Videointervista con Luis Mansilla
28-02-2007
Luis Mansilla
Intervista
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Marco Casamonti: Louis, heute hat eine Konferenz-Mitteilung hier auf der Triennale in Mailand stattgefunden und du hast dich zu einem sehr wichtigen Thema geäußert, das auch für mich von gleicher Bedeutung ist, und zwar bezogen auf das Ende der Stilsprache. Das heißt, dass die Gegenwart, die Architektur der letzten Jahre, das Problem der Sprache gelöst hat, indem sie den Ausdruck ihres Daseinszwecks in den Materialien, in der Ertastbarkeit, in den Sinnen, in dem Besuch einer Baukunst gesucht hat, und dies scheint mir eine wichtige Passage zu sein, die man vielleicht noch besser erklären kann.
Luis Mansilla: Ich denke, dass wir in den letzten 25-30 Jahren einer sehr wichtigen Wandlung der klassischen Werte der Architektur beigewohnt haben.
Die Komposition, die Idee einer anderen Gesellschaft, die Sprache, sind nicht mehr Gegenstand des Interesses für die Architekten. Wir haben gesehen, dass es andere Interessen gibt.
Vor zwanzig Jahren sprach man an den amerikanischen Universitäten in der "final jury" nur von Stilsprache.
Dieses Semester waren wir an der Harvard-Universität und wir haben festgestellt, wie das Wort, dieses so wichtige Element, absolut verschwunden ist, während neue Analyseelemente, wie die Ausdrucksfähigkeit der Materialien oder die neuen Formen der Beobachtung der Materialien, die Vehikel einer neuen Ausdruckskraft geworden sind, sich ganz wichtigen Akteuren in der Architektur entwickelt haben. Es gibt Projekte, die eben davon ausgehen.Auch bei der Konferenz von Perrault haben wir gesehen, wie man von diesem Standpunkt aus denken kann.
M.C.: Ich meine, dass man dies als eine Eroberung betrachten kann, als einen Fortschritt der Modernität, in einer Vision, die den Stil, die Kalligraphie überwindet, sich aber andere Fragen stellt. Bei allen euren Projekten spielen die Materialien eine wirklich wichtige Rolle und sprechen. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Wiedererkennbarkeit eurer Baukunst gibt: Ich denke da an die großen durchlöcherten Fenster, die zu einem neuen Ausdruckskodex werden. Die Architektur bewegt sich in einer freien Partitur, das scheint mir euer Thema zu sein: Jedes Projekt ist eine neue und unabhängige Suche.
Luis Mansilla: Ja, jedes Projekt beginnt beim Unerforschten und das ist so faszinierend.
Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen mit verschiedenen Bedeutungen und Interessen: Diejenigen, die miteinander kombiniert werden können, werden akzeptiert und diejenigen, die Gegensätze aufweisen, werden aussortiert, aber trotzdem berücksichtigt. Es scheint sich hier um eine Übung im Masochismus zu handeln, doch ich glaube, dass es wichtig ist, sich auf einige Elemente zu konzentrieren, die wichtig werden. Innerhalb dieser Rigorosität herrscht eine ernorme Freiheit. Wie beim Schachspiel, wo es haargenau Regeln gibt, aber die Partien endlos sind.
Ich bilde zusammen mit meinem Kollegen Emilio Tuñón und unseren Mitarbeitern eine Arbeitsgruppe und mit diesen Regeln gibt es Platz für die Kreativität aller. Die Regeln sind grundlegend für ein gutes Gelingen eines Arbeitsteams: Sie bestimmen, was man nicht machen kann, von daher ist das Machbare in absoluter Freiheit möglich.
M.C.: Was eurer neuestes Projekt betrifft, das Automobilmuseum in Madrid, so weist es ein kreisförmiges, kein quadratisches Raster auf und die Materialien erlangen Bedeutung und bilden die Fassade.
Es scheint, also ob der erzählerischer Inhalt des Projekts nicht mehr eine Frage der Sprache und des Stils ist, sondern den körperlichen Empfindungen übertragen wurde, also der Optik, den Baustoffen und den Farben. Dies stellt den Menschen, das Individuum bezogen auf die Disziplin in den Mittelpunkt. Die Architektur ist eine Disziplin, doch was zählt, ist wie man sie nutzt.
Luis Mansilla: Ganz sicher. Ich habe einen Text mit dem Titel "Nach dem Raum" verfasst, in dem ich schreibe, wie der Raum nicht mehr die Hauptrolle in der Architektur spielt. Wir haben hier eine Rückkehr zu einer Art "Primitivismus": Es werden die Sachen wichtig, die uns umgeben, die wir fühlen und anfassen können, mehr als die Grundsatzideen der Architektur. Bei unseren ersten Projekten ist der Sinn des Materials sehr stark, aber im Laufe der Zeit haben wir uns auf die Suche der Freiheit innerhalb der Disziplin konzentriert, um die Gefühle der Verschiedenheit der Dinge zu vermitteln.
Man muss sich nur das Museum von Zamora anschauen: Es kann nichts verändert werden, wie bei einer Maschine. Was anders sein kann, kann man wechseln und was man wechseln kann, kann man benutzen.
M.C.: Eure Forschung, die auch anhand der Erfahrung der Zeitschrift "Circo" vorwärts getragen wird, ist eine abgeschlossene oder kontinuierliche Forschung?
