchitetti (Filippo Tisselli, Cinzia Mondello, Filippo Tombaccini)
Mitarbeiter: Flavia Benigni, Elena Fantoni
Bauherr: Privat
Ort: Cesena (Italien)
Tragwerksplanung: Marcello Bezzi
Bruttofläche: 2257 m2
Grundstücksgröße: 3331 m2
Projektbeginn: 2006
Beginn der Bauarbeiten: 2007
Ende der Arbeiten: 2009
Strukturen aus Gasbeton® und Stahlbeton
Abdeckung und Balkone aus stabverleimtem Holz
Ummantelung aus Titanzink: Zintek
Innenböden aus Eichen: Tavar
Externe Fußböden aus wasserableitendem Holz (bangkirai)
Glasbrüstungen
Fotograf: Tissellistudioarchitetti
www.tissellistudio.com






















