Perrault und die Ewha Womans University von Seoul
  Art des Projektes  
Bei dem Neubau für den Sitz der Frauen-Universität Ewha von Seoul, hat Dominique Perrault gleichzeitig einen Großteil der grundlegenden Gestaltungsthemen behandelt und diese in ein Werk mit beeindruckendem formalem Ausgang umgesetzt. Wie viele Millionenstädte, die im 20. Jahrhundert ein exponentielles Wachstum hatten, bedarf auch Seoul heute neuer Bauten, die sich in das Umfeld einfügen aber auch aus diesem hervorstechen als unverwechselbare Zeichen der neuen Gegenwart, damit die Bevölkerung sich darin wiedererkennen und zusammenfinden kann. Der französische Architekt geht dieses erste Thema an, indem er seine Baukunst entlang einer geraden und entschlossenen Linie orientiert, die einen künstlichen Hügel in der Mitte teilt, um das Zeichen zu setzen und den Bruch, der einen neuen Raum schafft, den es zuvor nicht gab und an dem alle Aufmerksamkeit und alle Interessen zusammenfließen können.
Indem der Bau unter der Erde versteckt wurde, in zwei Zwillingskörper, die auf einen langen, gefliesten Platz schauen, konnte er die gesamte Fläche der Abdeckung als grünes Dach nutzen und zwischen den mit autochthonen Pflanzen bewachsenen Bereichen Wege im Grünen anlegen. In dem zentralen Bruch oder in den genannten Fußwegen im Grünen ist die Architektur nicht einfach nur der Sitz einer Dienstleistung, sondern ein städtischer Knotenpunkt und eine Verbindungsstraße im Stadtviertel, die den leichten Höhenunterschied zwischen ihren beiden Zugangsstellen auffüllt. Das Einfügen der Grünanlage wird nicht nur durch das Bewusstsein der Bedeutung, welche die Großstadt mit ihren großen Parks und ihrer neuesten Umweltpolitik dem Element Natur beimisst motiviert, sondern ist auch das Ergebnis einer Forschung bezüglich der neuesten Lösungen auf dem Sektor der Nachhaltigkeit, die es dem Gebäude gestatten, den Energiebedarf zu mindern und durch die Nutzung natürlicher Ressourcen (Erdwärme, Sammlung und Wiederverwendung des Regenwassers) teilweise selbst zu deren Erzeugung beizutragen.
Die riesigen Glasfenster der Fassade, die auf den Platz hin offen ist, lösen die Beleuchtung der Stockwerke, die den Gemeinschaftsaktivitäten vorbehalten sind, mit Aulen, Bibliothek, Turnhalle, Verwaltungsbüros der Universität, Kino und Cafeteria, während die Parkplätze in der Tiefgarage untergebracht sind. Das Layout gestattet es dem Großteil der Gemeinschaftsräume von der großen Glaswand einen indirekten Zugang auf den zentralen Platz zu haben, um zu gewährleisten, dass dessen Aktivität integrierender Bestandteil derjenigen der Gebäude ist und um in den Übergangszeiten deren natürliche Lüftung zu ermöglichen. Dank der Dämmung und der Hohlräume erzeugen die Außenmauern und die Decken den Effekt eines thermischen Labyrinths, das die Luft im Sommer und im Winter vorkühlt oder vorheizt. Das grüne Dach und die teilweise unterirdische Anlage isolieren den Komplex vom städtischen Lärm und garantieren den Rundum-Komfort der Räumlichkeiten.Der Platz zeichnet sich durch eine leichte Hanglage aus, der ein planer Abschnitt folgt und abschließend eine Treppe, die auf das grüne Dach führt und ist als Freilufttheater konzipiert, deren Kulissen die beeindruckenden und langen Glasfronten sind, die bei nächtlicher Beleuchtung noch bühnenwirksamer werden. Der ideale Ort für die von der Universität organisierten Ereignisse und für öffentliche Veranstaltungen – so ist ein städtisches Wahrzeichen entstanden, für das nicht vorhergesehen war, dass der vor Luftzügen geschützter Platz auch als nächtlicher Unterschlupf für Obdachlose dienen würde. Auch dies ist die unwägbare Entwicklung der Architektur, wenn sie sich voll und ganz in das Gefüge und die Dynamik des urbanen Umfeldes einfügt.
Mara Corradi
Projekt: Dominique Perrault Architecture
Projektpartner Baum Architects, Seoul
Ingenieurbüro: Perrault Projets, Paris (Architekturprojekt); VP&Green Ingenerie, Paris (Tragwerksplanung); HL-PP Consult, München (Building services); Jean-Paul Lamoureux, Paris (Akustik), Rache-Willms, Aix-la-Chapelle (Fassaden)
Berater: Jeon and Lee Partners (Seoul), HIMEC (Seoul), CG E&C (Seoul), CnK Associates (Seoul)
Auftraggeber: Ewha Campus Center Project T/F, Ewha Womans University, 11-1 Daehyundong, Seodaemun-gu, Seoul 120-750, Korea
Luogo 11-1 Daehyundong, Seodaemun_gu, Seoul 120-750, South Korea
Grundstücksgröße 50.000 m2
Bebaute Fläche 70.000 m2
Grünfläche 31.000 m2
Internationaler Einladungswettbewerb: 2004
Planungsbeginn 2004
Beginn der Bauarbeiten 2004
Ende der Bauarbeiten: 2008
Durchgehende Glasfassade
Fotografie: © André Morin / DPA / Adagp, © Perrault Projets / Adagp
www.perraultarchitecte.com














