Atelier Oslo und AWP: Laterne in Sandnes
  Art des Projektes  
2008 wurde zusammen mit Liverpool auch die Stadt Stanvanger in Norwegen zur europäischen Kulturhauptstadt ernannt. Das Stadtgebiet umfasst auch die Gemeinde von Sandnes. Für diesem Anlass organisierte die Stadtverwaltung eine Reihe von Initiativen, die von der Architektur bis zur Literatur, von der Musik bis zu den visuellen Künsten reichten, darunter auch der Wettbewerb “Norwegian Wood”, der ausgelobt worden war, um den Holzbau aufgrund seiner Nachhaltigkeit zu fördern. Eine der Wettbewerbssektionen behandelten das Thema des urbanen Raums als Ort des Verweilens und der gemeinsamen Nutzung und verlangte die Gestaltung eines Platzes an der Kreuzung zwischen Flintergaten und Laggaten, zwei Fußgängerzonen in der Nähe der Hafengegend von Sandnes.
Gewinner des Wettbewerbs war die Gruppe, die aus den Norwegern Atelier Oslo und dem französischen Büro AWP bestand und bei dem eine Überdachung für den kleinen Platz entworfen wurde, ein Dach für die von der Gemeinde organisierten kulturellen Aktivitäten der Sozialisierung oder das ungezwungene Zusammenkommen der Bürger. Inspiriert vom Archetyp des Walmdachhauses (von denen es in der Straße viele gibt) und getragen von vier Säulengruppen aus Eichenholz, die bezogen auf den Umfang des Daches nach Innen versetzt sind, scheint die Struktur ein Baumhaus zu sein.
Das Dach ist nicht voll, sondern besteht aus einem Raster aus primären und sekundären Elementen aus stabverleimtem Kiefernholz, mit einem Querschnitt von 9x9 cm und Stahlverstärkungen, auf denen ein Glasmantel ruht, der die eigentliche Überdachung bildet. Teilweise überlappend montiert, wie bei einem Schieferdach, sind die viereckigen Module der Überdachung aneinander befestigt, um miteinander verbunden zu sein und deshalb war es auch nicht erforderlich, ein Metallgerüst zu schaffen, das diese zusammen hält, sondern der Glasmantel konnte direkt am Holtragwerk verankert werden, ohne dass er durch Metallprofile erschwert wurde. Die Leichtigkeit des Holzmusters kombiniert mit der Transparenz der Überdachung aus Glas erzeugen eine auf das städtische Umfeld offene und zum Himmel geöffnete Architektur, die die Passanten und Verweilenden schützt, ohne dabei wie ein geschlossener und abgegrenzter Raum zu wirken.
Jede Säule gabelt sich sowohl nach oben, um die Überdachung an mehreren Stellen zu stützen, als auch nach unten, um sich fester am Boden zu verankern und nimmt dabei das Aussehen von Bäumen mit Zweigen und Wurzeln an. Die Verteilung der Säulen ist nicht geometrisch und gleichmäßig, sondern so gedacht, dass verschiedene Nutzungsräume angeboten werden, kleine und große, innen und außen, die auch miteinander verbunden werden können. Hier wird das Zusammenkommen zweier Straßen gefeiert, kein Platz, vielmehr ein Durchgangsort, unter dem man einen Augenblick verweilen und sich auf die aus den Säulen gewonnenen Bänke setzen und an den temporären, von der Stadt organisierten Ausstellungen teilnehmen kann. Leicht auskragend auf die Front zur Laggaten hin, will das Werk an der städtischen Landschaft Anteil haben. Die Scheinwerfer im Inneren, die nach oben zeigen, nutzen die strukturelle Transparenz aus und betonen die Architektur, die in der Nacht zu einer urbanen Laterne wird. Tagsüber fängt das Glasdach die Bilder der Bewegungen des Himmels und der umliegenden Gebäude ein und gibt sie als Lichtspiel wieder. Ein Denkmal für das Zusammenkommen und das Sozialisieren – heute ein optischer Bezugspunkt für die Gemeinschaft.
von Mara Corradi
Entwurf: Atelier Oslo (Thomas Liu, Nils Ole ”solo” Brandtzæg, Marius Mowe, Jonas Norsted, Bosheng Gan) und AWP (Matthias Armengaud, Marc Armengaud, Alessandra Cianchetta, Arnaud Hirschauer)
Bauherrin: Sandnes Municipality
Ort: Sandnes, Ragna Stakland (Norwegen)
Tragwerksplanung: Kristoffer Apeland
Bauakustik: Sweco
Beratung Beleuchtungstechnik: COWI
Grundstücksgröße: 2500 m2
Vom Bauwerk belegte Fläche: 250 m2
Projektbeginn: 2007
Ende der Bauarbeiten: 2008
Fertigstellung: 2008
Verglasungen: Skandinaviska Glassystem
Überdachung aus stabverleimtem Kiefernholz: Timber
Pfeiler aus massiver Eiche
Fußboden: Vest betong
Das Projekt wurde beim Mies van der Rohe Awards 2009 erwähnt
www.atelieroslo.no




