Luis Mansilla: Auf jeden Fall kontinuierlich.
M.C.: Wenn man von der eigenen Erfahrung auf dem Sektor der Architektur redet, ist es wichtig, von den Ursprüngen zu sprechen: Woher man kommt, was man gemacht, betrachtet hat, wo man aufgewachsen ist. Ihr habt 10 Jahre für Rafael Moneo gearbeitet und es wäre interessant, heute -nach vielen Jahren- darüber zu sprechen, was euch von seinen Unterweisungen und eurem Aufenthalt in seinem Büro geblieben ist.
Luis Mansilla: Ein Philosoph sagte einst: "Es ist die Aufgabe des Schülers, seinen Meister zu verlassen, aber es ist die Aufgabe des Meisters, den Schüler zu täuschen". Aus der Erfahrung im Büro von Moneo haben wir gelernt, wie wichtig Ehrlichkeit und Kohärenz sind. Außer dem Stil haben wir verstanden, dass es in den Architekturwerken persönliche Obsessionen, öffentliche Notwendigkeiten, Probleme der Konstruktion und der Geometrie gibt, weshalb es wichtig ist, alle diese Elemente auf kohärente Weise miteinander zu verbinden. In der Kohärenz entsteht die Architektur.
Deswegen mögen wir Mies van der Rohe und genauso Le Corbusier und die romanischen Kirchen, denn in diesen Werken sehen wir die Kompaktheit, die Einheit und die Harmonie, die konstant das Ziel unserer Forschung sind. Das wahre Problem des "Architekturmachens" ist nicht, Ideen zu haben, sondern Zeit einzusetzen, um die Elemente aus einem Projekt zu extrahieren.
M.C.: Anhand der Projekte versteht man leicht eure Identität, euren Ursprung, eure Präsenz spanischer Architekten. Ein weiteres kennzeichnendes Element eurer Bauwerke ist die Art und Weise, wie ihr die Materie behandelt: Alle Projekte, auch die aus Glas, sind mit dem Boden verwurzelt. Die Gebäude sind nicht leicht, sie suchen keinen kompositorischen Weg durch die Kombination der Teile, sondern sie haben Masse, Volumen und Kraft, auch wenn sie aus leichten Materialien gebaut sind.
Dieses stimmt mit der Architektur der Mittelmeerlandschaft überein und diese Präsenz empfindet man als spontan, denn sie ist im DNA verwurzelt. Sind diese stilistischen Merkmale wirklich das Resultat einer "Nicht-Forschung?" Oder gibt es da den präzisen Willen, sich in ein Panorama der Architektur einzufügen, das beschlossen hat, nicht der angelsächsischen Linie aus Stahl und Glas zu folgen, die mit der gotischen Architektur verknüpft ist und im Gegensatz dazu die Massivheit der romanischen Architektur aus Volumen und Teilen zu bevorzugen?
Luis Mansilla: Ich denke, dass unsere Art des Architekturmachens spontan ist. In Spanien ist die Faszination verbreitet, das leicht erscheinen zu lassen, was schwer ist.
Das scheint uns sehr viel interessanter zu sein, als das leicht erscheinen zu lassen, was leicht ist. Vielleicht hat unser Land weder die Technologie noch das Geld, um Projekte aus Stahl und Glas zu realisieren. Aus diesem Grund ist der Wunsch so stark, etwas so erscheinen zu lassen wie dessen Gegenteil. Dies verspüren wir, wenn wir Tempel und massive Säulen betrachten, die uns leicht erscheinen. Das ist wunderschön in der Baukunst und sehr wichtig um die Art der Gestaltung in unserem Land zu verstehen.
Ich meine, dass der Raum nicht Gegenstand lebenswichtiger Überlegungen ist, sondern für uns Architekten vielmehr ein Tablett darstellt, auf dem wir unsere Gedanken zur Zeit positionieren können. So ist jedes Architekturwerk eine Studie über unsere Beziehung mit der Zeit und zum schwankenden Verhältnis zwischen Schein und Sein.
M.C.: Das ist seltsam, denn alle eure Bauwerke leben viel von der Beziehung mit dem Licht: Man kann sagen, dass ihr das Konzept des Raums mit dem Konzept des Lichts ersetzt, denn in jedem eurer Projekte findet man eine Überlegung darüber, wie das Licht in das Gebäudeinnere eindringt und wie es sich in dessen Inneren verändert. Beim MUSAC in León sind einige Oberlichter nach Norden, andere nach Süden ausgerichtet und das Licht verändert seine Farbe im Inneren, je nachdem ob es von Norden oder Süden stammt. Können wir sagen, dass ihr euch nicht auf den Raum fixiert, weil ihr - so meine ich - die Obsession des Raumes mit der des Lichts ersetzt habt?
Luis Mansilla: Ja, denn das Licht verändert die Dinge und ist auch das wirtschaftlichste Baumaterial.Die Welt ist statisch und das Leben stammt aus der Fähigkeit zum Wandel, zur Veränderung und das hängt mit der Zeit zusammen und nicht mit dem Raum, der als etwas Stabiles verstanden wird.
M.C.: In diesem Moment achten wir stark auf das, was sich ändert, auf die Entwicklung der Architektur und es ist die Zeit mehr als der Raum, der dieses Gefühl des ständigen Wandels verleiht.
Luis Mansilla: Ja, das meine ich auch.


