Mehrfamilienhaus von Kis Péter, Keramikverkleidung
  Art des Projektes  
Der ungarische Architekt Kis Péter bietet ein beachtliches Beispiel dafür, wie Architektur entsteht und sich dabei den externen Bedingungen, wie dem städtischen Umfeld, der Einsparung der Ressourcen, der Zusammensetzung des Grundstücks auf dem sie steht und den umliegenden Gebäuden anpassen und trotz all dieser Einschränkungen wunderbar aussehen kann.
Ende 2007 ist in Budapest ein Projekt für den konventionierten Hochbau entstanden, das sich mit Zurückhaltung in eine Zone in der Nähe der Altstadt eingefügt und dazu beigetragen hat, die Práter utca (Straße) neu zu ordnen. Der Architekt Kis Peter hatte mit einem Grundstücksausschnitt zu tun, der aus den Leerräumen bestand, die von dem Vorbestand mit unregelmäßiger und fragmentierter Form übrig gelassen wurde. Anstatt eine alleinstehende Architektur zu realisieren, hat er es vorgezogen, die Grundrisslinien der vorhandenen Gebäude zu untersuchen, so dass sein Bau sich dort einfügen konnte, um den Vorbestand zu verlängern und zu ergänzen. Man sieht in der Tat, dass die Anlage im Osten noch weiter verlängert wurde, während die im Norden, die ein umgekehrtes U bildete, ergänzt wurde, um einen Innenhofbau zu errichten. Das Verbindungselement zwischen den Hofwohnungen und denen des Seitenteils ist ein privater Garten der von der Práter utca das Auge auf den Blick zum hinten liegenden Park mit hohen Bäumen lenkt, die von den abgrenzenden Mauern zu sehen sind und somit dem Passanten auf der Hauptstraße einen unerwarteten Ausblick schenkt. Durch die Öffnung dieses Schnittes im Architekturblock schenkt der Entwurf den Wohnungen Atmen und Licht.
Der Wunsch nach Verbindung wird von stark auskragenden Balkonen, den Vordächern unterschiedlicher Breite und den Gängen betont, die sich von einer Fassade zu anderen erstrecken und die Wohnungen auf mehreren Etagen in Dialog setzen: Weiß wie die Fenster und Türen stecken sie auf den Fassaden hervor, die auf der gesamten Höhe mit Fliesen aus dunkler Keramik verkleidet sind. Eine kompositorische Entscheidung, die sich in Dekoration verwandelt und sich als Motiv auch auf den Außenfronten mit Blick auf die Práter utca verwandelt.
Vom Planer gewählt, isoliert und schützt die einfarbige Keramikverkleidung nicht nur die Außenmauern, sondern bildet das Verbindungselement zwischen der fragmentierten Anlage und differenziert diese deutlich von den vorhandenen und zeigt, dass es keine armen Werkstoffe gibt, sondern nur deren ärmlicher Einsatz.
Das Gebäude von Práter utca ist nicht nur als glückliche Einfügung eines neuen Sozialbaus in das städtische Umfeld interessant, sondern auch, weil man hier das Zitat des Bautypus des Mehrfamilienhauses im Stile des „INA-Casa“ wiederfindet, markiert von einem regulären Rhythmus der schmalen Fenster und Balkone in Linie mit dem Stahlbeton und den Eisengeländern auf den verputzten oder mit Klinkern verkleideten Fassaden. Eine Hommage an den konventionierten Sozialbau, aktuell gestaltet von dem Wechsel des Rhythmus’ der Öffnungen und der Balkone auf der Frontseite und der Lösung der traufenlosen Metallüberdachung mit der sich die Fassaden vereinen, um geometrische Volumen zu bilden.
von Mara Corradi
Bauherrin: Budapest Józsefváros Municipality
Ort: Budapest (Ungarn)
Bauingenieure: FRT Raszter Mérnökiroda – Attila Farsang, Orsolya Dudinszky
Grünplanung: s73 – Sándor Mohácsi, Péter Balogh
Statik: mTm Mérnökiroda – Péter Markovits, Róbert Kazsimérszky
Bauakustik: Elekné Karsai Dr.
Grundstücksgröße: 1218 m2
Wohnungsflächen: 2065 m2
Gewerblich genutzte Flächen: 330 m2
Projektbeginn: 2005
Beginn der Bauarbeiten: 2006
Ende der Bauarbeiten: 2007
Betontragwerk
Fassadenverkleidung in Keramik
Fotograf: Zsolt Batár

















