Steven Holl, Bellevue Art Museum, Washington
  Art des Projektes  
Das von dem Architekten Steven Holl geplante Bellevue Art Museum scheint der Idee des Kunstschiffes von Oscar Wilde zu folgen.
Das im Januar 2001 eröffnete Museum zielt darauf, eine etwas andere und mehr interaktive künstlerische Performance anzubieten: es möchte eher ein Ort der Unterweisung als eine Sammlung von Kunstwerken sein.
In der Tat befinden sich in dem Museum keine Dauersammlungen, sondern es arbeitet mit den örtlichen Kunst- und Lehrinstituten und organisiert innovative künstlerische Programme und zeitlich begrenzte Ausstellungen. Das Museum konzentriert sich mehr auf die Menschen als auf die Gegenstände.
Das Gebäude ist sowohl eine wichtige neue Struktur im urbanen Gefüge einer Stadt, die auf der Suche nach ihrer eigenen Identität ist, als auch eine neue Museumserfahrung, die die Menschen anziehen und anregen möchte, die Kunst zu betrachten, zu erkunden und zu schaffen.
Die Teilnahme ist eine wichtige Komponente: es werden Sammlungen, Vorführungen und praktische Seminare zur Schaffung von Kunst organisiert, die auch die elektronischen Formen nutzen. Außerdem ist auch ein Raum für das Programm "artist-in-residence' vorgesehen.
Holl, der selbst ein Künstler ist, hat den Realisierungsprozess des Projekts mit der Malerei begonnen, auf der Suche nach einer Leit-Metapher für die Planung. Er hat von daher eine Reihe von Modellen hergestellt: drei Finger, die in verschiedene Richtungen zeigen und die starke Kräfte darstellen, die in unterschiedliche Richtungen gehen, auch wenn sie innerhalb des gleichen Systems herrschen.
Am Ende ist aus diesem Prozess das Organisationskonzept der Struktur hervorgegangen: die Dreifachheit.
- 3 erhöhte Galerien, die sich unter den Dächern wie Finger biegen.
- 3 Arten von Lichtern, die die 3 Zeit-Konzepte darstellen: lineare Zeit, zyklische Zeit und zerstückelte/gnostische Zeit.
- 3 Tätigkeiten: Sehen, Erkunden, Schaffen.
- 3 Hauptstufen
- 3 Wegerichtungen.
Unter Bezugnahme auf die Ursprünge des Museums verstanden als Straßenkirmes, öffnet sich das Gebäude der Gemeinschaft. Im Erdgeschoss konkretisiert sich diese Öffnung in großen Fenstern und im Eingang in zwei Ebenen aus Glas und Aluminium, auf die das Kunstwerk der Decke projiziert wird, was ein Kontinuum erzeugt.
Analog dazu dienen Außenterrassen als Verlängerung für das letzte Geschoss des Museums und trennen die Ausstellungsgalerien voneinander. Die Architekten haben sechs Konzept-Terrassen kreiert, die sich an dieser Idee der Dreifachheit und der Öffnung inspirieren. Tagsüber beherbergen die Terrassen die Lektionen im Freien, an Sommerabenden auch Ausstellungen und Veranstaltungen.
Im Inneren finden wir ein ellipsenförmiges Forum, das sich zwei Stockwerke erhebt und den formalen Mittelpunkt des Gebäudes bietet.Eine offene und gebogene Treppe bringt den Besucher vom ersten Stock zur Spitze der Struktur. Wie das Forum sind auch der Museums-Shop und die Cafeteria ' die sich beide im Erdgeschoss befinden ' optisch durch großzügige Fenster mit der umliegenden Gemeinschaft verbunden.
Die Explore Gallery im zweiten Stock steht ganz im Zeichen der Interaktivität und reflektiert eben dieses grundlegende Konzept des erfahrungsbasierten Lernens.
Die Eröffnungsausstellung mit High-Tech Touch gründete auf der praktischen Erfahrung, die die Mittel anbot, um die Architektur zu erkunden und zu verstehen, insbesondere die komplizierte Architektur des neuen Museumssitzes. Die Farbe hat bei der Suche nach einem starken Eindruck eine große Rolle gespielt. Die Stadt besteht aus Grau, Braun und Beige, Holl hingegen hat entschieden, roten Beton zu benutzen - also einen warmen Farbton - in Kombination mit den himmelblauen Aluminiumpaneelen in kalten Tönen. Das Ziel wurde eindeutig erreicht.
Durch Betonung der Basiskomponenten der Architektur wie Licht, Form und reine Materialien war es das Ziel von Steven Holl, die Erfahrung des Raumes subjektiv erleben zu lassen, anstatt eine akademische Definition des Stils und der Sprache vorzuschlagen.
"Das Bellevue Art Museum basiert auf einer einfachen Philosophie: die Freude, die Potenz und die Kreativität der Kunst findet sich nicht in den Bildern und Skulpturen. Sie ist in den Augen, im Herzen, in den Händen und in dem Geist der Künstler und des Publikums", so hat sich die Museumsleiterin Diane Douglas ausgedrückt. "Unser neues Haus wird ein anregender Ort sein, an dem sich die Künstler und das Publikum vereinigen, um die Kunst zu betrachten, zu erkunden und zu schaffen".
Und das Gebäude von Holl, das an und für sich ein auf der Erfahrung gegründetes Kunstwerk ist, wird das erste inspirierende Element sein, das zum Erreichen dieses Zieles beiträgt.
Shira Brand






