Gmp und das Grand Theater, Wahrzeichen von Chongqing
  Art des Projektes  
In der Gegend von Zentralchina, zweieinhalb Flugstunden von Shanghai entfernt, liegt Chongqing, eine Millionenstadt mit nichtssagenden Wolkenkratzern, wo der Fortschritt am Rhythmus der Abrissarbeiten und der Neubauten gemessen wird. Am Zusammenfluss von Jialing und Yangtse (der lange Fluss) gelegen, ist in Jiangbei, dem Business District, ein neuer optischer Bezugspunkt für die Stadt errichtet worden, der zu einem Wahrzeichen für die Stadt werden möchte. Das vom Büro GMP entworfene Grand Theater wurde vom Business District, in dem es liegt, selbst finanziert und steht auf einer 60 m hohen steinernen Sockelplattform auf einer Grundfläche von 100.000 m2 und behauptet sich im Panorama der Stadt. Eine Sockelplattform streckt sich zum Zusammenfluss der beiden Flüsse hin, um die neue Architektur wie einen Tempel den Grüßen und Glückwünschen der vorbeifahrenden Schiffe anzubieten. Das aggressive Aussehen der Volumen, die sich an den Schiffsprofilen inspirieren wird beim Emporsteigen der Treppen von der Flusspromenade gemildert und zeigt eine komplett verglaste und transluzente Struktur. Auf die Hell- und Dunkelzyklen reagierend, ebenso wie auf die Witterungsbedingung, ändert sich diese Haut, die aus strukturellen Glasmodulen besteht wiederum und gibt im Inneren des Gebäudes eine immer andere Wahrnehmung wider.
Das große Eingangsatrium befindet sich im Erdgeschoss, man muss aber in den ersten Stock gehen, um zu den beiden Sälen zu gelangen, die an der Längsachse des Gebäudes angeordnet sind. Die “grand hall” mit 1744 Plätzen und die “medium hall” mit 873, sind gegeneinander gerichtet, sodass die hohen Bühnentürme zu 64 m und 52 m in der Mitte des Gebäudes liegen und wie die Schornsteine eines Dampfers wirken. Die jeweiligen Foyers im ersten Stock befinden sich hingegen an den beiden Endseiten des Bauwerks, also am Bug und am Heck dieses “Schiffes”. Jedes Tragwerkselement und Detail dieser Architektur erhält kolossale Proportionen: wie die Treppenrampenfolge, die vom Erdgeschoss zu den Sälen und den Galerien führen oder wie die V-Pfeiler des Eingangsatriums.Außen sind die nicht konventionellen Fassaden aus transluzentem Glas kompakt und beeindruckend in ihrer Entwicklung auf mehreren nebeneinander stehenden Volumen. Nur im Osten und im Westen, auf der Höhe der Eingänge, unterbrechen sie sich in einem rhythmischen Muster aus matten und transparenten Teilen, das nachts, wenn das Innere beleuchtet ist, die Foyers mit ihren Parkettböden und die bühnenwirksamen Leuchter zeigt – ein Vorspiel auf den Reichtum der Theatersäle.Die Plattform, auf der das Theater sich erhebt, ist weitläufig mit vielen Zugangspunkten und ist nicht nur in Platz der Ehrerbietung und der Betrachtung der Architektur, sondern ein öffentlicher Platz zum Wohl der Bürger. Hier kann das Theater wie im klassischen Griechenland eine soziale Rolle einnehmen, das Mittel zur Erziehung der Gemeinschaft und – dank der starken architektonischen Identität – auch ein optisches Wahrzeichen, an dem man die Entwicklung der Metropole ausrichten kann.
von Mara Corradi
Projekt: gmp – von Gerkan, Marg und Partner Architekten
Bauherr: Chongqing Jiangbeizui Central Business District Development & Investment Co. Ltd.
Ort: Chongqing, Jiangbei District (China)
Wettbewerbsentwurf: Meinhard von Gerkan mit Klaus Lenz
Partner: Nikolaus Goetze
Projektleitung: Volkmar Sievers
Mitarbeiter Entwurf: Heiko Thiess, Monika van Vught, Robert Friedrichs, Matthias Ismael, Tobias Jortzick, Dominik Reh, Christian Dahle, Julia Gronbach
Mitarbeiter Ausführung: Kerstin Steinfatt, Nils Dethlefs, Knut Maass, Zhu Huan, Jan Stolte, Li Zhenghao, Ren Yunping
Chinesischer Partner: ECADI
Statik/technische Ausrüstungen: East China Architectural Design & Research Institute Co., Ltd.
Akustik: Müller BBM GmbH
Bühne: Kunkel Consulting International GmbH
Beleuchtung: agLicht, Gesellschaft beratender Ingenieure für Lichtplanung b.R.
Landschaftsarchitekten: Breimann & Bruun
Bruttogrundfläche: 100.000 m2
Wettbewerb: 2004
Projektstart: Januar 2005
Beginn der Bauarbeiten: Juni 2005
Ende der Bauarbeiten: Juni 2009
Strukturen aus Beton und Glas
Fotografie: ©Hans Georg Esch
gmp-architekten.de


















