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MONICA TRICARIO – PIUARCH

MONICA TRICARIO – PIUARCH

Monica Tricario, Sie vertreten die weibliche Stimme eines der fortschrittlichsten Büros des italienischen Architektur-Panoramas. Was ist Ihrer Ansicht nach der wichtigste Beitrag, den Sie als Frau und Architektin für das Büro leisten?

Architektur ist heute â' wie ein Großteil der Berufe â' immer weniger eine männliche Domäne. Architekt sein heißt die Dinge sehen, unabhängig von der Tatsache, ob Mann oder Frau. Was nun speziell unser Büro betrifft, das aus 4 Partnern besteht, von denen drei Männer sind, dann ist mein größter Beitrag wohl der, dass ich der Gruppe Zusammenhalt verleihe und zwischen den Ideen und den Persönlichkeiten aller zu vermitteln.

Gibt es eine Architektin, die Sie besonders inspiriert?

Wir lassen uns von guten Architekten inspirieren, unabhängig davon, ob es sich dabei um Männer oder Frauen handelt. Unter den Frauen bewundere ich am meisten Kazuyo Sejima.

Mit dem Business Center Quattro Corti in Sankt Petersburg hatten Sie Gelegenheit, sich mit dem historischen Gefüge einer russischen Stadt zu konfrontieren, die das Werk verschiedener italienischer Architekten ist. Wie sind Sie an das Projekt herangegangen?

Unser Projekt geht von einer besonderen Aufmerksamkeit auf das Umfeld und die städteplanerische Tradition der Stadt aus - ohne dabei aber auf eine moderne architektonische Sprache zu verzichten. Es entsteht also aus dem Willen, eine zeitgenössische europäische Architektur in einen stark geschichtlich geprägten Kontext einzufügen.
Das Gebäude heißt Quattro Corti, also die vier Höfe, weil es durch vier Bereiche gekennzeichnet ist, welche den Innenräumen Licht geben. Die Fassaden sind alle transparent, mit spiegelnden und reflektierenden Glasscheiben in vier verschiedenen Farben â' Gold, Grün, Hellblau und Weiß â' die sich an den Farben der historischen Wohnhäuser von Sankt Petersburg anlehnen. Die Glasplatten der Fassaden sind unterschiedlich geneigt und drehen sich bezogen auf die Außenkante: Daraus resultiert eine sehr eindrucksvolle Fragmentierung der Reflexe im Glas und ein Kaleidoskop-Effekt, der durch die Veränderung des Tageslichteinfalls belebt wird. Die Plätze sind als Treffpunkte konzipiert, die für öffentlichen Aktivitäten, Kunstinstallationen und Ausstellungen da sind.
Quattro Corti ist das erste Projekt, das nach dem Mauerfall von nicht russischen Architekten in Sankt Petersburg realisiert wurde. Wir sind deshalb sehr glücklich, in gewisser Weise die italienische architektonische Tradition in dieser Stadt “erneuert” zu haben.

Für den Bau dieses Gebäudes haben Sie sich einem Pool von Unternehmen anvertraut, die zum Teil aus Italien, zum Teil aus Russland stammten. Mit welchen Kriterien haben Sie diese ausgewählt und hat das funktioniert?

In diesem Sinne waren die Quattro Corti für uns ein interessantes “Pilot-Projekt”, denn die Auswahl der Unternehmen wurde gemeinsam mit dem Bauträger getroffen und zwar auf der Grundlage der spezifischen Kompetenzen jeder Firma. Die russischen Unternehmen haben sich als sehr qualifiziert erwiesen, was den Beton, das Tragwerk, die Metallelemente betrifft, während wir italienische Firmen für die Glasfassaden, die Steinverkleidungen, die Inneneinrichtungen ausgesucht haben. Ein Zusammenspiel, das zu optimalen Ergebnissen geführt hat.

Die Hauptfassade der Bentini Headquarters zeigt einen vollkommen anderen Stil, vielleicht mehr mediterran geprägt?

Unsere Projekte gehen immer von einer sorgfältigen Analyse des Ortes aus, in den sie sich einfügen, von den vorhandenen klimatischen Bedingungen, aber auch von der Kultur, der Kunst, der Tradition dieses besonderen Umfelds, der historisch für die Bauwerke des Ortes benutzten Materialien.
Das Resultat ist immer ein Projekt voller “Kontaminationen” das sich gleichzeitig durch einen Stil auszeichnet, der uns angehört und uns kennzeichnet. In diesem Fall verleiht die Front auf der Straßenseite dem Gebäude einen markanten und einzigartigen Charakter und entsteht, indem über die durchgehende Verglasung der Büros eine modulare Gitterstruktur ausgerichteter Sonnenfilter gelegt wird, die die Fassade in rechteckige Raumabschnitte unterschiedlicher Größe aufteilt. Diese kompositorische Lösung macht die Wahrnehmung des Baus zu einer sich ständig ändernden Erfahrung â' ja nach Position des Betrachters bezogen auf die Fassade und je nach Tageslicht, welches die Schatten der Körper modelliert. Die Rückseite des Gebäudes ist so konzipiert, das sie anhand einer komplett verglasten Fassade eine starke visuelle Kontinuität mit der umgebenden Landschaf beibehält. Die beiden Fassaden unterscheiden sich zwar, sind aber beide anhand ihrer Transparenz von dem Willen zur Öffnung nach Außen gekennzeichnet.

Gibt es ein Projekt, das Sie mehr als Ihres empfinden?

Die Projekte sind immer das Ergebnis der Zusammenarbeit, das Resultat vieler Stimmen und Ideen, die zum Schluss eine einzige werden.
Im Büro arbeiten außer uns Partnern rund dreißig Mitarbeiter, die aus verschiedenen Teilen der Welt stammen. Es gefällt uns zu denken, dass diese Vereinigung unterschiedlicher Ideen und Kulturen immer ein Mehrwert ist, also das gewisse Etwas “mehr”, das die Ergebnisse unserer Arbeit bereichert.

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

In Mailand beenden wir eine wichtige Baustelle, ein Büro- und Geschäftsgebäude bei Porta Nuova, neben den drei Bürohochhäusern von César Pelli. Eine geschwungene und gewellte Architektur, die in der Lage ist, eine Beziehung mit dem Umfeld herzustellen und dabei die eigene Erkennbarkeit zu behaupten. Das Gebäude spielt mit der Gegenüberstellung seiner beiden Hauptfronten: Die Nordfront blickt auf den Platz, gliedert sich in einer weitläufigen, leichten und transparenten Fassade, die als strenge Kulisse auf den Fußgängerbereich und den Park der Gärten von Porta Nuova fungiert. Die nach Süden ausgerichtete Front wird von einem System aus Brise-Soleil geschlossen. Die Kontinuität der Frontseite, die rund 140 Meter lang ist, wird von einem System bunter Innenhöfe belebt, die sich auf den verschiedenen Niveaus in das Bauwerk einfügen und das Licht in die verschiedenen Stockwerken bringen. Ebenfalls in Mailand haben wir vor Kurzem einen neuen Sitz für Dolce&Gabbana abgeschlossen sowie die Fassaden von Boutiquen in verschiedenen Teilen der Welt: New York, Las Vegas, Shanghai, Hong Kong. Derzeit arbeiten wir auch am Bau eines Einkaufszentrums vor den Toren von Moskau.

 

 

 

 


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